Doha-KlimakonferenzGipfel der ganz kleinen Schritte

Das Kyoto-Protokoll soll verlängert, ein Abkommen entworfen werden: Der Klimagipfel von Doha wird ein Zwischenschritt werden – im besten Fall ein wichtiger. von 

Sagen wir es gleich vorweg: Der große Wurf ist von dieser Konferenz nicht zu erwarten. Nachdem der Kopenhagener Klimagipfel vor drei Jahren grandios scheiterte , nachdem auch die folgenden Gipfeltreffen in Cancún und Durban keine großen Fortschritte brachten, treffen sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen vom 26. November bis 7. Dezember nun in Doha .

Die Erwartungen des Publikums und der Teilnehmer sind begrenzt. Bundesumweltminister Peter Altmaier ( CDU ), der für die letzten Tage der Verhandlungen nach Doha reisen will, äußerte sich am vergangenen Freitag skeptisch über die Erfolgsaussichten des Gipfels. Er sei "beunruhigt" über den Stand der Vorbereitungen.

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Dabei mahnten Reports der Weltbank und der Vereinten Nationen erst kürzlich zu mehr Einsatz im Kampf gegen die Erderwärmung. Doha aber wird wohl dennoch eine "Arbeitskonferenz" werden, sagen Diplomaten, was soviel bedeutet wie: Wenn es vorangeht, dann höchstens in kleinen, ganz praktischen Schritten. Im allerbesten Fall ebnen sie den Weg zu einem späteren Durchbruch.

Wie aber soll eine Mega-Konferenz, die prinzipiell alles im Konsens beschließen will, überhaupt entscheidend vorankommen?  In Doha treffen verschiedene Interessen aufeinander. Da sind einerseits die Industriestaaten, die gerne einen strengeren Klimaschutz betreiben möchten. Zu diesem Lager gehört auch die Europäische Union – zumindest ganz pauschal gesagt. Weil Polen nicht mitmacht, schafft auch die EU es bislang nicht, sich ein schärferes Emissionsziel zu geben und sich zur Emissionsreduktion um 30 Prozent bis zum Jahr 2020 zu verpflichten. Dabei haben die Europäer ihr ursprüngliches Ziel von minus 20 Prozent bereits jetzt erreicht.

Europa und Entwicklungsstaaten

Daneben stehen die Insel- und Entwicklungsstaaten, die ihre Überlebenschancen durch den Klimawandel beeinträchtigt sehen. Statt einer durchschnittlichen Erderwärmung von zwei Grad maximal sollen die Verhandlungsparteien sich die 1,5-Grad-Marke zum Ziel setzen, fordern sie. Einige Staaten aus dieser Gruppe haben sich in Durban gemeinsam mit der EU für schnellere Fortschritte in den Verhandlungen eingesetzt. Ob das Bündnis in Doha neue Kraft entfalten kann?

Da sind die aufstrebenden Schwellenländer wie China, das zwar intern viel für den Klimaschutz tut . Verbindliche Vorschriften von außen wollen die Chinesen aber nicht akzeptieren. Auf internationalen Konferenzen erinnern sie lieber an die besondere Verantwortung der westlichen Industriestaaten – aus historischen Gründen, aber auch, weil die Westler einen großen Teil dessen konsumieren, was in den Schwellenländern produziert wird und dort Emissionen verursacht.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Da sind die USA und andere Industriestaaten wie Kanada, die am Kyoto-Abkommen nicht (mehr) teilnehmen . Zwar keimte nach Präsident Barack Obamas Wiederwahl und den Zerstörungen, die der Hurrikan Sandy in New York anrichtete, die Hoffnung, die USA könnten sich nun  für eine entschlossenere internationale Klimapolitik öffnen. Bisher aber gibt es kaum Anzeichen , dass dem tatsächlich so sein könnte.

Und last but not least sind da die reichen Staaten der OPEC. Ihr Wohlstand beruht zu großen Teilen darauf, dass sie auch künftig fossile Ressourcen aus dem Boden holen können. Zu ihnen gehört auch der Gastgeber Katar , das sich bislang in der Klimapolitik vor allem durch seine hohen CO2-Emissionen hervorgetan hat. Kein Land emittiert so viel Treibhausgas pro Kopf.

Dennoch attestieren Experten der katarischen Regierung einen echten Willen zu mehr Nachhaltigkeit. "Die Kataris scheinen das wirklich ernst zu meinen", sagt Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung PIK. "Nur müssen den Worten natürlich auch Taten folgen." Er glaubt, dass der Klimagipfel die Debatte im Land über erneuerbare Energien und Emissionsreduzierung beleben könnte. Schellnhuber hofft, dass auch Saudi-Arabien zu neuen Überlegungen motiviert werde, wenn der kleine Nachbar Katar sich für mehr Klimaschutz engagiert. 

Leserkommentare
    • Gomulka
    • 26. November 2012 15:25 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte setzen Sie sich konstruktiv mit den Inhalten des Artikels auseinander. Danke. Die Redaktion/kvk

  1. Bringt es wirklich etwas, ewig nur über Zahlen zu diskutieren, und darüber Verträge zu schließen? Die Prognosen, wie viel CO2-Einsparung genau was fürs Klima bewirkt, sind doch durchaus nicht völlig einheitlich. Außerdem beruhen die Simulationen auf sehr, sehr vielen Parametern, und mit jedem, der dazu kommt, hat man eine neue Fehlerquelle.
    Wäre es nicht besser, sich zu überlegen, wer konkret was zum Thema Erneuerbare Energien beitragen könnte?
    - Lokale Energieversorgung, sei es mit Biogas aus Abfällen oder über eine Form von Solar-oder Windenergie, nützt sofort, nicht nur dem Klima, sondern zum Beispiel auch der Entwicklung. Wer Strom hat, hat Kommunikationmittel und damit Zugang zu Bildung.
    - Wer Landwirtschaft umweltfreundlich gestaltet, nutzt nicht nur dem Klima, sondern auch der eigenen Ernährung.
    - Den Uran- und Kohlebergbau zu begrenzen, würde auch dafür sorgen, dass weniger Menschen unter unmenschlichen, gefährlichen Bedingungen arbeiten müssen.
    ...
    Ich fände es gut, eben so viel wie möglich zu tun. Die Zahlenspiele sind sehr oberflächlich und politisch sowie wirtschaftlich instrumentalisiert. Wenn sich einer irrt, benutzt das der andere als Totschlagargument. Das hilft alles niemandem - aber konkrete Projekte tun das sofort.

  2. "Antlantis West sinkt nicht", dass ist es was ich aus den vielen vergeblichen Anläufen verbindliche Klimaziele zu beschliessen heraushöre.

    (Ausschnitt aus Erik der Wikinger von Monthy Python)
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=iZiO9bqzHzg

    • Gomulka
    • 26. November 2012 16:11 Uhr

    Umweltthemen werden durch eine üble Diktatur der Welt "präsentiert", und man darf nicht darauf hinweisen?!

    Die hier herrschende Ignoranz erschreckt mich! Aber halt - es ist eine "befreundete" Diktatur...wie konnte mir das entfallen...?!

    Ich bitte untertänigst um Entschuldigung!

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    • echolon
    • 26. November 2012 23:37 Uhr

    Ist es nicht verwunderlich dass ein Zentrum des Kapitalismus und des ölbasierten Wirtschaftens für so ein Treffen gewählt wird? Dazu eine Nicht-Demokratie, die auch noch eine Sonderstellung im Krieg in Syrien einnimmt? Das versteht doch kein Mensch! Diese Art des Klimagipfels, zu dem natürlich alle wieder hinfliegen (sehr klimafreundlich, aber - seufz - es geht nicht anders), ist blos agenda setting um die Leute davon abzuhalten selber Lösungen zu schaffen. Aber leider können wir das nur selber tun. Schon an der 'Energiesparlampe' sieht man das zentral verordnete Massnahmen mehr Schaden als Nutzen bringen. Aber auch da wollten alle gerne glauben mit dem Kauf dieser Quecksilberschleudern etwas 'für die Umwelt' zu tun. Nunja, inzwischen hat es sich rumgesprochen, aber das ficht die Obrigkeit nicht an.

  3. Man hat vor einiger Zeit Bohrungen im Arktiseis durchgeführt und dort CO2 Anhäufungen gefunden, aus einer Zeit, als noch keine Menschen die Erde besiedelt haben.
    Auch die Wickinger haben sicher nicht soviel CO2 in die Luft geblasen, als sie Gröndland, das grüne fruchtbare Land besiedelten.
    Bei der ganzen Diskussion stehen Industrie- und Staatsinteressen im Vordergrund.

    Klimawandel hat es immer gegeben und wird es immer geben.
    .
    Viel wichtiger wäre, die Welt auf die Veränderungen vorzubereiten. Durch entsprechende bauliche Veränderungen und anderes mehr.
    .
    Warum macht man sich darüber keine Gedanken? Da ist es schon fast 5 vor 12.
    .
    Abgase jeglicher Art zu verringern ist ja in Ordnung für den Umweltschutz.
    .
    Aber Umwelt und Klimawandel sind eben zwei unterschiedliche Dinge.

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    Woher bitte kommen immer wieder die leugner des Anthropogenen Klimawandels?

    Ich glaube nicht, dass es jemals eine Theorie gab die ktischer auf dem Prüfstand des Peer-Review stand, als der Anthropogene Klimawandel; 1200 Unterzeichenr, 2500 Peers mediale Aufmerksamkeit, Bücher, Weltkongresse, Forschungsinstitute die NUR dazu geschaffen wurden Klimamodelle zu überprüfen usw.

    Aber kaum wird hier darauf hingewiesen, dass es doch schön wäre den C=2 ausstoß weltweit zu reduzieren kommen sie aus dem Äther gekrochen die Totalverweigerer dieses Wissenschaftlichen Diskurses, die unbelehrbaren Leugner des menschgemachten CO2.

    Verschont uns, endlich. Es ist alles dazu gesagt, die diskussion fand statt und sie ist entschieden. Wir müssen jetzt handeln!

    Das mag euch nicht gefallen, aber ihr werdet nicht daran sterben. Potentiell aber werden viele sterben falls die große Wahrscheinlichkeit des Klimakollaps eintritt und sie sterben schon heute.

    also nochmal, verschont uns, die Zeit des Diskutierens muss endlich ein Ende haben.

  4. Würde ich schreiben, daß sich in mir eine ausgeprägte Gipfelmüdigkeit breitgemacht hat, wäre das maßlos untertrieben.
    Koalitionsgipfel, Eurogipfel, G7-8-20-Gipfel, Klimagipfel, etc., pp..
    Und am Ende des Tages zeigt sich, daß nahezu jeder vollmundig angekündigte "Gipfel" im Ergebnis doch nur ein "Maulwurfshügel" war.
    Mir wäre es bedeutend lieber, wenn die Politprominenz sich dazu herabließe, in den Niederungen der Sacharbeit erfolgreich tätig zu sein, statt werbewirksam einen nutzlosen Gipfel, nach dem anderen zu erklimmen.

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    die gerne das neblig trübe Tal mit seinen Alltagsproblemen hinter sich lassen.
    Und Angst müssen sie auch nicht haben. Sie haben ja starke Sicherungsleinen - uns WÄHLER.

  5. Woher bitte kommen immer wieder die leugner des Anthropogenen Klimawandels?

    Ich glaube nicht, dass es jemals eine Theorie gab die ktischer auf dem Prüfstand des Peer-Review stand, als der Anthropogene Klimawandel; 1200 Unterzeichenr, 2500 Peers mediale Aufmerksamkeit, Bücher, Weltkongresse, Forschungsinstitute die NUR dazu geschaffen wurden Klimamodelle zu überprüfen usw.

    Aber kaum wird hier darauf hingewiesen, dass es doch schön wäre den C=2 ausstoß weltweit zu reduzieren kommen sie aus dem Äther gekrochen die Totalverweigerer dieses Wissenschaftlichen Diskurses, die unbelehrbaren Leugner des menschgemachten CO2.

    Verschont uns, endlich. Es ist alles dazu gesagt, die diskussion fand statt und sie ist entschieden. Wir müssen jetzt handeln!

    Das mag euch nicht gefallen, aber ihr werdet nicht daran sterben. Potentiell aber werden viele sterben falls die große Wahrscheinlichkeit des Klimakollaps eintritt und sie sterben schon heute.

    also nochmal, verschont uns, die Zeit des Diskutierens muss endlich ein Ende haben.

    Antwort auf "CO2 Ausstoß"
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    "1200 Unterzeichner"

    Wie lautete die Fragestellung bzw. die Aussage genau?
    Ein Link mit Fragestellung und oder Aussage sowie eine Angabe zu den Unterzeichnern wäre nett. Danke.

    • SonDing
    • 26. November 2012 21:48 Uhr

    Genau diese beleglosen und nassforschen, Die-Katastrophe-naht-Apelle, sind es, die wieder ein paar mehr rationaldenkende Menschen dazu animieren, doch noch mal nachzuschauen und zu überlegen, wie das eigentlich mit dem Klimawandel wirklich ist, und war, und sein könnte:

    http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de/project/lv-twk/002-holozaen-2000jahre...

    Obwohl ich durchaus für erneuerbare Energien und Umweltschutz zu haben bin, muss ich doch immer wieder staunen, wieviel Energie man verbrauchen kann, um über völlig fiktive und nichtüberschaubare Energieszenarien in fünfzig oder hundert Jahren zu diskutieren. Wie oft wird wohl dort thematisiert werden, dass es die letzten 16 Jahre gar keinen Temperaturanstieg mehr gab?

    Dabei geht diese übersteigerte Hysterie, zunehmend nicht nur mir auf die Nerven und auf das Portemnaie:

    Bekannter Fernsehkritiker fordert öffentliche Diskussion über Klimawandelhysterie
    https://www.youtube.com/watch?v=Zr9mB7Azywo

    Ich für meinen Teil, checke für den nächsten starken Wintereinbruch, noch mal kurz meine Holzvorräte und überlege, bei einem guten Glas Wein, welche Rebsorte ich im nächsten Jahr hinterm Haus pflanze.

    So oder so. Man kann ja nie wissen.

    Hier einige Hinweise zum Konsens:

    Unbestritten ist, dass seit mindestens 160 Jahren eine Klimaerwärmung stattfand, dass eine Erwärmung zu einem Ansteigen des Anteils der 3-atomigen Gase, also H20, C02 usw. innerhalb der Atmosphäre führt und dass diese Moleküle Wärmeleiteigenschaften besitzen, die die einfacheren nicht vorweisen können.

    Ein Konsens wird erst nötig, wenn die Grundlagen, hier also die Atmosphärenphysik und das Zusammenspiel der bis jetzt ausgemachten Klimafaktoren noch nicht ausreichend verstanden werden.

    So besteht tatsächlich ein Konsens zwischen sowohl den AGW-Vertretern als auch der Mehrheit der Skeptiker, dass die Eigenschaften speziell des C02 nach den heute gängigen Modellvorstellungen zu einer positiven Rückkopplung, also zu einer weiteren Erwärmung führen müssten. Das ist ihr Konsens.

    Keinerlei Überstimmung der Meinungen besteht zu der Frage, ob diese angenommene Eigenschaft des C02 stark genug ist, andere Faktoren zu dominieren. Sehr kontrovers wird diesbezüglich die Rolle des Wasserdampfs diskutiert. Noch andere relevante Fragen sind umstritten.

    Man kann die Potenz des C02 mit guten Argumenten anzweifeln, von denen das Wichtigste ist, dass sich einerseits der Wirkzusammenhang noch nicht zeigen ließ, ein Konsens wäre damit auch obsolet, aber andererseits das Phänomen, das zur AGW-These führte, ganz ohne menschliches Zutun zyklisch etliche Male auftrat.

    Nur der Vollständigkeit wegen.

    Der abschlussbericht des IPCC hatte 1200 Unterzeichner und 2500 Peer reviewer. (Die Zahlenquelle kann ich nicht mehr angeben, aber Wikipedia schreibt:
    http://en.wikipedia.org/wiki/IPCC_Fourth_Assessment_Report

    "The report is the largest and most detailed summary of the climate change situation ever undertaken, produced by thousands of authors, editors, and reviewers from dozens of countries, citing over 6,000 peer-reviewed scientific studies."

    Ich habe mich lange mit diesem thema auseinandergesetzt. Die Äusserungen der Klima Leugner sind ähnlich gut belegt und sinnvoll als würde jemand behaupten Auserirdische würden die Atmosphäre anheizen um uns zu vernichten oder die Hohlweltbewohner wäeren verantwortlich.

    Ich sehe die sogenannten Klimakritiker in der gleichen Ecke, der einzige Unterschied ist, dass manche ihnen zuhören. Aber auch UFO und Hohlwelttheoretiker sterben nicht aus.

  6. die gerne das neblig trübe Tal mit seinen Alltagsproblemen hinter sich lassen.
    Und Angst müssen sie auch nicht haben. Sie haben ja starke Sicherungsleinen - uns WÄHLER.

    Antwort auf "Geht es nur mir so?"
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    Vermutlich haben Sie recht.
    Und daß die Mehrheit der Wähler diesen Versagern noch immer brav die Stange (oder besser Leine?) hält, ist nun wirklich der Gipfel.

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