Rating-AgenturEuro-Rettungsschirm verliert Spitzenrating

Die Agentur Moody's hat die Bonität von ESM und EFSF um eine Stufe gesenkt. Der Grund: Die schlechte Kreditwürdigkeit Frankreichs, die kürzlich ebenfalls abgestuft wurde. von dpa

Ein Geschäftsmann blickt von der "Grande Arche" auf das Pariser Finanzviertel La Défense.

Ein Geschäftsmann blickt von der "Grande Arche" auf das Pariser Finanzviertel La Défense.  |  © REUTERS/Christian Hartmann

Der Euro-Rettungsschirm büßt sein Spitzenrating ein. Die Rating-Agentur Moody's senkte die Bonitätsnoten von ESM und EFSF von AAA um eine Stufe auf AA1. Der Ausblick für beide bleibt negativ. Das heißt, die Agentur könnte den Rettungsschirm weiter absenken.

Die Abstufung sei unter anderem eine Folge der schlechteren Bonität des Euro-Landes Frankreich , hieß es von Moody's am späten Freitag in Frankfurt. Moody's hatte Frankreich vor einer guten Woche ebenfalls von AAA auf AA1 abgestuft . Das hatte die Rating-Agentur damit begründet, dass sich Frankreichs langfristige wirtschaftliche Wachstumsaussichten eingetrübt hätten.

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Die Entscheidung von Moody's sei "schwierig zu verstehen", sagte ESM-Chef Klaus Regling. Sie berücksichtige nicht im nötigen Ausmaß das starke institutionelle Rahmenwerk, die politische Verpflichtung und die Kapitalstruktur des ESM. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker stellte sich stellvertretend für die 17 Euroländer hinter ESM und EFSF – "politisch und finanziell".

Frankreich ist zweitgrößter Kreditgeber des ESM

Der Europäische Stabilitätsmechanismus ist der Nachfolger des zeitlich begrenzten Rettungsschirms EFSF . Der Krisenfonds gibt im Notfall an den Finanzmärkten Anleihen heraus, für welche die Euroländer garantieren. Diese Gelder werden dann als Kredite an bedürftige Staaten verzinst weitergegeben.

Frankreich ist nach Deutschland die wichtigste Stütze des ESM. Der Anteil der Franzosen liegt bei 20,3 Prozent. Deutschland steht hinter 27,1 Prozent der insgesamt 700 Milliarden Euro an Kapital und Garantien. Die Bundesrepublik besitzt bei allen drei großen Rating-Agenturen weiterhin ein Triple-A, bei Moody's allerdings mit einem negativen Ausblick.

Ein schlechteres Rating kann grundsätzlich die Aufnahme von frischem Geld verteuern und erschweren. Allerdings ist eine Note von "AA1" zum einen immer noch sehr gut. Zum anderen ist Moody's nur eine der großen Rating-Agenturen. Beim Konkurrenten Fitch besitzt der Rettungsschirm weiterhin die Bewertung Triple-A.

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Leserkommentare
    • genius1
    • 01. Dezember 2012 11:25 Uhr

    Verwechslung von Ursache und Wirkung!

    Zum besseren Verständnis, Kommentar 1 und 2:

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    Dann mal Ran an Ihre Volksvertreter, und abwarten welche Reaktion davon kommt.

    Immerhin sollten dann jedem Klar sein, wer nicht Wählbar ist!

    Fordern Sie ruhig eine Vollgeldreform, und plädieren für eine Abschaffung des jetzigen Schuld / Kredit-Geldsystems, wenn Ihre Meinung mit dem Inhalt der Links einigermaßen zusammenkommt.

    • u.t.
    • 01. Dezember 2012 11:28 Uhr

    "Jaaaaaaaa, aber die Ausgangsbasis war ja auch extrem niedrig.
    Ich kanns nicht für alle Länder belegen, aber in Griechenland betrug der Mindestlohn zur Zeit der Euro-Einführung ca. 550 Euro und ist jetzt auf 'üppige' 835 Euro angestiegen - bei ca. gleichen Preisen.
    Da sollte man sich doch mal überlegen, wie 'üppig' das wirklich ist, wenn man davon leben muß - und gleichzeitig die Steuern steigen, die Energiepreise steigen, die Lebensmittelpreise steigen, die Mieten steigen.
    Mich wunderts nicht, daß die Griechen da auf die Straße gehen."

    Ihre Hinweise auf die (auch mit dem Euro) stark gestiegenen Preisen sind vollkommen richtig.

    Nur bleibt leider der Grundbefund, dass mit der Kostenstruktur (durch Löhne und viele weitere Faktoren) Griechenland sich immer weiter von einer wettbewerbsfähigen Position entfernt hat.
    Und das hängt, nebenbei, kaum von den geringen deutschen Lohnzuwächsen ab, denn Griechenlands direkte Konkurrenten sind weiß Gott ganz andere.

    Und was will man nun machen? Wer soll denn die höheren, nicht wettbewerbsfähigen Löhne zahlen?

    Diese Antwort wäre wichtig.

    Antwort auf "Üppige Lohnerhöhung?"
  1. Auch ich finde die Ratings bisweilen befremdlich, zumal, wen haben Ratingagenturen eigentlich vor 10 Jahren gejuckt? Heute ist jedem Ratingfurtz die erste Nachricht des Tages sicher. Ich kann dem aber auch folgendes Gutes abgewinnen:

    Es geht bergab, überall. Damit sind diese "Agenturen" das ungewollte Orakel des Kapitalismus über seiner selbst, incl. des systemimmanenten Mißtrauens zwischen allen Akteuren, den Aufregungen über die Fürtze und der Forderung einer europäischen Ratingagentur, die uns Europäern vorlügen soll, dass es nicht so schlimm ist wie die Amis sagen, und dass es bei denen eigentlich schlechter bestellt ist.

    Aber zum aktuellen Rating: wer glaubte ernsthaft, dass die europäischen Finanzsicherungssysteme auf Dauer besser geratet werden, als es der Gesamteindruck Europas das zuließe der war ein Narr oder ein kapitalistischer Idealist (also auch ein Narr).

    • u.t.
    • 01. Dezember 2012 11:39 Uhr

    "Sorry, ihre europäische Sicht der Dinge teile ich nicht. Wenn, müsste es als guter Europäer heissen: Löhne rauf in Deutschland! Damit die Nachbarn auch Abnehmer finden."

    Auch Sie verengen Ihren Blick alleine auf den Vergleich Deutschland versus schwächelnde Eurostaaten.

    Als ob Arbeitsplatzverluste und fehlende Wettbewerbsfähigkeit Gr's in erster Linie mit D. zu tun hätten.

    Wissen Sie, tausende griech. Arbeitsplätze sind in den letzten Jahren (schon lange vor der Krise, auch schon vor dem Euro) abgewandert. Viele griech. Unternehmer haben nach Bulgarien verlagert.
    Andere griech. Unternehmer wurden schlicht und einfach von asiatischen und osteuropäischen Konkurrenten verdrängt.

    Das betrifft Textil, Schiffsbau, und all solche Bereiche. Kaum ein Sektor, in dem in erster Linie das deutsche Preisniveau entscheidend gewesen wäre.

    Bei großen benachbarten Industriestaaten, zumal Frankreich und Italien, da sehe ich durchaus eine Wechselwirkung. Deutsche Kosten runter, Produktion weg aus Ita/Fra.
    Allerdings sehe ich da auch zuerst die Versäumnisse der beiden Staaten.
    Die Alternative ist da nämlich auch: Wenn keiner von uns reformiert, geht alles ganz aus der Eurozone. Asien wartet schon.

    PS: Im Übrigen läuft es ja schon in die von Ihnen gewünschte Richtung. Selbst Schäuble ermunterte zu höheren Lohnabschlüssen. Eine Seltenheit, dass ein Finanzminister so
    etwas sagt. Und die EZB tut das ihrige, Geldmengenausweitung.
    Allerdings darf bei beidem nicht übertreiben!

  2. "Die neuesten Prognosen der Organistion für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) zeigen zumindest in Richtung einer sich 2013 abschwächenden US-Wirtschaft. So sieht die OECD für das kommende Jahr lediglich ein Wachstum von 2,0 Prozent und nicht mehr von 2,6 Prozent. Die Erwartungen für dieses Jahr schraubte die Organisation ebenfalls von 2,4 auf 2,2 Prozent herunter.

    Aufgrund der von den amerikanischen Banken geäußerter Risiken setzte die US- Regierung nun auch die Einführung der Basel III Regulierungen auf unbestimmte Zeit aus.

    Noch immer sind die Banken dabei, ihre Bilanzen aufzubessern und geben deshalb gerade Vorzugaktien im großen Umfang aus.
    http://deutsche-wirtschaf...

    So sieht die Einschätzung einer nicht US dominierten Organisation aus.

    Davon abgesehen liegen die tatsächlichen Arbeitslosenzahlen auf Rekordniveau. Das wird "natürlich" in der offiziellen Statistik in etwa so verfälscht, wie in der deutschen Arbeitslosenstatistik.

    Eine deutliche Sprache sprechen die 46 Millionen Amerikaner, die Essensmarken beziehen müssen.
    http://www.welt.de/wirtsc...

    Hier kann man die Ratings der Länder vergleichen:

    Die USA stehen deutlich schlechter da, wie etwa Spanien - und hier der Vergleich des Ratings:
    http://www.ftd.de/finanze...

    Antwort auf "USA ..."
    • aurorix
    • 01. Dezember 2012 11:47 Uhr

    Das ganze dient sicherlich auch dazu den Druck gegenüber Frankreichs "Sozialisten" zu erhöhen, die im Wahlkampf angekündigt hatten, dem Kapital die Stirn bieten zu wollen. Letztendlich verlangt man von Frankreich nur das, was man auch von jedem anderen Land verlangt, nämlich sich für die Kapitaleigner neoliberal herauszuputzen, indem man beispielsweise seinen "rigiden Arbeitsmarkt" geschmeidiger gestaltet. Wie man das macht, können sich die Franzosen beim "sozialdemokratisch" flexibilisierten östlichen Nachbarn ansehen, der mittlerweile dermaßen flexibel zu denken und zu arbeiten gelernt hat, dass er die ökonomische Notwendigkeit des Verzichts bereits immer schon in seine Erwartungen und Hoffnungen eingepreist hat. Ob diese Geisteshaltung tatsächlich mit dem "savoir vivre" vereinbar ist, wage ich zu bezweifeln.
    Dass nun auch EFSF und ESM herabgestuft wurden, dürfte nun wiederum die Bundesregierung auf den Plan rufen, gegenüber Hollande & Co einen forcierten neoliberalen Strukturwandel einzufordern.
    Und wie soll das weitergehen?
    Was, wenn die EUropäer sich wirklich radikal nach dem deutschen Muster ausrichten und uns niederzukonkurrieren drohen. Wie flexibel kann eine altersstarre Volkswirtschaft darauf noch reagieren? Na, könnte man sagen, wenn die Südländer erstmal da angekommen sind, wo wir heute stehen, wird ihnen die Lebens- und die Zeugungslust schon noch vergehen und alles kommt wieder ins rechte Lot. Schöne neue Welt, die uns da ins europäische Haus steht.

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    • u.t.
    • 01. Dezember 2012 11:59 Uhr

    irgendwer irgendwem Druck macht, darüber kann man lange schreiben. Ja, die Ratingagenturen, Schäuble und sonstwer macht Frankreich Druck.

    Aber haben Sie eine schlüssige Antwort, warum Frankreich so ein hohes Haushaltsdefizit hat (bitte nicht immer nur an Deutschland festmachen; Frankreich hat weltweit noch ein paar Konkurrenten mehr).
    Wie ist dieses Defizit zu überwinden (wieder: bitte nicht nur an Deutschland festmachen; sonst steht halt ein anderer bereit, wenn Fr. nicht billiger wird und D. wieder viel teurer)?
    Oder sind Sie der Meinung, dass hohe Handelsbilanzdefizite einen nicht groß jucken müssen? Und dass man Arbeitsplätze eben irgendwie anders schaffen muss, wenn die Waren einem nicht mehr abgenommen werden?

    • u.t.
    • 01. Dezember 2012 11:59 Uhr

    irgendwer irgendwem Druck macht, darüber kann man lange schreiben. Ja, die Ratingagenturen, Schäuble und sonstwer macht Frankreich Druck.

    Aber haben Sie eine schlüssige Antwort, warum Frankreich so ein hohes Haushaltsdefizit hat (bitte nicht immer nur an Deutschland festmachen; Frankreich hat weltweit noch ein paar Konkurrenten mehr).
    Wie ist dieses Defizit zu überwinden (wieder: bitte nicht nur an Deutschland festmachen; sonst steht halt ein anderer bereit, wenn Fr. nicht billiger wird und D. wieder viel teurer)?
    Oder sind Sie der Meinung, dass hohe Handelsbilanzdefizite einen nicht groß jucken müssen? Und dass man Arbeitsplätze eben irgendwie anders schaffen muss, wenn die Waren einem nicht mehr abgenommen werden?

    Antwort auf "Race to the bottom"
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    ## Ob nun in einer Situation irgendwer irgendwem Druck macht, darüber kann man lange schreiben. Ja, die Ratingagenturen, Schäuble und sonstwer macht Frankreich Druck. ##

    Das Kapital macht Druck. Es möchte sich gerne verwerten, möglichst schnell, viel mehr werden.
    Das Kapital hat auch ggü. Dtl. in den letzten 30 Jahren massiv Druck auf Politik und Gesellschaft ausgeübt, weil die Renditen nicht subjektiv hoch genug waren.
    Das Ergebnis war u.a. die Agenda2010; die eine staatlich induzierte Umverteilung von Vermögen bewirkte, Wohlstand von unten nach oben umverteilte.
    Sobald die restlichen EU-Länder wieder "wettbewerbsfähig" geworden sind (d.h. überall der Faktor Kapital gegenüber der Arbeit dominiert und prekäre Beschäftigung und Pauperisierung Einzug erhält) werden logischerweise im Verhältnis die Profite in Dt. wieder zu gering sein, und BDI & Co nach Reformen schreien.

    Der destruktive Faktor, der die Gesellschaften durchwirbelt ist nicht das eine oder das ander Land, sondern die Systemlogik des Kapitalismus und die Macht die das Kapital inzwischen über die Gesellschaften hat.

    Mit jeder weiteren Reform in Richtung "Wettbewerbsfähigkeit" wird die Macht des Kapitals dabei konzentrierter und stärker und der Einfluss der Zivilgesellschaft geringer, was früher oder später in eine autoritäre Diktatur umschlagen muss.

    Der Kapitalismus muss nicht durch weitere antisoziale Reformen gerettet werden, sondern durch eine Revolution beseitigt werden, bevor er noch mehr Elend anrichtet!

    • aurorix
    • 02. Dezember 2012 1:13 Uhr

    "Oder sind Sie der Meinung, dass hohe Handelsbilanzdefizite einen nicht groß jucken müssen? Und dass man Arbeitsplätze eben irgendwie anders schaffen muss, wenn die Waren einem nicht mehr abgenommen werden?"

    Ja, ja! Recht haben Sie! Man kann unmöglich wollen, nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. Da sollte man schon realistisch bleiben. So ist nunmal der marktlogische Lauf der Dinge und wer dieser Logik nicht folgen kann oder will, soll halt sehen wo er bleibt. Nein, Nein! Da gibt's kein Entrinnen. Und daher immer freudig und pragmatisch voran an die Standortfront.

    Aber wenn ich doch partout nicht will, dass ich für immer mehr Aufwand immer weniger Entschädigung erhalten soll. Da packt mich dann schon der Ehrgeiz, dieser wenig vielversprechenden Logik entkommen zu wollen, und mich zu fragen: Gibt es tatsächlich so viele, die von diesen marktradikalen Verhältnissen zu profitieren glauben? Ob sie es nun tun oder auch nicht?

    Es muss doch möglich sein, vom Kapital oder zumindest vom Großkapital zu sprechen, und wie es die Staaten vor sich hertreibt, während es da einmütig in der Weltgeschichte vor sich hinvagabundiert. Und auch vom Klassenkampf sollte man wieder sprechen und dass man ihnen kein Wort glauben sollte, wenn sie wieder behaupten, der Grieche, der Franzose oder der Deutsche war's gewesen. Nein, es ist das griechische, das französische, das deutsche oder wessen Kapital auch immer.

  3. kann im Wesentlichen keine Akzente gegen die Merkelregierung setzen, da sie kein wesentlich abweichendes Gesellschaftsbild anbieten können oder wollen. Schließlich war Rot-Grün kausal fü die sozialen Verwerfungen verantwortlich duch die Hartzgesetze und die Kapitalmarktderegulierung. Dieses Erbe zu überwinden bedürfte einem Kniefall vor der gesamten Republik. Dazu fehlt Politikern aller Couleur der Mumm, und die innere Größe.

    Zur gestrigen Abstimmung sei noch angemerkt, dass webigstens Frau Wagenknecht sich die Freiheit nahm dem Bundestag zu sagen, dass er noch nie über Hilfen für Griechenland abgestimmt habe. Vermutlich die einzige Wahrheit der Debatte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Frankreich | Jean-Claude Juncker | Agentur | ESM | Finanzmarkt | Rettungsschirm
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