Autofabrik von Chrysler in Toledo, Ohio (Archiv) © J.D. Pooley/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Wadhwa, bei der Wahl 2012 ist die Abwanderung von Industriearbeitsplätzen ein heißes Thema. Sie sagen, die Industrie kommt wieder nach Amerika zurück.

Vivek Wadhwa : Daran besteht kein Zweifel. Wir erleben es noch in diesem Jahrzehnt.

ZEIT ONLINE: Heißt das Licht am Ende eines langen Tunnels in Regionen wie Ohio , die noch immer unter der Abwanderung von Jobs leiden?

Wadhwa : Die Industrie wird zurückkommen, aber nicht nach Ohio . Oder nur, wenn die Arbeiter dort völlig umgeschult werden. Aber ich sehe eher Silicon Valley als neuen Standort. Nehmen Sie die Fertigung des elektrischen Sportwagens Tesla – das ist die fortschrittlichste Autofertigung der Welt. Es wird so gut wie alles von Robotern gemacht, die Arbeiter dort werden nach Silicon Valley-Niveau bezahlt – erhalten also die höchsten Löhne und Gehälter im Land . Das kann sich das Unternehmen leisten, weil die Fertigung einen derart hohen Automatisierungsgrad erreicht hat.

ZEIT ONLINE: Viele Unternehmen geben den mangelnden Qualifikationen der Arbeitnehmer die Schuld, dass trotz der hohen Arbeitslosigkeit viele Stellen unbesetzt bleiben.

Wadhwa: Deutschland mit dem dualen Ausbildungssystem kann da ein gutes Vorbild sein, wie man praxisbezogene Fachkräfteausbildung hinbekommt. Da kann Amerika sich einiges abschauen.

ZEIT ONLINE: Ist nicht eines der Probleme in den USA , dass niemand mehr in der Fabrik arbeiten will und deshalb lieber ins College geht?

Wadhwa: Ich glaube nicht, dass jemand in der Tesla-Fertigung so denkt. Das sind Jobs mit Prestige. Vor ein paar Wochen kam der Baxter auf den Markt, ein Roboter mit zwei Armen, der nur 22.000 Dollar kostet und an einem Tag von einem Arbeiter programmiert werden kann. Das ist die Zukunft: Wir brauchen Arbeiter, die selbständig Roboter programmieren können, die mit Computern umgehen können und kreativ sind dabei. Die Jobs, bei denen die Leute die ewig gleichen Handgriffe wiederholen, sind vorbei. Das will mit Recht hier keiner mehr machen!

ZEIT ONLINE: Das hört sich schön an, aber werden denn damit genug neue Jobs geschaffen, um den Wegfall der alten Jobs aufzufangen? Was sagen Sie denn den Arbeitslosen in Ohio?

Wadhwa : Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. An manchen Tagen bin ich da optimistischer, an anderen weniger.

ZEIT ONLINE: Was sagen Sie an optimistischeren Tagen?

Wadhwa: Dass wir alle künftig weniger arbeiten und mehr Freizeit haben und deswegen der Dienstleitungssektor Arbeitskräfte absorbiert.

ZEIT ONLINE: Das ist aber wirklich sehr optimistisch!

Wadhwa : Einen ungeheuer großen Vorteil hat die neue automatisierte amerikanische Industrie aber auf jeden Fall: Sie macht uns unabhängiger von China . Jeder redet heute von den Währungsmanipulationen der Chinesen und Handelskriegen. Dabei ist die Lösung, mehr in Innovation von Fertigungstechniken zu stecken. China wird zunehmend Probleme bekommen. Nehmen wir die seltenen Erden , die China jetzt hortet – wir sind im Westen schon dabei, mithilfe der Nanotechnologie Ersatz zu schaffen. Und je mehr wir automatisieren, desto weniger brauchen wir die billigen chinesischen Arbeitskräfte. Ökonomisch gesehen zumindest hat China den Höhepunkt überschritten.