Wer pflegebedürftig wird, muss in Deutschland für seine Versorgung im Schnitt 31.000 Euro aus eigener Tasche zahlen. Dem Barmer GEK Pflegereport 2012 zufolge müssen betroffene Männer zu ihren Pflegekosten durchschnittlich 21.000 Euro selbst beisteuern. Bei Frauen ist der Anteil mit rund 45.000 Euro mehr als doppelt so hoch. Laut Barmer GEK müssen Frauen deshalb vor allem privat deutlich mehr aufwenden, weil sie länger in Heimen gepflegt werden.

Die Studie legt nach eigenen Angaben erstmals offen, welche Kosten in der gesetzlichen Pflegeversicherung und bei der Sozialhilfe anfallen, sowie welchen Anteil Betroffene privat aufbringen müssen.

Die Gesamtkosten pro Pflegefall belaufen sich demnach bei Frauen auf durchschnittlich fast 84.000 Euro, bei Männern auf 42.000 Euro. Die soziale Pflegeversicherung übernimmt im Schnitt pro Versicherten rund 33.000 Euro.

Die Anteile schwanken allerdings von Person zu Person erheblich: Sie liegen zwischen 13 und 262.000 Euro. Fast ein Drittel der Pflegebedürftigen beansprucht von den Pflegekassen weniger als 5.000 Euro, ein weiteres Fünftel erhält zwischen 5.000 und 15.000 Euro.

305.000 Euro Eigenanteil

Ähnliche Unterschiede gibt es auch bei den Anteilen, die die Pflegebedürftigen selbst zahlen müssen. Besonders hoch kann dieser bei stationärer Pflege werden, mitunter steigt er auf bis zu 305.000 Euro. Wer die Kosten nicht tragen kann, wird von der Sozialhilfe unterstützt.

Die Zahlen belegten, "dass die Pflegeversicherung immer eine Teilkaskoversicherung war, ist und bleiben wird", sagte Barmer-GEK-Vorstandschef Rolf-Ulrich Schlenker. Private Vorsorge mit dem sogenannten Pflege-Bahr wirke allenfalls wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Diesem Urteil stimmte auch Studienautor Heinz Rothgang zu: "Der Pflege-Bahr trägt nicht zur Lösung der Pflegeproblematik bei", sagte er.

Auf die nach Gesundheitsminister Daniel Bahr ( FDP ) benannte private Zusatzversicherung von mindestens zehn Euro im Monat gibt der Staat eine garantierte Zulage von fünf Euro im Monat.

60-Euro-Zuschuss "fast lächerlich"

Die Bundesregierung will künftig noch mehr Anreize für die private Pflegevorsorge geben. Wer neben der gesetzlichen Pflegeversicherung künftig auch eine Pflege-Tagegeldversicherung abschließt, bekommt ab 2013 vom Staat dafür jährlich 60 Euro Zuschuss. Schlenker sagte, eine staatliche Förderung dieser Höhe wirke fast lächerlich. Auch könnten sich Menschen mit niedrigem Einkommen solche Zusatzversicherungen kaum leisten.

Für ihre Analyse haben Experten vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen die Kosten für rund 2.000 Versicherte ab 60 Jahren analysiert, die im Jahr 2000 erstmalig pflegebedürftig wurden. Dazu wurden die Ausgaben der Pflegeversicherung bis zum Jahr 2011 zusammengerechnet. Die Kosten bis 2024 haben die Autoren geschätzt.