Vorbereitung auf die Fußball-WM: Baustelle in Katars Hauptstadt Doha © Mohammed Dabbous/Reuters

Über Pro-Kopf-Emissionen mag Abdullah bin Hamad al-Attiyah lieber nicht sprechen. Er ist der Vizepremier von Katar und leitet die diesjährigen Klimaverhandlungen in Doha , der Hauptstadt des kleinen Emirats am persischen Golf. Kein Land der Welt stößt so viel CO2 pro Kopf aus. Für eine Klimakonferenz ist Katar auf den ersten Blick ein absurder Gastgeber.

Attiyah hingegen hält den Verweis auf die Pro-Kopf-Emissionen für einen Trick der reichen Länder, um die kleinen Staaten unter Druck zu setzen. "Entscheidend ist, wie viel Emissionen jedes Land produziert", sagt er. Der Ausstoß pro Kopf sei weniger wichtig.

Katars Wohlstand gründet auf reichen Erdgasvorkommen. Dazu gibt es kleinere Ölreserven. Rund drei Prozent der weltweiten jährlichen Erdgasproduktion wird in Katar gefördert, rechnet die Internationale Energieagentur vor. Damit ist Katar der siebtgrößte Erdgasförderstaat weltweit.

Mehr als zwei Drittel der Produktion gehen in den Export. Das Geschäft mit dem Gas hat Katar reich gemacht. Sein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gehört ebenfalls zu den höchsten der Welt.

Trotz ihres Wohlstands zahlen die Katarer so gut wie nichts für Strom. Energie wird vom Staat hoch subventioniert – entsprechend schnell steigt der Bedarf. Heute verbraucht Katar rund 17 Prozent mehr Elektrizität als noch vor zwei Jahren. Die Nachfrage wird wohl weiter steigen. Die Regierung baut die energieintensiven Industrien des Landes aus, ebenso den Tourismus. Für die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 werden neue Hotels und Stadien gebaut. Natürlich mit stromintensiven Klimaanlagen.

Warum ein Klimagipfel gerade in Katar stattfindet? Einem Land, in dem es so gut wie keine erneuerbaren Energien gibt? Ursprünglich war es für Katar eine Frage des Prestiges, die Klimakonferenz auszurichten. Das Land ist außenpolitisch stark, es besitzt im arabischen Raum Einfluss und ist unabhängig von der Regionalmacht Saudi-Arabien . Die katarische Regierung hofft, dass sie durch den Gipfel an internationalem Ansehen gewinnt – ähnlich wie durch die Ausrichtung der Fußball-WM in zehn Jahren.

"Die Katarer werden viel daran setzen, dass der Gipfel kein Flop wird", sagt Regine Günther, Klima-Fachfrau des WWF. Fachleute bescheinigen der Regierung inzwischen einen echten Willen zu mehr Nachhaltigkeit. Katar wolle viel Geld in erneuerbare Energien investieren, sagt Klimagipfel-Gastgeber Attiyah. Schließlich wisse man, dass fossile Energievorräte eines Tages erschöpft sein werden.