Koalitionspläne"Das wäre eine Schwächung für die KfW"

Schwarz-Gelb will mit den Gewinnen der Kreditanstalt für Wiederaufbau den Haushalt aufbessern. Kfw-Chef Schröder warnt: Gerade in Krisenzeiten brauche die Bank das Geld. von Rolf Obertreis

Frage: Herr Schröder , die KfW zieht in Deutschland immer mehr Geschäft an sich. Nur die Deutsche Bank ist national und international noch stärker. Über die satten Gewinne freut sich der Finanzminister.

Ulrich Schröder: Ich denke, er ist nicht unzufrieden, aber die KfW schüttet ihren Gewinn nicht aus. Sie darf es gar nicht. Er fließt in unsere Rücklagen, stärkt unser Eigenkapital und somit das Fördergeschäft.

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Frage: Trotzdem gibt es aktuell Begehrlichkeiten. Die Koalition will ab 2014 an die Gewinne der KfW ran. Was wären die Folgen für ihr Haus?

Ulrich Schröder

Ulrich Schröder ist seit 2008 Vorsitzender des Vorstands der Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Der Jurist ist verheiratet und hat drei Kinder.

Schröder: Das wäre eine Schwächung für die KfW. Das Ausschüttungsverbot hat sich in der über 60-jährigen Geschichte der KfW sehr bewährt. Wir konnten den Förderauftrag in Krisenzeiten stets nachkommen, ohne von unseren Eigentümern zusätzliches Kapital erbitten zu müssen. Auch in der derzeitigen Krise sind wir wieder stark gefordert, was sich an den hohen Förderzahlen und den vielfältigen Sonderaufgaben – Stichworte Energiewende, Telekom , Post oder möglicherweise EADS – ausdrückt.

Frage: Generell könnte es politisch nicht opportun sein, wenn die KfW immer mehr Aufgaben übernimmt.

Schröder: Das ist tatsächlich ein Spagat. Wir wollen Banken und Sparkassen kein Geschäft wegnehmen, wir wollen und sollen subsidiär agieren, also genau da, wo die Institute nicht aktiv sind. Das ist die klassische Aufgabe einer Förderbank. Deshalb werden wir uns in der KfW auf unsere traditionellen Bereiche konzentrieren: Die Förderung des Mittelstandes, auf Klima- und Umweltschutz, auf die Energiewende sowie im Auftrag des Bundes auf die Unterstützung von Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Förderung der allgemeinen, nicht energieeffizienten Wohnungssanierung haben wir zurückgefahren, die ungebundene Kommunalfinanzierung, die nicht für bestimmte Investitionszwecke wie etwa im Energieeffizienzbereich verwendet wird, eingestellt.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. hat recht - gerade bei der KfW sollte man nicht ans Eingemachte gehen; sie stellt ein sehr wichtiges Bindeglied zwischen Staat und Wirtschaft dar und fördert den Mittelstand, der sonst vermutlich größte Probleme hätte, an Kredite zu kommen.
    Wenn die Bundesregierung ihre Finger nach den Gewinnen ausstreckt, schwächt sie die KfW auf unverantwortliche Weise. Ich hoffe stark, Herr Schröder kann sich durchsetzen.

    • Taranis
    • 08. November 2012 14:34 Uhr

    Mal wieder zeigt sich die auf Legislaturperioden begrenzte Sichtweise unserer Politiker jeden Coleurs.
    Anstatt aus den Folgen einer jahrelangen Schröpfung der Rentenkassen zu lernen möchte man jetzt, in Zeiten in denen man private Kreditinstitute zu mehr Rücklagen verdonnern will, man fix die Rücklagen der KfW plündern.

    Offensichtlicher gehts ja wohl kaum.

  2. Das wäre es ja noch, wenn diese Dilettanten zum Anschluss noch die KfW aushöhlen.

    • Bahamut
    • 08. November 2012 16:11 Uhr

    Die KfW ist keine Geschaeftsbank, sondern wurde als Bank mit einem klaren wirtschaftlspolitischen Auftrag gegruendet (Mittelstandsfoerderung, Entwicklungshilfe, Umweltschutz).

    Wenn die Plaene der Regierung tatsaechlich umgesetzt werden, waere dies ein Skandal erster Guete!

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  • Schlagworte Ulrich Schröder | Telekom | Deutsche Bank | EADS | Eigenkapital | Entwicklungsland
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