TreibhausgaseUnsere Ernährung schadet dem Klima mehr als der Verkehr

Der WWF versucht erstmals zu schätzen, wie sehr unsere Ernährung dem Klima schadet. Das Fazit: Rund sieben Prozent der Emissionen könnten wir vermeiden. von 

Ein Arbeiter steht in einem Schlachtbetrieb in Bayern zwischen Rinderhälften (Archivbild)

Ein Arbeiter steht in einem Schlachtbetrieb in Bayern zwischen Rinderhälften (Archivbild)  |  © Sean Gallup/Getty Images

Paul McCartneys Einsatz scheint die Deutschen wenig beeindruckt zu haben. Vor drei Jahren, kurz vor dem Beginn der mit Erwartungen überfrachteten Klimakonferenz in Kopenhagen , warb der Musiker für die Vorteile einer vegetarischen Ernährung. "Less Meat, less heat" hieß die Kampagne, an der sich damals auch Rajendra Pachauri beteiligte, der Vorsitzende des Weltklimarats IPCCC.

Die Botschaft der beiden Klimakämpfer: Wer Gemüse isst, verursacht weniger Treibhausgase als Fleischesser. Wenigstens an einem Tag in der Woche sollten die Menschen auf Fleisch verzichten .

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Zwei Wochen vor dem Beginn der Klimakonferenz in Doha hat die Umweltorganisation WWF ausgerechnet, wie viel Treibhausgase die Ernährung der Deutschen verursacht. Ein Ergebnis: Noch immer essen die Deutschen zu viel Fleisch und werfen zu viel Nahrung weg . Allein der Fleischkonsum sei für zehn Prozent aller Emissionen verantwortlich, die der durchschnittliche Deutsche verursacht, schreibt der Autor Steffen Noleppa.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Die Erkenntnis, dass Fleischverzehr das Klima belastet , ist nicht neu. Noleppa aber versucht, den Schaden zu beziffern, mit Bezug auf das konkrete Ernährungsverhalten der Deutschen. Wie viel der Verzicht auf Fleisch dem Klima bringen könnte, illustriert er durch eingängige Beispiele. So verursacht eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße seinen Berechnungen zufolge etwa 630 Gramm Kohlendioxid – eine Portion Schweinebraten mit Rotkohl und Kartoffelklößen hingegen ganze 3,42 Kilo. Mehr als die Hälfte davon entfalle auf das Fleisch.

Durch eine gesündere Ernährung und die Vermeidung von Lebensmittelabfällen könnten die Deutschen rund 800 Kilogramm Emissionen pro Person und Jahr vermeiden, schreibt Noleppa. Dabei bringt die Vermeidung von Abfällen dem Klima noch mehr als der Verzicht auf Fleisch. Hoch0gerechnet auf das ganze Land könnten bis zu 67 Millionen Tonnen Emissionen eingespart werden. Das entspricht etwa sieben Prozent aller deutschen Emissionen oder dem gesamten Treibhausgasausstoß Portugals .

"Die Größenordnungen sind enorm"

Ganz exakt lässt sich der Treibhauseffekt unserer Ernährung freilich nicht beziffern. Die WWF-Untersuchung ist eine Meta-Studie, sie stützt ihre Berechnungen also auf mehrere frühere Veröffentlichungen zum Thema. Dabei habe man eher konservativ gerechnet, sagt Tanja Dräger, die die Studie redaktionell betreut hat. "Es ging uns darum, einen Hinweis auf die Größenordnungen zu geben. Und die sind ohne Zweifel enorm."

Noleppa unterscheidet in seinen Berechnungen zwischen direkten und indirekten Treibhausgasemissionen. Direkte Emissionen sind solche, die durch die Produktion von Nahrungsmitteln entstehen. Auf dem Feld, etwa durch Düngung, die Bearbeitung des Bodens mit Landmaschinen und die Verdauung von Wiederkäuern; aber auch an einem späteren Punkt der Wertschöpfungskette, etwa durch die Weiterverarbeitung der Nahrung, ihren Transport und ihre Lagerung beim Endverbraucher. Indirekte Emissionen entstehen, wenn durch die steigende Nachfrage nach Agrargütern zuvor unkultiviertes Land gerodet und nutzbar gemacht wird.

Allein die landwirtschaftliche Produktion sei für elf bis vierzehn Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich, heißt es in der Studie des WWF. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung kommt auf ähnliche Zahlen.

Leserkommentare
    • Gerry10
    • 13. November 2012 15:29 Uhr

    ...verkauftes Schwein das Klima mehr verschmutzen als gefrorene Erdbeeren die aus China kommen, Kiwis die aus Neuseeland eingeflogen werden, Mangos aus Südafrika oder Krabben die man nach Marokko zum pullen fährt?
    Ich habe da meine Zweifel.
    Es wird zuviel Fleisch gegessen, davon braucht man mich nicht überzeugen, aber jetzt Fleisch allein den schwarzen Peter zuschieben zu wollen ist mMn polemisch...

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    • Kelhim
    • 13. November 2012 15:37 Uhr

    Es wird auch sehr oft auf Transportkosten von zwar zertifizierten Lebensmitteln vom anderen Ende der Welt hingewiesen. Man sollte einfach alle Informationen zum Thema beachten und in sein Handeln einbeziehen, statt zu verlangen, dass alles auf einmal in einem Artikel angesprochen wird.

  1. ... dass das für Sie so ist, aber dennoch hat es objektiv nichts miteinander zu tun.
    Wie war das vorhin mit Ihrem Beispiel vom Menschen mit Dyslexie, der behauptet, zwei und zwei sei drei? Deswegen stimmt es noch lange nicht.
    Wenn also ein Mensch für sich beschließt, nur noch einmal pro Woche Fleisch zu essen, um dem Klima nicht zu schaden (und nicht, weil er Fleisch essen per se für unethisch hält), so ist das anerkennenswert und verdient nicht, von Ihnen mit dem Prädikat "zynisch" belegt zu werden, nur weil er Ihre totalitäre Sicht auf die Dinge nicht teilen mag. Vielleicht mag er noch nicht einmal etwas damit zu tun haben oder damit in Verbindung gebracht werden, oder es ist ihm vollkommen unbekannt.

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    Objektiv hat es in dieser Theorie miteinander zu tun. Inweifern zeige ich in meinem Kommentar auf.

    Ja schon schlimm, meine totalitäre Sicht, dass Tiere nicht verdienen gequält, misshandelt und getötet zu werden. Töten wir eben nur ein bisschen. Netter Kompromiss....

    Echt mal, sie sollten nachdenken, bevor Sie mti Begriffen wie totalitär um sich werfen.

  2. Geht es vielleicht noch etwas weniger polemisch, als die Schlachtung von Tieren als Ermordung zu bezeichnen?

    Kennen Sie die Definition von Mord überhaupt?

    Mein Gebiss und mein Verdauungssystem gibt mir das biologische Recht Fleisch zu verzehren; das moralische ebenfalls!
    Dass ich auf artgerechte Haltung und einen nicht übermäßigen Konsum achte, ist selbstverständlich.
    Aber diese ständigen Vegankampagnen nerven einfach nur. Lasst die Leute doch essen was sie wollen

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    #Kennen Sie die Definition von Mord überhaupt?#

    Sie meinen die heutige(!) Definition von Mord?
    Derartige Verbrechens-Definitionen unterliegen gesellschaftlichen Machtverhältnisse und kulturellen und sozialen Entwicklungen.
    Die Tötung der eigenen(!) Sklaven war lange Zeit auch kein Mord, wurde also nicht sanktioniert.
    Dass Menschen grundsätzlich gleichwertig sind, es keine höheren und niederen menschlichen Rassen gibt, ist auch eher eine Erkenntnis die erst in jüngerer Zeit im Mainstream ankam.

    #Mein Gebiss und mein Verdauungssystem gibt mir das biologische Recht Fleisch zu verzehren; das moralische ebenfalls!#

    Ich habe Arme, Hände, Finger um damit eine Waffe zu tragen und zu bedienen.
    Ergibt sich daraus ein biologisches oder moralisches Recht, andere Lebewesen zu töten, auch wenn dies völlig unnötig und von dem anderem Lebewesen unprovoziert ist?

    #Dass ich auf artgerechte Haltung und einen nicht übermäßigen Konsum achte, ist selbstverständlich.#

    Artgerechte Haltung...vor 200 Jahren waren das für Schwarze Eisenketten um den Hals und 14 Stunden auf der Plantage zu schuften.

    #Aber diese ständigen Vegankampagnen nerven einfach nur. Lasst die Leute doch essen was sie wollen #

    Schlimm, dass man mit dem Leid konfrontiert wird, was man selbst anderen Lebewesen billigend zufügt.

  3. 28. [...]

    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/kvk

  4. #weniger Fleischprodukte verarbeiten wäre ein erster Ansatz.
    Das würde nicht nur der Klimabilanz helfen.
    Doch ich befürchte das das sich global wohl nicht umsetzen lassen würde.#

    Wozu darauf warten, dass das global umgesetzt wird?
    Allein wenn Dtl. hier endlich mal voran gehen würde, hätte das schon eine sehr konkrete Wirkung; zum einen weil Dt. eines der Länder mit dem größten Fleischbedarf ist, zum anderen, wenn hier auch nur auf die Hälfte des Fleischkonsums verzichtet würde, damit rund 400.000.000 Lebewesen pro Jahr die monatelange Quälerei in Mastbetrieben erspart bliebe.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "weniger"
  5. Gammelfleisch -- da ist nicht dran zu zensieren.

    Das Fleisch in Diskountern ist zu billig -- da ist nichts dran zu zensiern.

    Gammelfleisch kann nach verzerr zu ernsthaften gesundheitlichen Folgen führen.

    [...] Gekürzt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen mit entsprechenden Quellen und Argumenten. Danke. Die Redaktion/kvk

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    Der Kommentar auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/kvk

  6. Die Studie wurde nicht fehlinterpretiert, sie ist so angelegt das derartige Ergebnisse als "wahr" ausgewiesen werden - das Mittel heiligt den Zweck.

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    Antwort auf "Fehlinterpretation ?"
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    • Kelhim
    • 13. November 2012 15:41 Uhr

    Wenn jemand sich offenbar so gut auskennt, dass er einfach mal locker behauptet, alle Studien zum Thema seinen gefälscht, kann er diese Verunglimpfungen ganz bestimmt mit nachprüfbaren Argumenten belegen.

    vielleicht die Möglichkeit eröffnen Ihre tiefe Erkenntnis nachzuvollziehen?

    Zitat:
    "Die Studie wurde nicht fehlinterpretiert, sie ist so angelegt das derartige Ergebnisse als "wahr" ausgewiesen werden - das Mittel heiligt den Zweck."

    • Kelhim
    • 13. November 2012 15:37 Uhr

    Es wird auch sehr oft auf Transportkosten von zwar zertifizierten Lebensmitteln vom anderen Ende der Welt hingewiesen. Man sollte einfach alle Informationen zum Thema beachten und in sein Handeln einbeziehen, statt zu verlangen, dass alles auf einmal in einem Artikel angesprochen wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Klima | Verkehr | Fleisch | Klimakonferenz | Rajendra Pachauri | Studie
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