Wieder trifft sich die Welt zum Klimagipfel , diesmal in Doha am Persischen Golf. Die Erwartungen sind geringer denn je. Was immer auch in den kommenden Tagen ausgehandelt werden wird: Es allein wird unser Klima nicht retten.

Zwar soll das Kyoto-Protokoll endlich verlängert werden. Doch das Abkommen wird weniger wert sein, weil sich die größten Emittenten abseits halten. Weil das Zwei-Grad-Ziel kaum noch zu erreichen ist, wollen Deutschland und die EU für stärkere Anstrengungen werben. Daheim aber sind auch die Deutschen kaum bereit, sich mehr Mühe beim Klimaschutz zu geben. Und selbst wenn es gelingt, in Doha ein neues umfassendes Klimaabkommen vorzubereiten: Vor dem Jahr 2020 wird der Vertrag nicht wirksam werden. Bis dahin erwärmt sich die Erde weiter.

Dafür der ganze Aufwand? Die Flüge, die Fahrten vor Ort, die Zeit und Kraft der beteiligten Minister und Sherpas, die Aufmerksamkeit der Journalisten? Wäre ihre Arbeit nicht anderswo nützlicher, zumal in Krisenzeiten?

Die Antwort lautet: Nein. Selbst wenn die Gipfelbilanz bislang eine magere war, selbst wenn die Treffen frustrierend sind: Es ist richtig, in Doha weiter zu verhandeln. Und es ist notwendig, diesen gewaltigen Aufwand für den Klimagipfel zu betreiben.

Die Klimakonferenzen sind eine Veranstaltung der Vereinten Nationen . Alle Mitgliedsstaaten sitzen am Tisch. Das bedeutet, dass am Ende oft nur der kleinste gemeinsame Nenner steht. Es heißt aber auch, dass es das beste Forum ist, um das globale Problem des Klimawandels anzugehen.

Zumal die Erderwärmung die ärmsten Staaten besonders hart trifft . Es ist schon richtig, dass jedes Entwicklungsland auch in Doha den reichen Industrieländern unterlegen ist, auch was die Ressourcen und die Verhandlungsmacht angeht. Aber wenn es am Ende um das Abstimmen geht, hat die Stimme der armen Länder das gleiche Gewicht.

Das kann eben kein anderes Forum leisten. Und deshalb wäre es auch nicht besser, die Klimagespräche kleineren Staatengruppen zu überlassen, etwa der Runde der G20. In der Theorie könnten die sich zwar leichter einigen, und die wichtigsten Emittenten wären gleich mit im Boot. Aber bisher haben die G20 wenig Interesse gezeigt, sich neben anderen Krisen auch noch um die Klimakrise zu kümmern. Wie wenig geschehen könnte, wenn sich die Runde des Themas annehmen würde, zeigt der Umgang der G20 mit dem drängenden Problem der Nahrungsknappheit.

Hinzu kommt: Die globalen Klimagipfel zwingen auch widerstrebende Staaten, etwa die USA oder China , Jahr für Jahr zurück an den Verhandlungstisch. Das ist eine ständige Mahnung: Das Problem wird nicht weggehen, höchste Zeit, dass Ihr Euch darum kümmert! Ohne die jährlichen Klima-Treffen könnten die Unwilligen das Thema einfach ignorieren. Oder sie könnten es sich besonders leicht machen und bilateral nur mit jenen verhandeln, die die geringsten Anforderungen stellen. Dem Klima wäre damit weniger geholfen als bisher.

Das alles ist wenig genug. Aber es ist eben auch besser als nichts. Wenn wir nicht im Rahmen der Vereinten Nationen über den Klimaschutz verhandeln würden: Wo würden wir es sonst tun?