KonjunkturDeutsche Wirtschaft wächst nur gering, Euro-Raum in Rezession

Trotz eines immerhin geringen Wachstums in Deutschland und Frankreich ist die Euro-Zone insgesamt in eine Rezession geraten. Die größten Probleme gibt es in Südeuropa. von afp, dpa, reuters und dapd

Die Euro-Zone ist in eine Rezession geraten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 17 Mitgliedsstaaten sank zwischen Juli und September um 0,1 Prozent im Vergleich zu den vorausgegangenen drei Monaten des Jahres. Das berichtete die Europäische Statistikbehörde Eurostat.

Bereits im Frühjahr war die Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Fachleute von einer Rezession. Vor allem in den Krisenländern Spanien , Italien , Portugal und Griechenland schrumpfte die Wirtschaftsleistung stark.

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Dagegen verlangsamte sich das deutsche Wirtschaftswachstum im dritten Quartal lediglich, nahm aber nicht ab. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen Juli und September preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. In der ersten Jahreshälfte war die Wirtschaftsleistung mit 0,5 Prozent im ersten und einem Plus von 0,3 Prozent im zweiten Quartal noch stärker gewachsen.

"Deutschland steuert auf eine Stagnation zu"

Im Vergleich zum zweiten Quartal verzeichneten die Statistiker positive Impulse aus dem Ausland. Nach vorläufigen Berechnungen seien die Exporte von Waren und Dienstleistungen etwas stärker gestiegen als die Importe. Im Inland konsumierten die privaten und die öffentlichen Haushalte demnach mehr als im Vorquartal. Außerdem sei mehr in Bauten investiert worden. Dadurch seien der erneute Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen sowie der Vorratsabbau in etwa kompensiert worden.

Im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres legte das BIP in Deutschland preisbereinigt um 0,4 Prozent zu. Allerdings gab es in diesem Jahr einen Arbeitstag weniger. Bereinigt um diesen Effekt lag der Zuwachs bei 0,9 Prozent.

Gustav Horn vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung sagte: "Deutschland steuert auf eine Stagnation zu." Als Grund nannte er den Einbruch in Südeuropa. Seine größte Sorge seien geringere Investitionen der Unternehmen , was gewöhnlich "ein Vorbote für eine Rezession" sei.

Jörg Krämer von der Commerzbank erwartet, "dass die deutsche Wirtschaft erst Mitte nächsten Jahres zu ordentlichen Zuwachsraten zurückkehrt". Das basiere allerdings auf der Annahme, dass die EZB durch den Kauf von Staatsanleihen frisches Geld in die Wirtschaft pumpt.

Auch Frankreichs Wirtschaft wächst noch

Die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich wuchs im dritten Quartal überraschend ebenfalls um 0,2 Prozent. Bankvolkswirte hatten im Schnitt mit einer Stagnation gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lag das Wachstum ebenfalls bei 0,2 Prozent.

Die Daten für das zweite Quartal wurden allerdings etwas schlechter als bisher ausgewiesen. Anstatt einer Stagnation ergibt sich nun ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent.

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Leserkommentare
  1. in der euro-zone ging's mit dem wachstum bergab, dafür stiegen die schulden weiter. > soweit so gut (nicht gut)

    wieso aber musste dieses duo merkozy dann noch -ohne jede akute not- sooo brutal auf die schuldenbremse steigen???

    ohne direkte not steigt doch keiner beim autofahren in die eisen und macht eine brutale vollbremsung - im auto hat's ja wenigstens noch assistenz-systeme um schlimmeres zu verhindern. die volkswirtschaften haben leider nur die politkerInnen.

  2. Das ist auch absolut logisch. In unserer Gesellschaft, wo jeder so gut wie jedes Konsumprodukt hat, das man sich nur wünschen kann (und mehr), welcher Markt sollte denn da noch wachsen? Soweit waren wir auch schon vor 10 Jahren und noch früher; alles Wachstum seither ist künstlich, und nicht natürlich - zB durch Schaffung neuer, überflüssiger Produkte und Anreizen, Dinge möglichst schnell wegzuwerfen und schnell was neues zu kaufen (Beispiel Abwrackprämie).

    In intellektuellen Kreisen und auch in weiten Teilen des normalen Volkes ist doch schon längst die Einsicht verbreitet, dass Wirtschaftswachstum nicht länger Ziel unseres Strebens sein kann und darf!

    Wann erreicht diese Einsicht endlich Politik und Massenmedien? Da habe ich düstere Befürchtungen...

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    Das halte ich zumindest teilweise für einen Fehlschluss - ich bin Anfang 30 und wenn ich mich so im Freundeskreis umschaue, gibt es genug, die keineswegs alles haben und die schlicht aus finanziellen Gründen auf Teile dessen, was man der Konsumgesellschaft zurechnet (z.B. Auto) verzichten.

    Es wäre zwar wünschenswert, dass wir unsere Abhängigkeit vom Wirtschaftswachstum reduzieren, aber dann reden wir tatsächlich davon, dass Besitz umverteilt werden muss. Und meine Vermutung ist, dass die Bereitschaft zum nachhaltigen Leben beim PERSÖNLICHEN Verzicht ganz schnell abnimmt (allgemein Nachhaltigkeit und Sparsamkeit toll finden hilft da wenig).

  3. ...wen es stört, dass der DAX derzeit bei 7000-7100 Punkten dümopelt, der sollte mal schaun, wie es vor einem Jahr ausgesehen hat, da lag er nämlich bei 5.985 Punkten.

    Satter Zuwachs: +18,66%.

    Da gilt wie auch bei der Jahreszeit, es gibt kein falsches Wetter, sondern nur die falsche Kleidung, und beim Portfolio auch nicht immer die falsche Großwetterlage, sondern nur die falschen Anlageklassen.

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    Das ist ehe eine riesige Blase.

  4. ... exponentielles Wachstum kann in einer endlichen Welt unendlich lange andauern, ist entweder verrückt oder ein Ökonom
    K. E. Boulding, US-Wirtschaftswissenschaftler, 1910-1993

  5. Under wieder ein Panickbericht der Industrie und Bankstlobby. Soll uns doch nur Angst einjagen damit mir uns mit dem bisschen Harz zufriedengeben. Und dann noch Krankmeldung am ersten Tag und so. Und so gehts weiter. Glauben die echt wir schnallen das gar nicht?

  6. Das ist ehe eine riesige Blase.

    Antwort auf "Liebe Leute..."
  7. ...wenn eine neoliberale Medizin bisher nicht das erwünschte Ergebnis erbracht hat, muss man die Medizin noch weiter und falls möglich in erhöhter Dosierung anwenden.

    Für Europa und besonders die Südländer heißt das: sparen, sparen und, wenn's irgend geht, noch mehr sparen.

  8. Das trifft aber nur auf die Binnenwirtschaft zu. In Deutschland wird eben lieber für den Export gearbeitet als konsumiert. Wenn's die Arbeiter mit sich machen lassen, den exportierenden Unternehmer freut's.

    Dass viele der Exporte mit Krediten bezahlt waren, muss den Unternehmer ebenfalls nicht besonders stören, weil er nur unterdurchschnittlich mit seinen Steuern dafür aufkommen muss. Den Großteil bezahlt der Mittelstand, der freudig erhitzt, wenn Deutschland Exportweltmeister oder Fize ist.

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