Klimagipfel : Piesackt die Ignoranten!

Die Bilanz der Klimagipfel ist frustrierend schlecht. Dennoch ist es richtig, dass die Weltgemeinschaft ab heute in Doha weiterverhandelt, kommentiert Alexandra Endres.
Kohlefabrik in der chinesischen Provinz Shaanxi © China Photos/Getty Images

Wieder trifft sich die Welt zum Klimagipfel , diesmal in Doha am Persischen Golf. Die Erwartungen sind geringer denn je. Was immer auch in den kommenden Tagen ausgehandelt werden wird: Es allein wird unser Klima nicht retten.

Zwar soll das Kyoto-Protokoll endlich verlängert werden. Doch das Abkommen wird weniger wert sein, weil sich die größten Emittenten abseits halten. Weil das Zwei-Grad-Ziel kaum noch zu erreichen ist, wollen Deutschland und die EU für stärkere Anstrengungen werben. Daheim aber sind auch die Deutschen kaum bereit, sich mehr Mühe beim Klimaschutz zu geben. Und selbst wenn es gelingt, in Doha ein neues umfassendes Klimaabkommen vorzubereiten: Vor dem Jahr 2020 wird der Vertrag nicht wirksam werden. Bis dahin erwärmt sich die Erde weiter.

Dafür der ganze Aufwand? Die Flüge, die Fahrten vor Ort, die Zeit und Kraft der beteiligten Minister und Sherpas, die Aufmerksamkeit der Journalisten? Wäre ihre Arbeit nicht anderswo nützlicher, zumal in Krisenzeiten?

Die Antwort lautet: Nein. Selbst wenn die Gipfelbilanz bislang eine magere war, selbst wenn die Treffen frustrierend sind: Es ist richtig, in Doha weiter zu verhandeln. Und es ist notwendig, diesen gewaltigen Aufwand für den Klimagipfel zu betreiben.

Die Klimakonferenzen sind eine Veranstaltung der Vereinten Nationen . Alle Mitgliedsstaaten sitzen am Tisch. Das bedeutet, dass am Ende oft nur der kleinste gemeinsame Nenner steht. Es heißt aber auch, dass es das beste Forum ist, um das globale Problem des Klimawandels anzugehen.

Zumal die Erderwärmung die ärmsten Staaten besonders hart trifft . Es ist schon richtig, dass jedes Entwicklungsland auch in Doha den reichen Industrieländern unterlegen ist, auch was die Ressourcen und die Verhandlungsmacht angeht. Aber wenn es am Ende um das Abstimmen geht, hat die Stimme der armen Länder das gleiche Gewicht.

Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Das kann eben kein anderes Forum leisten. Und deshalb wäre es auch nicht besser, die Klimagespräche kleineren Staatengruppen zu überlassen, etwa der Runde der G20. In der Theorie könnten die sich zwar leichter einigen, und die wichtigsten Emittenten wären gleich mit im Boot. Aber bisher haben die G20 wenig Interesse gezeigt, sich neben anderen Krisen auch noch um die Klimakrise zu kümmern. Wie wenig geschehen könnte, wenn sich die Runde des Themas annehmen würde, zeigt der Umgang der G20 mit dem drängenden Problem der Nahrungsknappheit.

Hinzu kommt: Die globalen Klimagipfel zwingen auch widerstrebende Staaten, etwa die USA oder China , Jahr für Jahr zurück an den Verhandlungstisch. Das ist eine ständige Mahnung: Das Problem wird nicht weggehen, höchste Zeit, dass Ihr Euch darum kümmert! Ohne die jährlichen Klima-Treffen könnten die Unwilligen das Thema einfach ignorieren. Oder sie könnten es sich besonders leicht machen und bilateral nur mit jenen verhandeln, die die geringsten Anforderungen stellen. Dem Klima wäre damit weniger geholfen als bisher.

Das alles ist wenig genug. Aber es ist eben auch besser als nichts. Wenn wir nicht im Rahmen der Vereinten Nationen über den Klimaschutz verhandeln würden: Wo würden wir es sonst tun?

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Kommentare

73 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Wer sind die Ignoranten?

Es sind doch nicht Merkel und Obama, die das Klima anheizen, sondern ihre Bürger/Wähler zu Hause. Die es gerne billig und immer up to date wollen, und denen die Brieftasche, wenn es darauf ankommt, näher liegt, als das Weltklima. Die Ignoranz der Politiker ist längst nicht so groß, wie die ihrer Wähler.

@1 vonDü ... dann wäre esdoch nur ...

konsequent, wenn auch die Bürger zum Klimagipfel reisen würden.
Alles auf den "dummen Bürger" abzuwälzen, ist sicherlich die einfachste Methode, macht sie doch gleichzeitig erkennbar, dass Politiker eigentlich gar nicht gebraucht werden. Ausserdem glaube ich, dass zumindest hier im Euroraum sehr viele Menschen schon klimafreundlich leben.

Nett gemeint ...

Die Bemerkung "Ohne die jährlichen Klima-Treffen könnten die Unwilligen das Thema einfach ignorieren" finde ich sehr treffend, denn genau das wird doch gemacht.

Ein "Klimagipfel" macht doch nur dann Sinn, wenn sich irgendetwas verändern soll und genau das ist eben nicht erwünscht. Geht es darum, Banken zu "retten" werden Entscheidungen im Minutentakt getroffen, geht es um das Klima, werden eher die Dinosaurier wieder auferstehen als das sich dort etwas tut. Und im Extremfall, das es aus versehen zu irgendeiner Einigung kommt, kann man sich gegenseitig für das dürftige Ergebnis verantwortlich machen.

Für die grössten Emittenten ist das Wurscht!

Länder, die sich zu starken Reduktionen NICHT verpflichten wollen:
http://en.wikipedia.org/w...
- China: 24% (etwa, vom globalen CO2-Ausstoss)
- USA: 18%
- Indien: 6%
- Russland: 6%
- Japan: 4%
- Canada: 2%
Total etwa 60%, und die meisten anderen wollen sich auch nicht verpflichten!
Aber Deutschland (<3%) wird sicher durch seine harte Anstrengungen die Welt retten…

(Ganz ehrlich: Die obigen Staaten werden erst einschwenken, wenn es nach ihrer Meinung in ihrem Interesse ist. Mag traurig sein, ist aber so.)

Toll die Zahlen

Sie machen es sich ein wenig einfach, sagen Sie mir nur einen Grund, warum Indien seine CO2 Emissionen verringern sollte? Der Durchschnittsinder emittiert gerade mal 1.5 Tonnen pa. Das ist weit weniger als das was nachhaltig ist (ca 2.3 Tonnen pa). Selbst der Durchschnittschinese kommt nicht ueber 5.5 Tonnen pa hinaus. Jeder US Amerikaner emittiert hingegen 18 Tonnen pa, und Deutsche stehen mit ca 9.5 Tonnen auch nicht gerade toll da. Es gibt halt eben mehr Chinesen und Inder als Deutsche, aber wenn sollte ja wohl der Pro Kopf Aussstoss zaehlen. Die richtig harten Freveler sind allerdings Bahrain, Kuwait und UAE und Quatar, von denen bringt es jeder auf ueber 30 Tonnen pa, also soviel wie 20 Inder.

Und nun?

## ...Total etwa 60%, und die meisten anderen wollen sich auch nicht verpflichten!
Aber Deutschland (<3%) wird sicher durch seine harte Anstrengungen die Welt retten…##

Und was ist nun ihre Handlungsempfehlung?
Noch ein paar Dutzend Braunkohlekraftwerke bauen, weil den anderen ja auch egal ist, wieviel CO2 sie in die Atmosphäre pusten?

Solange die Welt auf Wettbewerb fixiert ist, statt auf Kooperation, wird natürlich jeder versuchen wollen, für sich die besten Bedingungen heraus zu schlagen.
Irgendeiner muss dann eben in den sauren Apfel beißen und verzichten, in der Hoffnung, dass das als Signal bei den anderen verstanden wird.
Aber wenn man das gar nicht will, und hier wiederum nur versucht, über den Verzicht, die anderen, industriell rückständigen Länder zu übervorteilen, wird das kaum funktionieren.

Haben Sie die Zahlen etwa

"Der Durchschnittsinder emittiert gerade mal 1.5 Tonnen pa. Das ist weit weniger als das was nachhaltig ist"
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Haben Sie die Zahlen etwa stumpf durch die Bevölkerungszahl dividiert? Stellen Sie sie wenigstens in Relation zum Exportvolumen, denn es ist der Konsument, der die Erzeugung verlang und nicht der Hersteller.
So machen Sie es sich zu einfach.