KlimawandelWeltbank warnt vor Erderwärmung um vier Grad

Wassermangel in Südeuropa, Missernten und ein drastischer Meeresanstieg: Die Weltbank schildert die Folgen der Erderwärmung. Aggressive Gegenmaßnahmen seien nötig. von dapd

Ein Schriftzug warnt in New York vor den Folgen der globalen Erwärmung. Der Wirbelsturm Sandy hatte in Teilen der Stadt für Verwüstungen gesorgt.

Ein Schriftzug warnt in New York vor den Folgen der globalen Erwärmung. Der Wirbelsturm Sandy hatte in Teilen der Stadt für Verwüstungen gesorgt.  |  © Mario Tama/Getty Images

Die Weltbank hat vor dramatischen Folgen einer weiteren Erderwärmung gewarnt. Im Moment steuere die Welt auf eine Situation zu, in der die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um vier Grad steigen werde. Der Wert liegt weit über dem offiziellen Ziel von höchstens zwei Grad, auf das die Staaten der Welt sich vor einigen Jahren im Rahmen der Klimakonferenzen der Vereinten Nationen verständigt haben.

Eine um vier Grad wärmere Welt berge "Risiken außerhalb der Erfahrungen unserer Zivilisation", teilte das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) anlässlich der Veröffentlichung der Studie mit. Wissenschaftler des PIK und von Climate Analytics hatten den Bericht für die Weltbank erstellt. Mit ihrer Untersuchung bestätigen sie Prognosen anderer Wissenschaftler. Noch bestehe allerdings die Chance, eine Erderwärmung von mehr als zwei Grad zu verhindern.

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Wenn die Temperatur weit über zwei Grad steige, "laufen wir Gefahr, Kipp-Punkte im Erdsystem zu überschreiten", sagte PIK-Direktor Hans-Joachim Schellnhuber . So könne zum Beispiel das kilometerdicke Eisschild Grönlands schmelzen, mit entsprechenden Folgen für den Anstieg des Meeresspiegels. Schellnhuber zufolge würde die Schmelze Jahrtausende lang dauern, könnte aber schon bald unwiderruflich beginnen. "Der einzige Weg, dies zu vermeiden, ist ein Bruch mit den vom Zeitalter fossiler Brennstoffe geprägten Mustern von Produktion und Konsum." Ein solcher Bruch wird allerdings umso teurer, je später er kommt.

Klimawandel ist bereits da

Dem PIK zufolge sind bereits heute die Folgen des Klimawandels zu spüren. Die Hitzewelle des Jahres 2010 habe in Russland beispielsweise vorläufigen Schätzungen zufolge Tausende von Opfern gefordert, die Ernten um ein Viertel verringert und 15 Milliarden Dollar Schaden verursacht. In einer um vier Grad wärmeren Welt sei das in Teilen der Erde "die neue Normalität". Dann sei außerdem mit einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels zu rechnen, mit Hitzewellen, einer Zunahme von Wirbelstürmen und dem Aussterben ganzer Arten.

Auch die globale Ernährungssicherheit wäre gefährdet. Dem PIK zufolge reagieren wichtige Getreidesorten "überaus empfindlich" auf höhere Temperaturen. Das könne zu großflächigen Ernteausfällen führen. Dürren oder Überschwemmungen könnten die Lage noch erschweren.

Weltbankpräsident Jim Yong Kim forderte mit Blick auf die Studie "aggressive" Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels . "Die Zeit ist sehr, sehr knapp", sagte er bei der Vorstellung des Berichts. "Eine um vier Grad wärmere Welt kann und muss verhindert werden. Wir müssen die Erwärmung auf zwei Grad begrenzen." Würden Versprechen zum Kampf gegen den Klimawandel nicht eingehalten, könnte die Erderwärmung schon in den 2060er Jahren vier Grad Celsius betragen. 

Leserkommentare
  1. Es gibt einen Unterschied zwischen Wetter und Klima, zwischen Voraussagen und Prognosen mit Varianz. Niemand maßt sich an, das Wetter in 50 Jahren auf den Tag genau vorauszusagen. Es geht um Tendenzen und die sind durchaus möglich, zwar nicht 100% genau, aber deswegen in den Modellen auch immer Szenarien durchgerechnet und MÖGLICHE Ergebnisse mitsamt verschiedener Eintrittswahrscheinlichkeiten ausgewertet.

    Antwort auf "Aufklärungsbedarf"
  2. Sie bestreiten, dass der aktuelle Klimawandel anthropogen ist!

    Die Klimatologen machen keine Prognosen über das Wetter in der Zukunft, sondern über das Klima in der Zukunft! Das ist ein statistisches Mittel und hängt deswegen deutlich berechnebarer vor Randbedingungen ab wie das chaotischere, kurzfristigere Wetter.

    Kein Mensch kann das Wetter am 30. August 2013 vorhersagen, aber jeder Mensch weiß, dass es bei uns im Sommer in der Regel wärmer ist als im Winter, weil dafür eben periodisch wiederkehrende Randbedingungen verantwortlich sind.

    Zur weiteren Information:

    http://wiki.bildungsserve...

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    • Time24
    • 20. November 2012 13:17 Uhr

    dass es keinen menschengemachten Klimawandel gibt? Niemals. Denn ich kann das nicht ausschließen. Aber was ich weiß, dass es äußert unseriös ist, mit Zahlen zu hausieren, die niemals berechenbar sind. Wenn dies so wäre, müssten alle Studien zu den selben Schluss kommen. Aber nein, der eine errechnet 1 Grand Erwärmung und ein anderer 4 Grad. Manch anderer kommt sogar auf eine Abkühlung. Und alle arbeiten wissenschaftlich. Fakt ist: Um alle Kenngrößen und Veränderungen berechnen zu können, haben wir nicht die Rechenpower bzw. das Know how. Oder wer will schon genau wissen, wie sich das Pflanzenwachstum durch erhöhten CO2-Gehalt nicht wieder dämpfend wirkt. Kein seriöser Wissenschaftler gibt da Prognosen ab. Aber in einen langfristigen Klimatrend muss so etwas berücksichtigt werden.

  3. ein Hinweis auf folgende Quellen zu den Folgen des Klimawandels in Deutschland -> http://wiki.bildungsserve...

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    • Halapp
    • 20. November 2012 13:41 Uhr

    Die von Mary Poppinsky 131. zitierten Klimaauswirkungen
    auf Deutschland sind sehr erfreulich. Offensichtlich gibt
    es nach der Darstellung künftig weniger Frosttage im Winter
    und mehr Sonnentage im Sommer. Hervorragend.
    Dabei sollen die Sonnentage in Norddeutschland stärker zunehmen und die Frosttage stärker abnehmen als in Süd-
    deutschland. Das ist doch prima.

  4. Ein oftmals angeführtes Argument von Klimaskeptikern ist, dass sich das Klima doch im Zuge des (natürlichen) Klimawandels schon immer, und das deutlich stärker, geändert hätte. Das stimmt, über geologische Zeiträume betrachtet auch, aber waren die Konsequenzen wirklich auch größer?
    Zur Zeit der letzten kleinen Eiszeit konnte man von Deutschland nach Großbritannien gehen, der Meeresspiegel war deutlich kleiner. Warum also Angst vor den kommenden paar Grad?
    Aus dem Grund, dass unsere aktuellen politischen, wirtschaftlichen, stadtphysiognomischen Strukturen so festgefahren und starr sind, dass sie bei einem solch schwerwiegenden Wandel einfach nach und nach zerbrechen würden. Man beachte einfach Städte an Küstenregionen und die Bevölkerungszahl, die in ihnen wohnt. Dann rufe man sich vor Augen, wie viel Prozent dieser Einwohner arm sind und nicht mal etwas direkt mit der Verursachung des Klimawandels zu tun haben. Man schaue sich Krisen um Wasser, fruchtbares Land, Profit, etc. an...
    4 Grad mag für unsere Erde ein Klacks sein, nicht aber für die Menschen, die darauf leben.
    Also warum beim Schaufeln unseres eigenen Grabes auch noch helfen?

  5. 133. möglich

    daß es einen klimawandel gibt scheint möglich. in welche richtung er gehen wird ist zumindest umstritten. ob es möglich ist, das verhalten eines chaotisches system, wie das weltklima, das noch dazu durch eine riesige menge an parametern determiniert ist, von denen nur ein bruchteil zur medellierung herangezogen werden kann, zu erkennen scheint mir zweifelhaft. Aber schließlich habe ich keine ahnung.

    über herrn latif kann ich ja noch schmunzeln; wenn sich jetzt jedoch die modernen sklavenhalter, die banken, auf dieses thema stürzen, schrillen bei mir alle alarmglocken und ich beginne wirklich zu zweifeln. sie werden uns die mittel entziehen, die nötig sind um einen eventuellen klimawandel zu bewältigen und sich diese mittel in die eigenen taschen stecken.

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    Bitte informieren Sie sich darüber, was die Weltbank ist.

    Weiter gibt es auch für ein chaotisches System, wie das Klimasystem der Erde, Rahmenbedingungen innerhalb dieser es sich chaotisch verhält und von diesen gibt es gar nicht so viele.

    Sonnenaktivität, Treibhauseffekt, Albedoeffekt, Wolkenbildung, und vielleicht noch einge wenige andere können da genannt werden.

    Andere, wie El Nino, La Nina, NAO, Vulkanausbrüche ... verändern das Klima nur vorübergehend. An einem über Jahrhunderte andauernden Trend, ändern sie so gut wie nichts.

    Problematisch wird der Schmetterlingseffekt (die Tipping Points) eigentlich erst, wenn man die Änderungen der lokalen Klimazonen betrachtet. Es ist kaum vorauszuberechnen, wann sich bisher relativ stabile wiederkehrende Witterungs- bzw. Wetterphänomene, wie beispielweise der Monsun zu ändern beginnen, sich verschieben oder einfach auszubleiben beginnen.

    Die Zunahme bzw. Verstärkung der Wetterextreme wird oft missgedeutet. Sie findet aktuell (wenn überhaupt) ebenso schleichend und nahezu unmerklich statt, wie die Erwärmung. Etwas, was es schon immer gab, verstärkt sich sehr schleichend. Sie ist kaum statistisch nachweisbar.

    Auch Kernfusion verläuft chaotisch. Dennoch gibt es ausgezeichnete Simulationen, die darlegen, was im Innern einer Sonne stattfindet.

  6. Die Bekämpfung der globalen Erwärmung muss nicht zwangsläufig dazu führen, dass wir weniger konsumieren können. Ganz im Gegenteil. In vielen Gegenden der Welt wird heute immer noch zu wenig konsumiert und zu wenig Energie verbraucht. Dort hungern die Menschen. Dabei ist es realistisch, einen hohen Lebensstandard auch für bald 9 Milliarden Menschen nachhaltig zu garantieren.

    Ein Rechenbeispiel hier:

    http://bravenewclimate.co...

    In diesem Szenario werden 2060 277 Exajoules durch CO2-neutrale Energiequellen bereitgestellt. 75% durch Kernenergie, 25% durch Erneuerbare und fossile Brennstoffe mit CO2-Speicherung.

    http://bravenewclimate.co...

    Um dieses Ziel zu erreichen müssten ab heute weltweit etwa 100 neue Kernkraftwerke pro Jahr ans Netz gehen. Erst konventionelle Reaktoren und ab 2030 Brutreaktoren, die Uran viel effizienter nutzen.
    Das klingt nach vielen Kraftwerken, ist aber nicht unrealistisch. Frankreich alleine hat in den 70ern pro Jahr 3-4 neue Kraftwerke ans Netz genommen. Wenn die Hauptverursacher des Klimawandels (OECD+China+Russland+Indien+Brasilien+Südafrika+asiatische Tigerstaaten+Ölstaaten in Nahost) dieselben Ressourcen in eine nukleare Energiewende investieren wie Frankreich in den 70ern, so sollte man die Baurate von 100 pro Jahr locker schaffen.

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    Um ein Risiko zu bekämpfen, können Sie doch nicht ein anderes zur Hilfe heranziehen. Dann eventuell zu argumentieren, dass in 50 Jahren Möglichkeiten bestünden, die Überreste von Atomkraftwerken in irgendeiner Weise unschädlich machen zu können oder zu lagern, geht auch nicht, dann könnte man auch argumentieren, dass man in 50 Jahren sicherlich eine Lösung findet, um das Klimaproblem anders zu mitigieren.

    Kernkraftwerke vertagen das Problem (wenn überhaupt), lösen es aber nicht.

  7. "Es ist immer wieder erstaunlich ...

    ... dass Meteorologen nicht das Wetter von morgen genau vorhersagen können, aber dann wissen manche Experten, dass die Welt 4 Grad wärmer wird."

    Sehr erstaunlich ist, dass es Menschen gibt, die partout nicht verstehen können wollen, dass beispielsweise Milankovitch-Zyklen kein Wetterphänomen sind.

    Das muss ideologische Gründe haben, wenn man sich hinsichtlich solcher Beobachtungen, dumm, blind und taub stellt.

    Übrigens sind die 4 Grad auch im Szenario A1FI nicht unumstritten. Aber nicht in dem Sinne, dass sie grottenfalsch wären. Das IPCC nennt 2.4 – 6.4 °C.
    Prof. Dr. Reto Knutti erklärt das Problem mit den Klimaszenarien meines Erachtens in einem Video auf youtube (Mitschnitt einer Vorlesung) recht gut.

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    • Time24
    • 20. November 2012 13:55 Uhr

    ... in Zukunft genauer zu schreiben was ich meine. Da nun schon der X-Zehnte meint ich verwechsle Wetter mit Klima, sehe ich ja ein das mein vergleich nicht der Beste war. Kritik war eigentlich nur, dass manche Wissenschaftler immer ganz genau wissen wollen, wie sich in 50 Jahren das Klima verändert hat und das meistens noch auf die Kommastelle genau. Und das brandmarke ich als unseriös. Den Vergleich habe ich nur gezogen, weil ich es einfacher finde das Wetter für morgen vorherzusagen als gewagte Klimaprognosen für die nächsten 10 Jahre. Ich bin der Meinung das beim Klima einfach zu viele Faktoren zu berücksichtigen sind, die beim tagesaktuellen Wetter keine Rolle spielen. Aber das sehen auch einige anders. Aber ich stehe dazu.

  8. 136. Weltbank

    Bitte informieren Sie sich darüber, was die Weltbank ist.

    Weiter gibt es auch für ein chaotisches System, wie das Klimasystem der Erde, Rahmenbedingungen innerhalb dieser es sich chaotisch verhält und von diesen gibt es gar nicht so viele.

    Sonnenaktivität, Treibhauseffekt, Albedoeffekt, Wolkenbildung, und vielleicht noch einge wenige andere können da genannt werden.

    Andere, wie El Nino, La Nina, NAO, Vulkanausbrüche ... verändern das Klima nur vorübergehend. An einem über Jahrhunderte andauernden Trend, ändern sie so gut wie nichts.

    Problematisch wird der Schmetterlingseffekt (die Tipping Points) eigentlich erst, wenn man die Änderungen der lokalen Klimazonen betrachtet. Es ist kaum vorauszuberechnen, wann sich bisher relativ stabile wiederkehrende Witterungs- bzw. Wetterphänomene, wie beispielweise der Monsun zu ändern beginnen, sich verschieben oder einfach auszubleiben beginnen.

    Die Zunahme bzw. Verstärkung der Wetterextreme wird oft missgedeutet. Sie findet aktuell (wenn überhaupt) ebenso schleichend und nahezu unmerklich statt, wie die Erwärmung. Etwas, was es schon immer gab, verstärkt sich sehr schleichend. Sie ist kaum statistisch nachweisbar.

    Auch Kernfusion verläuft chaotisch. Dennoch gibt es ausgezeichnete Simulationen, die darlegen, was im Innern einer Sonne stattfindet.

    Antwort auf "möglich"
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    "Bitte informieren Sie sich darüber, was die Weltbank ist."

    die weltbank - so wie ich es verstehe - ist ein instrument des internationalen finanzkapitals zur zementierung der wirtschaftlichen abhängigkeit von zb. entwicklungsländern vom westlichen kapitalismus. und selbstverständlich verdienen sich "richtige" banken über die weltbank eine goldene nase. daß sich die sogenannte weltbank anders definiert tut nichts zur sache.

    "Auch Kernfusion verläuft chaotisch. Dennoch gibt es ausgezeichnete Simulationen, die darlegen, was im Innern einer Sonne stattfindet."

    das ist wohl wahr, nur heben sie mit diesem beispiel auf einen aktuellen, verifizierbaren zustand ab. das thema ist jedoch der zustand eines parameters (delta T)in einem chaotischen system (klima) in der zukunft.

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