Rajendra Pachauri (rechts), der Vorsitzende des Weltklimarats, und Sir Paul McCartney (zweiter von rechts) vor drei Jahren im EU-Parlament. Beide warben im Kampf gegen den Klimawandel für einen "fleischfreien Montag". © Georges Gobet/AFP/Getty Images

Am Beispiel der Agrar-Emissionen lässt sich gut zeigen, warum genaue Berechnungen so schwierig sind. Ihr größter Teil besteht aus Lachgas und Methan. Doch zu Bilanzzwecken ist es üblich, diese beiden Gase in Kohlendioxid-Äquivalente umzurechnen. Die Klimaforscher aber sind sich nicht einig darüber, welcher Umrechnungsfaktor zu diesem Zweck der richtige wäre. Zwar gibt es Vorgaben vom IPCCC, doch die werden nicht von allen angewandt. Je nachdem, welcher Umrechnungsfaktor benutzt wird, könnten die Ergebnisse sich um bis zu 20 Prozent unterscheiden, schreibt Noleppa.

Ähnlich sieht es bei den indirekten Emissionen aus. Wenn in Südamerika beispielsweise ein neuer Hektar Land urbar gemacht wird, kann das – je nachdem, ob dafür Regenwald oder Savanne gerodet wird – ganz unterschiedliche Treibhausgasemissionen zur Folge haben. Doch weil die zugrunde liegenden Studien keine detaillierte Unterscheidung ermöglichten, behalf man sich für die WWF-Studie mit einem Durchschnittswert. Die Autoren kalkulierten für die ganze Region mit 151 Tonnen an zusätzlichem Kohlendioxidausstoß je urbar gemachtem Hektar Land.

Mehr Emissionen als der Verkehr

Bei aller Unsicherheit kommt Noleppa am Ende aber doch zu Ergebnissen: Die fast 82 Millionen Einwohner Deutschlands verursachten durch ihre Ernährung etwa 164 Millionen CO2-Äquivalente an direkten Emissionen, schreibt er. Zum Vergleich: Der Verkehr trage 156 Millionen Tonnen zu den deutschen Gesamtemissionen bei. Zusätzlich hätten veränderte Ernährungsgewohnheiten den ernährungsbezogenen Treibhausgasausstoß vom Jahr 2009 bis zum Jahr 2010 um zwanzig Prozent erhöht. Beide Effekte zusammengenommen verursache jeder Einwohner durch seine Ernährung etwa 2,5 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen pro Jahr.

Am Ende der Studie gibt der WWF noch Ratschläge zur klimabewussten Ernährung: Die Verbraucher sollten weniger Fleisch essen und mehr Gemüse sowie bevorzugt Saison- und Bioprodukte verwenden. Der Handel solle kleinere Portionen anbieten, ebenso wie die Gastronomie, und die Logistik entlang der Wertschöpfungskette besser koordinieren.

Auch die Politik wird zum Handeln aufgefordert. Sie soll durch Informationskampagnen und Geld dazu beitragen, dass Nahrung wieder eine höhere Wertschätzung erfahre. Zugleich soll sie Handelsklassen, Normen und Standards überarbeiten. "Oft bestimmen allein Farbe und Größe, ob ein Produkt im Regal oder im Müll landet", stellt die Studie fest. Wenn neue Handelsnormen das ändern würden, wäre nicht nur dem Klima geholfen.

Steuern auf Stickstoff?

Die Politik könnte das Problem auch grundsätzlicher angehen. Das zeigen die Vorschläge des Agrar-Experten Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er plädiert dafür, die europäische Agrar- und Umweltpolitik unter Klima-Aspekten weiterzuentwickeln. Durch eine Stickstoff-Besteuerung könnten Lachgas-Emissionen vermieden werden, die den weitaus größten Teil des landwirtschaftlichen Treibhausgas-Ausstoßes ausmachen.

Schließlich könne die Einbeziehung des Agrarsektors in den Emissionshandel die Klimaeffekte der Landwirtschaft weiter senken, sagt Lotze-Campen. Das sei zwar nicht einfach: "Die Transaktionskosten wären vermutlich hoch." Dennoch ist er dafür, diese Möglichkeit zumindest zu prüfen.