Die Weltbank hat vor dramatischen Folgen einer weiteren Erderwärmung gewarnt. Im Moment steuere die Welt auf eine Situation zu, in der die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um vier Grad steigen werde. Der Wert liegt weit über dem offiziellen Ziel von höchstens zwei Grad, auf das die Staaten der Welt sich vor einigen Jahren im Rahmen der Klimakonferenzen der Vereinten Nationen verständigt haben.

Eine um vier Grad wärmere Welt berge "Risiken außerhalb der Erfahrungen unserer Zivilisation", teilte das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) anlässlich der Veröffentlichung der Studie mit. Wissenschaftler des PIK und von Climate Analytics hatten den Bericht für die Weltbank erstellt. Mit ihrer Untersuchung bestätigen sie Prognosen anderer Wissenschaftler. Noch bestehe allerdings die Chance, eine Erderwärmung von mehr als zwei Grad zu verhindern.

Wenn die Temperatur weit über zwei Grad steige, "laufen wir Gefahr, Kipp-Punkte im Erdsystem zu überschreiten", sagte PIK-Direktor Hans-Joachim Schellnhuber . So könne zum Beispiel das kilometerdicke Eisschild Grönlands schmelzen, mit entsprechenden Folgen für den Anstieg des Meeresspiegels. Schellnhuber zufolge würde die Schmelze Jahrtausende lang dauern, könnte aber schon bald unwiderruflich beginnen. "Der einzige Weg, dies zu vermeiden, ist ein Bruch mit den vom Zeitalter fossiler Brennstoffe geprägten Mustern von Produktion und Konsum." Ein solcher Bruch wird allerdings umso teurer, je später er kommt.

Klimawandel ist bereits da

Dem PIK zufolge sind bereits heute die Folgen des Klimawandels zu spüren. Die Hitzewelle des Jahres 2010 habe in Russland beispielsweise vorläufigen Schätzungen zufolge Tausende von Opfern gefordert, die Ernten um ein Viertel verringert und 15 Milliarden Dollar Schaden verursacht. In einer um vier Grad wärmeren Welt sei das in Teilen der Erde "die neue Normalität". Dann sei außerdem mit einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels zu rechnen, mit Hitzewellen, einer Zunahme von Wirbelstürmen und dem Aussterben ganzer Arten.

Auch die globale Ernährungssicherheit wäre gefährdet. Dem PIK zufolge reagieren wichtige Getreidesorten "überaus empfindlich" auf höhere Temperaturen. Das könne zu großflächigen Ernteausfällen führen. Dürren oder Überschwemmungen könnten die Lage noch erschweren.

Weltbankpräsident Jim Yong Kim forderte mit Blick auf die Studie "aggressive" Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels . "Die Zeit ist sehr, sehr knapp", sagte er bei der Vorstellung des Berichts. "Eine um vier Grad wärmere Welt kann und muss verhindert werden. Wir müssen die Erwärmung auf zwei Grad begrenzen." Würden Versprechen zum Kampf gegen den Klimawandel nicht eingehalten, könnte die Erderwärmung schon in den 2060er Jahren vier Grad Celsius betragen. 

Keine Entwicklung ohne Klimaschutz

Obgleich alle Regionen der Welt unter den Folgen zu leiden hätten, wären die Armen doch am stärksten betroffen. "Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Entwicklung", sagte Kim. "Wir müssen die moralische Verantwortung akzeptieren, zum Schutz künftiger Generationen zu handeln, vor allem für die Ärmsten."

Tritt beispielsweise der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels tatsächlich ein, wären kleinere Inselstaaten vom Untergang bedroht. Betroffen wären daneben vor allem ärmere Staaten wie Mosambik , Mexiko, Venezuela, Indien , Bangladesch , Indonesien , den Philippinen und Vietnam. Die Kosten für Landverlust, Umsiedlung und Neubau beziffern die Forscher bis zum Jahr 2080 auf insgesamt 68,2 Milliarden US-Dollar. Im Tourismus und der Landwirtschaft könnten zudem in den 2080er-Jahren rund 13,5 Milliarden Dollar jährlich verloren gehen.

Einen drastischen Wassermangel sagen die Wissenschaftler vor allem für Südeuropa, Afrika, weite Teile Nord- und Südamerikas sowie Südaustralien voraus. Flüsse wie die Donau , der Mississippi oder der Amazonas könnten in Zukunft deutlich weniger Wasser führen, der Nil oder der Ganges hingegen deutlich mehr. Insgesamt rechnen die Forscher mit einer Zunahme von Wetterextremen.

Wenig Erwartungen an Doha

Der Report erscheint eine Woche vor Beginn der Klimakonferenz in Doha , wo Vertreter aus 194 Staaten über die nächsten Schritte im Kampf gegen den Klimawandel verhandeln wollen. Besonders groß sind die Erwartungen an die Konferenz allerdings nicht. Unter anderem wird es in Doha darum gehen, einen Fahrplan für ein künftiges Klimaabkommen festzulegen. Für die Entwicklungsländer ist in den Verhandlungen vor allem die Frage wichtig, ob und wie die Industriestaaten bisherige Finanzversprechen einhalten. Ohne Geld aus den reichen Ländern ist Klimaschutz und Anpassung an den Wandel für sie schwer zu finanzieren.

Maßgeblich für den Klimagipfel ist immer noch das offizielle Zwei-Grad-Ziel. Seit dem vorindustriellen Zeitalter ist es auf der Erde im Durchschnitt aber bereits um 0,8 Grad wärmer geworden. Experten der Initiative Climate Action Tracker rechnen damit, dass es gegen Ende dieses Jahrhunderts rund 3,3 Grad sein werden. Im besten Fall steigen die Temperaturen demnach um 2,6, im schlechtesten Fall um 4,1 Grad.