Edel-MineralwasserEin ziemlich wässriger Luxus

Deutsches Leitungswasser ist gut, dennoch boomt das Geschäft mit abgefülltem Wasser. Nun kommen Luxuswasser auf den Markt – mit zweifelhaftem Nutzen. von 

Wasserflaschen in einem Restaurant in Sydney

Wasserflaschen in einem Restaurant in Sydney  |  © Daniel Munoz/Reuters

Sie kommen von abgeschiedenen Südseeinseln oder skandinavischen Gletschern, aus Quellen am Fuß japanischer Berge, den Regenwolken Tasmaniens oder dem schottischen Hochland. Ihr Geschmack soll besonders weich und angenehm sein. Wegen ihres hohen Mineralstoffgehalts gelten manche als guter Begleiter zu Fleischgerichten. Mit einem wird Whisky gebraut. Ein anderes steckt in einer Flasche, die einem Flakon gleicht. Das Wasser funkelt darin.

Besonders edle Mineralwasser sind eine neue Entwicklung am deutschen Wassermarkt, der seit Jahren floriert. Rund 135,5 Liter Mineral- und Heilwasser haben die Deutschen nach Angaben des Verbandes deutscher Mineralbrunnen (VDM) im Durchschnitt im vergangenen Jahr getrunken. Hinzu kamen rund fünf Liter Quell- und Tafelwasser (siehe Infobox). In diesem Jahr werden die Zahlen ähnlich hoch ausfallen.

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Die Anbieter von Luxuswasser werben mit dem Versprechen, eine außergewöhnlich hohe Wasserqualität und besseren Geschmack zu bieten. Die gehobene Gastronomie hat die Wassersorten als willkommenes Instrument entdeckt, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Luxushotels wie das Atlantic in Hamburg oder das Berliner Palace-Hotel beschäftigen sogar eigene Wassersommeliers. Ihre Kunden können unter mehreren stillen oder sprudelnden Mineralwässern wählen. Der Liter Südsee- oder Gletscher-Mineralwasser kostet im Handel mehrere Euro. Eine kristallbesetzte Luxus-Flasche kann auch schon mal einen dreistelligen Preis erreichen. Zwar sind die Umsätze noch klein. Der Trend, der immer wieder in Hochglanzmagazinen beschrieben wird, habe "noch viel mit Marketing zu tun", sagt eine VDM-Sprecherin.

Dennoch ist es kein Zufall, dass die Anbieter der Luxussorten nach Deutschland kommen. Während globale Wasserkonzerne wie Nestlé (Vittel, Contrex, San Pellegrino oder PurLife), Danone (Evian, Volvic) oder Coca-Cola (Bonaqa, Vio, Apollinaris, Sodenthaler und Urbacher) in den Entwicklungsländern vor allem mit der Sauberkeit ihres Wassers werben, vermarkten sie ihre Flaschen in den Industrieländern als gesundes Wellness-Getränk für aktive, sportliche Leute. In kaum einem Land sind die Bürger dabei so empfänglich für die Idee, Wasser in Flaschen zu kaufen, wie in Deutschland. Zählt man die gesamte Menge des in Flaschen abgefüllten Wassers zusammen, trinken in Europa nur die Italiener mehr als die Deutschen. Weltweit liegen nur die Mexikaner und die Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate weiter vorn.

Wasser

In der europäischen Gesetzgebung wird unterschieden zwischen Mineral-, Quell- und Tafelwasser. In Deutschland kommt als besondere Kategorie noch das Heilwasser hinzu. Mit der Bezeichnung Trinkwasser ist meist einfaches Leitungswasser gemeint.

Trinkwasser

Rechtlich definiert als "Wasser für den menschlichen Gebrauch", das auch zum Kochen oder für die Körperpflege genutzt wird. Gemeint ist Leitungswasser, das in Deutschland aus Grund- und Oberflächen- oder aus Quellwasser gewonnen wird. Leitungswasser unterliegt strengen Grenzwerten, zum Beispiel für Nitrat, Nitrit, Schwermetalle oder Pestizide, festgelegt in der Trinkwasserverordnung. Der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge sind sie so festgelegt, dass "beim Genuss von täglich zwei bis drei Litern Wasser gesundheitliche Auswirkungen auszuschließen sind". Selbst Säuglingsnahrung könne mit deutschem Leitungswasser zubereitet werden. Bei den Wasserwerken wird die Qualität bis zu einmal am Tag kontrolliert. Dem Bericht zur Trinkwasserqualität von Umweltbundesamt und Bundesgesundheitsministerium zufolge liegen die festgestellten Werte dabei fast immer deutlich unter den Grenzwerten. Gesundheitliche Risiken können aber entstehen, wenn das Wasser im Haushalt durch alte Blei- oder Kupferrohre geleitet wird.

Mineral- und Heilwasser

Mineralwasser wird aus unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Wasservorkommen gewonnen. Eine Aufbereitung, etwa durch das Hinzufügen von anderen Stoffen, ist gesetzlich nur innerhalb von ganz strengen Grenzen erlaubt. So darf natürliches Mineralwasser gefiltert oder belüftet werden, und ihm darf Kohlensäure hinzugefügt oder entzogen werden. Um als "Natürliches Mineralwasser" gehandelt zu werden, braucht ein Wasser eine amtliche Anerkennung.

Heilwasser ist ein Arzneimittel und unterliegt deshalb dem Arzneimittelrecht. Es muss wie Mineralwasser aus unterirdischen, reinen Wasservorkommen stammen und direkt an der Quelle abgefüllt werden. Es muss mindestens ein Gramm pro Liter an besonderen Mineral- oder anderen Stoffen mit vorbeugender, lindernder oder heilender Wirkung enthalten. Diese Eigenschaften müssen wissenschaftlich nachgewiesen sein.

Quell- und Tafelwasser

Quellwasser unterliegt im Prinzip den gleichen Anforderungen wie Natürliches Mineralwasser. Es bedarf aber keiner amtlichen Anerkennung. Seine Quelle muss auch nicht vor Verunreinigungen geschützt sein, und es sind keine Mindestmengen von Mineralstoffen vorgeschrieben. Quellwasser muss aber auf jeden Fall den Qualitätskriterien für Trinkwasser genügen.

Tafelwasser ist im Gegensatz zu den anderen im Handel erhältlichen Wässern kein Naturprodukt. Es muss aber auch den Bestimmungen der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung genügen. Es kann vom Hersteller gemischt werden, etwa aus Leitungswasser, Mineralwasser, Sole, Kochsalz oder Meersalz und weiteren Zusatzstoffen. Eine amtliche Anerkennung benötigt Tafelwasser nicht. Enthält es besonders viel Natriumhydrogencarbonat, wird es als Sodawasser bezeichnet.

Die großen Konzerne haben in Deutschland noch eher geringe Marktanteile. Mehr als 90 Prozent des hierzulande getrunkenen Mineral-, Heil-, Quell- und Tafelwassers sei aus heimischer Produktion, rechnet der VDM vor. Lediglich neun Prozent des Wassers werde importiert. "Die Branche ist mittelständisch geprägt, die Firmen regional verankert", heißt es bei dem Verband. Nur wenige Firmen verkaufen ihr Wasser in ganz Deutschland oder gar im Ausland.

Das mag zwar gut für die Umwelt sein. Je kürzer der Transportweg, umso klimafreundlicher ist ein Getränk, schreibt die Deutsche Umwelthilfe (DUH ). Umso bedenklicher finden es Klimaschützer deshalb auch, wenn die Deutschen nun Luxuswasser aus Tasmanien , Südafrika oder den Fidschi-Inseln trinken. Aus Sicht von Klimaschützern ist jedoch der Konsum von abgefülltem Wasser generell ein Problem – vor allem wenn das Wasser in Plastikflaschen gesteckt wird, von denen anschließend nur ein Drittel wieder verwertet wird.  

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