KonjunkturDeutschlands Angst vor dem Absturz

Milliardenverluste bei der Telekom, Sparprogramme bei Siemens, Sorgen um die Autoindustrie: Schlägt die Finanzkrise jetzt auf die deutsche Wirtschaft durch? von Alfons Frese

Eine bedrückende Zahl hat die Wirtschaftsauskunftei Creditreform ermittelt: 6,6 Millionen Menschen sind hierzulande überschuldetet, 190 000 mehr als vor einem Jahr. Fast jeder zehnte Bürger über 18 Jahren kann seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen. Die Hauptursachen für die Zunahme sind allerdings teure Anschaffungen, Scheidungen oder Krankheit – und eben nicht die Konjunktur, wie Creditreform betont. Arbeitslosigkeit und gescheiterte Versuche der Selbständigkeit haben wegen der "stabilen Konjunkturentwicklung zumindest vorläufig an Bedeutung verloren".

Europa kämpft mit der Rezession, die deutsche Wirtschaft wächst dagegen in diesem und im nächsten Jahr um 0,8 Prozent, das erwarten jedenfalls die EU-Kommission und die Wirtschaftsweisen. Das Handwerk zum Beispiel, einer der größten Arbeitgeber, erwartet 2013 "Kontinuität auf hohem Niveau". Für die kommenden Monate rechnen 86 Prozent der Betriebe mit guten oder zumindest zufriedenstellenden Geschäften. Das ist nicht schlecht und kann ebenso als Beleg für eine robuste Binnenkonjunktur gewertet werden wie die Zuwächse im Handel. Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist und bleibt aber die Exportindustrie.

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Um rund vier Prozent steigen vermutlich die deutschen Exporte im Gesamtjahr, "wir werden unseren Anteil am Welthandel weiter ausbauen", freut sich der BDI. Allerdings sackten die Ausfuhren zuletzt kräftig ab. Noch schlägt dies nicht auf die wichtigsten Industrien durch. Der Maschinenbau, in dem fast eine Million Menschen arbeiten, produziert in diesem Jahr zwei Prozent mehr und erwartet auch 2013 ein Plus um zwei Prozent.

Die Autoindustrie

Nach Angaben des Verbandes der Autoindustrie (VDA) arbeiten in Europa 2,3 Millionen Menschen in der Fahrzeugbranche, in Deutschland rund 750 000. Und viele davon sind in Sorge um ihren Arbeitsplatz . Denn der Absatz in Westeuropa wird mit 12,5 Millionen Autos in diesem Jahr um fast fünf Millionen Stück unter dem Rekordniveau von 2007 liegen. Ford und Peugeot haben Werksschließungen angekündigt, bei Opel ringen Management, Betriebsrat und IG Metall seit Monaten um ein Sanierungsprogramm. Nach einer Analyse der Beratungsgesellschaft PwC sind in Europa 15 Autowerke so schwach ausgelastet, dass sie womöglich nicht zu halten sind. Das Bochumer Opel-Werk dürfte dazu gehören.

Doch alles in allem geht es VW, BMW , Mercedes und Porsche noch ziemlich gut – weil diese Marken sich sehr gut auf den Weltmärkten ( China , Brasilien , Russland , Osteuropa ) verkaufen lassen. "Die deutschen Autowerke stehen mit einer Auslastung von durchschnittlich 85 Prozent gut da", heißt es bei PwC. Entsprechend gut fielen zuletzt die Geschäftszahlen aus – trotzdem verpasst sich Daimler ein Sparprogramm.

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