Dass die Bank of Japan bereit ist, im Kampf gegen die Krise noch weiter zu gehen, scheint klar. Zentralbankchef Shirakawa deutete erneute Staatsanleihekäufe an, nachdem die enttäuschenden Wachstumszahlen am Montag bekannt wurden. Es bestehe "kein Zweifel", dass die Bank of Japan "alle Anstrengungen für weitere Lockerungen" unternehmen sollte, sagte er. Fraglich ist aber, ob das der darnieder liegenden japanischen Wirtschaft überhaupt noch helfen kann. Erst vor rund zwei Wochen weitete die Zentralbank ihre Bilanz um ein gutes Zehntel auf 91 Billionen Yen (rund 900 Milliarden Euro) aus; ohne Erfolg.

Schon vorige Staatsanleihekäufe haben kaum etwas gebracht. Weder wurde die Währung schwächer wie gewünscht, um die Exporte anzukurbeln, noch belebte das frische Geld die Wirtschaft.

Sparprogramme, Rezession, sinkende Preise

Manche Ökonomen fürchten, dass Europa angesichts der hohen Verschuldung seiner Mitgliedsländer in eine ähnliche Deflationsfalle geraten könnte. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat etwa wiederholt davor gewarnt, ebenso der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Der zugrunde liegende Mechanismus ist leicht nachzuvollziehen: Allzu harte Sparprogramme lassen die Wirtschaft schrumpfen, und meist sinken dann auch die Preise. Zugleich sind die Zinsen niedrig, und die Zentralbank kauft im Kampf gegen die Krise Staatsanleihen.

Wenn die Politik es in einer solchen Situation nicht schafft, rasch gegen die Wachstumsschwäche anzugehen, könnten ihr – ähnlich wie in Japan – die Instrumente ausgehen. Zugleich würde die Kaufkraft der Schuldnerländer weiter sinken, weil ihre Verbindlichkeiten, relativ betrachtet, an Wert zunähmen. Und wenn Unternehmen und Konsumenten erwarten, dass die Preise in Zukunft weiter sinken, werden sie weder investieren noch konsumieren. Erste Signale dafür gibt es bereits: Im Jahr 2012 ist Europas Inflationsrate schon leicht rückläufig, trotz wiederholter Staatsanleihekäufe durch die EZB.

In Japan versucht die Regierung derweil, sich das letzte bisschen an Handlungsspielraum nicht nehmen zu lassen. In der vergangenen Woche einigten sich die größten Parlamentsfraktionen nach hitzigen Debatten, weitere Staatsanleihen in Höhe von 38,3 Billionen Yen auszugeben. So wollen sie rund 40 Prozent des aktuellen Staatshaushaltes finanzieren. Wer die Anleihen kauft, dürfte angesichts der offiziellen Zusammenarbeit zwischen Regierung und Zentralbank schon feststehen. Ob der Schritt hilft, bleibt dennoch fraglich. Möglicherweise reißen die schlechten Nachrichten aus Japan so schnell nicht ab.