Merkel in Portugal : Frau do Carmo reicht's
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Die Regierung will weiter sparen, trotz alledem

Maria do Carmo vor ihrem Laden © Julia Fiedler

Wütend wird sie deshalb, wenn sie von den Plänen der Regierung spricht. Portugal steckt in einer tiefen Rezession und die Regierung will noch mehr sparen, damit die Schulden nicht weiter wachsen und weil die Troika aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Kommission es so wollen. Die Regierung will die Einkommenssteuer erhöhen, auch die Kfz-Steuer. Dann wird es für Maria do Carmo noch enger.

Um 20 Prozent hat die Portugiesin mittlerweile ihre Preise gesenkt. Dennoch sitzt sie oft allein im Laden und wartet vergeblich auf Kunden. "An manchen Tagen verdiene ich zehn Euro." Ihren Kunden geht es nicht besser. Manche kaufen sich die Tönungen beim Chinesen um die Ecke, wo sie billiger sind und bringen sie beim Friseurbesuch mit. Andere lassen anschreiben. "Ich kann sie nicht wegschicken", sagt do Carmo. "Dann verliere ich auch meine letzten Kunden."

Das Essen bezahlt inzwischen ihre Mutter, die jeden Monat 300 Euro Rente erhält, und ihre Tochter, die an einer Tankstelle jobbt. Ihre beiden erwachsenen Söhne haben in diesem Jahr ihren Job verloren und wohnen noch zu Hause. Um zu sparen, hat die Friseurin in ihrem Garten Salat und Zucchini gepflanzt.

Was Maria do Carmo bleibt, ist das Demonstrieren. Sie hat Angst, dass Angela Merkel den Portugiesen noch mehr abverlangen will. "Es gibt Alternativen zum neuen Sparkurs", sagt sie. "Und wenn es der Austritt aus der Euro-Zone ist, es kann kaum noch schlimmer werden." Heute seien wenige Portugiesen auf die Straße gegangen, rund 1.000 sind es. "Aber spätestens wenn die neuen Sparmaßnahmen die Menschen treffen, wird sich etwas ändern." Dann würden selbst die pazifistischen Portugiesen zur Gewalt greifen. "Was haben die Leute zu verlieren, wenn sie schon alles verloren haben?"

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Kommentare

157 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

die emotionale

Haltung der Dame ist durchaus nachvollziehbar.

Selbstverständlich geht es vielen in den Krisenländern nicht nur in der EU so und das ist mehr als bedauernswert.

Jedoch erinnere ich mich an eine Phase als sehr viele Bürger aus der Ukraine noch Portugal gereist sind um dort in der Immobilienwirtschaft zu arbeitn da es in Portugal keine heimischen Bauarbeiter dafür gab.

Nun ist es anders als früher und die Lösung sollte sich in der EU finden für Portugal da das Land ja dazu gehört.

Nur diese Lösung kann sicherlich nicht von Deutschland alleine erarbeitet und angeregt werden sondern von den in der EU dafür geschaffenen Gremien und gewählten Verantwortlichen.

obrigado

Danke, dass Sie diesen wichtigen Punkt ansprechen. Ich persönlich finde es einfach nur unfair, wie Merkel und teilweise Deutschland insgesamt jetzt von einigen in den Euro Schuldenstaaten zum Sündenbock für alle Probleme gemacht werden !! Wäre Deutschland nicht in der Eurozone müssten sich die Länder, die keine Kredite von den Banken mehr bekommen sich das Geld zu noch viel strengeren Konditionen vom IWF oder von China leihen.

Nein,

leider ist es mir nicht egal, wenn die nazi-keule geschwungen wird, denn gewöhnlich wird eingeknickt. Und ich habe den eindruck, als wäre es derzeit besonders schlimm. Weil deutsches wohlverhalten erpresst werden soll? Weil die 68er ihren vater-hat-kein-attentat-auf-adolf-verübt-komplex nicht überwinden können? Nichts gegen ein ehrfürchtiges gedenken für die opfer des 3. Reiches, egal ob Juden, russ. kriegsgefangene, opfer des barbarischen bombenkrieges oder erschlagene vertriebene. Man schaue sich in Youtube nur aufnahmen von kleinen kindern in den Ghettos an... So Deutsche sich im 3. Reich nicht persönlich schuldig gemacht haben, sind sie opfer des schnauzbartes u. seiner helfershelfer. Aber dies heute für wohlverhalten oder gar zur erpressung nutzen, ist schändlich u. würdigt nicht das deutsche eintreten für Europa. Ja, als überzeugter Europäer u. Deutscher ärgert mich die verächtlichmachung meiner nation! Ich halte dem portugiesischen volk in seiner gesamtheit auch nicht die koloniale vergangenheit vor. Und auf die frage meiner frau, ob wir in Griechenland urlaub machen habe ich geantwortet: "Nein, wo man deutsche fahnen verbrennt, verbrennt man auch deutsche menschen".

Auszug aus: Offener Brief an Frau Merkel

http://carachancelermerke...

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
...Wir haben Sie nicht gewählt, erkennen keine Kanzler/in Europas an....Wir...sind Bürgerinnen und Bürger des Landes, welches Sie am 12. November besuchen werden,(...) die sich solidarisch mit den von den Sparprogrammen attackierten Ländern verbunden fühlen.

Aufgrund des Charakters Ihres angekündigten Besuches und vor dem Hintergrund der katastrophalen ökonomischen und sozialen Lage Portugals...sollten sich auf portugiesischem Territorium als persona non grata betrachten, denn Sie mischen sich eindeutig in innere Angelegenheiten ein, für die Sie kein demokratisch von den hier lebenden Menschen ausgestelltes Mandat haben.

Weil unsere Regierung seit einiger Zeit aufgehört hat, den Gesetzen und der Verfassung dieser Republik Folge zu leisten, müssen wir uns daher mit diesem Brief direkt an Sie wenden. Die Anwesenheit diverser Großunternehmer in Ihrer Gefolgschaft ist empörend. Sie...bringen eine Reihe von Personen mit, die unter dem Deckmantel ausländischer Investitionen die Ruinen einer Wirtschaft begutachten sollen, die Ihre Politik hier sowie in Griechenland, Irland und Spanien hinterlassen hat. In Ihrer Delegation sind nicht nur solche Kräfte, die mit Zustimmung unserer Regierung den portugiesischen Staat gezwungen haben, sein Eigentum und seine wertvollsten Güter zu veräußern, sondern auch solche, die als potenzielle Käufer derselben von den Ramschpreisen heute profitieren.

@AndreD

Bitte, bitte. Niemand möchte den Portugiesen (oder Spanier, Griechen, Italienern) etwas vorschreiben. Kein Deutscher möchte, dass seine Regierung sich in die Belange dieser Länder einmischt.

ABER:
Wer bezahlt die Rettungsschirme? Wenn die "Südländer" also auf Souveränität pochen, dann kann es auch keine Bürgschaften mehr geben. Wenn diese ausgesetzt werden, und der ClubMed den Angriffen der Finanzmärkte schutzlos ausgeliefert ist, werden sich die Menschen in den betreffenden Staaten noch nach deutscher Bevormundung sehnen.

nun also

ABER:
Wer bezahlt die Rettungsschirme? Wenn die "Südländer" also auf Souveränität pochen, dann kann es auch keine Bürgschaften mehr geben. Wenn diese ausgesetzt werden, und der ClubMed den Angriffen der Finanzmärkte schutzlos ausgeliefert ist, werden sich die Menschen in den betreffenden Staaten noch nach deutscher Bevormundung sehnen.

"So lange du eine Füße unter meinem Tisch hast..."
An wen wird das Geld der Rettungsschirme gezahlt?
Woher kommt die ganze Problematik?

@ AndreD

An die Banken und andere Kreditgeber wird das Geld aus den Rettungsschirmen gezahlt, so viel ist klar. Davon kommt keine müde Mark den verarmtem Kostas, Manuels, Juans oder Marías zu Gute.
Aber lösen wir das Problem, in dem wir dem ClubMed immer mehr Geld leihen, damit er mit diesem seine Schulden bezahlen kann? Wohl kaum.

Auch wenn es manchem überzeugten Europäer nicht gefällt: Der Euro war ein Irrtum! Ein größenwahnsinniges politisches (kein ökonomisches) Projekt, das uns jetzt um die Ohren fliegt. Die einzig sinnvolle Lösung wäre ein Schuldenerlass (oder HIPC-Programm) für die Peripheriestaaten und der Austritt aus der Eurozone, bzw. die Aufspaltung dieses Währungsgebietes in einen Nord- und Südeuro.

In Deutschland

wird auch ausverkauft und verramscht - viele Firmen sind in den Besitz von amerikanischen Hedgefonds gekommen, die die Firmen ausschlachten und weiterverkaufen oder es zumindest versuchen; oft sind diese Firmen auf Kredit gekauft worden. Als Sicherheit für den Kredit diente - die Firma selbst.
Auch Deutschland wird, wenn es so weitergeht, zum Billiglohnland. Schon heute müssen ca. 20 % der Arbeitnehmer aufstocken, d.h. der Staat muß die Summe bezahlen, die ihnen die Arbeitgeber verweigern. Gewinne der Firmen behält natürlich der Arbeitgeber. Auch Deutschland befindet sich schon in einer Abwärtsspirale - aufgrund des Vorsprungs gegenüber anderen Ländern ist für viele Deutsche noch nicht viel davon zu sehen. Schaut man sich jedoch die Entwicklung an, so bemerkt man die Zeichen.
Danke für den offenen Brief.

@110: "In Deutschland..."

"Auch Deutschland wird, wenn es so weitergeht, zum Billiglohnland"

Das ist es schon längst: Jeder Vierte Beschäftigte arbeitet im Niedriglohnsektor. Diese Gruppe erlitt zw. 2000 bis 2010 Realeinkommensverluste von über 20 Prozent. Und das in einem unterkühltem Hochpreisland, indem alleine in den vergangenen 12 Monaten die Großstadtmieten und Energiepreise erneut um bis zu 10 Prozent kletterten. Denn was in Deutschland erschwerend hinzukommt: Es ist ein Volk der Eigentumslosen - 57 Prozent wohnen zur Miete. Im Vergleich dazu: Spanien etwa hat eine Eigentumsquote über 85 Prozent. Die Kosten der großzügigen staatl. Eigentumsförderung und der dortigen Kreditpolitik werden dennoch - entweder direkt oder indirekt (z. B. Inflation) auf hiesige Steuerzahler abgewälzt.

Der Euro an und für sich

kann ja nichts für die Politik, die mit ihm verbunden wurde. Eine gemeinsame Währung für Europa, egal wie sie benamst ist, fände ich immer besser als 25 Einzelwährungen.
Die Politik, die schon vor Euro-Einführung bestand, ist zu kritisieren - neoliberalisierte Märkte, Deregulierung der Banken, damit verbundene Immobilienblasen, allmähliche Abschaffung mühsam erkämpfter Rechte der Arbeiterbewegung, Lohndumping etc.
Diese Politik hat mit der Währung an sich erst mal nichts zu tun; hätte man eine andere Politik gemacht, wäre der Euro jetzt vermutlich in Ihren Augen eine Erfolgsgeschichte.

Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...

...wäre Karl Marx heute ein Volksheld. Das kleine Manko bei diesen "Wenn-Geschichten" ist der Mensch - deswegen funktioniert der Euro MINDESTENS genauso schlecht wie der Kommunismus für alle (Sozialismus nur für Banker und Vermögende hingegen funktioniert dieser Tage wunderbar...).

Man sollte das mit der "Erfolgsgeschichte" aus der Anhänger-Partei Helmut Kohls, Angela Merkels und anderer Götter nicht mit Aberglauben begegnen.

Teil 1: Adolf flucht und keiner hört hin

Einfaches Ding mit dem Adolf Nazi oder besser daran sieht man wie nicht nur fiskalisch dumm, sondern allgemein wie einfach er gestrickt war.
Auf die Idee zu kommen in Europa eine Nonnationalstaat zu "errichten" nicht mit Waffen, sondern über eine Währung ist genial.
Da in diesem Konstrukt die Deutschen gleichberechtigt mitmachen und alle mehr oder weniger freiwillig sind (bekanntlich stinkt Geld nicht), ist es völlig normal, angesichts der Geschichte, das bei einer Krise, die Nazikeule kommt. Gegen diese Naivität anzurennen steigert nur das Herzinfaktrisiko und das sind diese Menschen nicht wert (ohne das abwertend zu meinen).
Interessant ist jedoch eine andere Paralelle zur Geschichte. Betrachtet man den Kapitalfluss mit einsetzen der industriellen Revolution, über den Zerfall der Monarchien in Europa über den 2. WK hin zur EU und später zum Euro, verdient sich immer das gleiche Klientel eine goldenen Nase (das muss man ihnen jedoch nicht vorwerfen). Hierbei ist es egal ob es gerade regnet oder die Sonne scheint. Viele Menschen denken man könne nur bei Sonnenschein verdienen oder mit ihm. Und sie sind davon überzeugt, dass dieser Sonnenschein ewig wehrt. Darum ist die Ernüchterung und Hilflosigkeit, wenn es dann logischerweise mal regnet, enorm - sie werden gnadenlos von der Wirklichkeit eingeholt und buchstäblich überrollt - wie Frau do Carmo.

Teil 2: Adolf flucht und keiner hört hin

Klar ist es toll wenn Kapital in eine Region fliesst. Sie sich im Aufschwung befindet, also die Sonne scheint. Und es ist menschlich an diesem Erfolg teilhaben zu wollen. Man sieht die ganzen verlockenden Angebot. Die Möglichkeiten die einem "eröffnet" werden. In dieser ganzen Euphorie vergisst man jedoch dann grundlegende Dinge, die einem das Leben so erleichtern - auf Sonne folge immer Regen. Nun hat man ein Haus am Arsch (Eigentum verpflichtet), einen Kredit, ein soziales Umfeld, welches sich den eigenen Lebensstandard angepasst hat und mit einmal fällt einen auf das es nicht immer, wie versprochen, Berg auf geht. Wie ein böser Traum, der sich warmes Pech über einen ausbreitet. Der einen lähmt, handlungsunfähig macht. Man wacht aus seinem Traum auf und lebt in Existenzangst. Das ist die Angst, die auch schon unsere Großeltern verspürten, egal ob Russe, Pole, Deutsche, Franzose, Italiener oder Grieche. Und da spielt es keine Rolle mehr ob es ein Panzer ist, der einem das Haus und eventuell einen selbst überrollt oder offene Forderungen. Daraus entsteht Hass und ein enormer Vertrauensverlust. Und spätestens ab hier werden alte Feindbilder gepflegt (egal ob in Portugal, Griechenland, Italien oder Deutschland - man muss den Herrn S. aus der SPD ja nicht noch erwähnen) und das trifft wiederum nun auf einen Nährboden (Es sei nochmals erwähnt: es ist ein Finanzmarktkrise (keine Eurokrise), bei der spielt es keine Rolle ob man Euro, DM, Dollar oder Kronen hat).

Teil 3: Adolf flucht und keiner hört hin

Und hier sieht man dann die Schwäche der EU und des Euros. Es wurde versäumt, die Nationalstaaten zurückzubauen in Bundesstaaten, in Regionen die gleichberechtigt über sich selbst bestimmen, sich helfen und von einander profitieren - egal ob es regnet oder die Sonne scheint. So zieht sich jeder wieder auf seinen Nationalstaat zurück und schimpft auf die Nachbarn. Eigene Fehler zu analysieren, ist nahe zu unmöglich.

Persönlicher Rückblick:
Ich weiss noch wie ich in Bayern mit meinem Vater das Begrüssungsgeld abholte. Ein erniedrigender Moment, jedenfalls für mich, als Neunjähriger. Die Masse an Menschen die durch die Innenstädte zogen und ihr Geld verprassten an Menschen, die an ihnen gut verdienten und sie dennoch abwerten betrachtenten (und gar nicht merkten das die angebliche Hilfe für die armen DDR Bürger, die den "großzügigen" Westen besuchten, im Grunde für sie bestimmt war und nicht für die DDR Bürger).
Jednefalls sollten wir Kinder, meine Schwester und ich uns auch was "schönes" kaufen und wie es für ein preußischen Oberstudienrat so üblich ist, frühzeitig lernen mit Geld selbst umzugehen. Ich war jedenfalls komplett überfordert - nicht vom Geldausgeben, sondern vielmehr von der Situation.

Teil 4: Adolf flucht und keiner hört hin

Ich hatte mir nun ein Walkman ausgesucht und trug ihn zur Kasse. Und als ich bezahlen wollte, schaute ich die Dame hinter dem Thresen nur an und sagt: wo ist das Klo. Ich musst schon seit wir in M. angekommen waren. Und da war sie die erste Begegnung mit einem Menschen, der zwar auch mein Geld wollte, mir jedoch bevor es dazu kam aus dieser, für mich damals, peinlichen Situation half. Die Dame nahm also mein Walkman. Legte ihn beiseite und zeigte mir das Klo.
In völliger freudscher Befriedigung stand ich nun vor dem Waschbecken und da traf ich den zweiten Menschen, der im nachhinein noch prägender war als die nette Dame hinter dme Thresen. Für mich als kleiner Knirps, im ersten Moment, ein komplett unheimlicher Mann, da ich nur seinen schweren dunklen Mantel wahrnahm. Er sprach mich in einem für mich unverständlichen Dialekt an. Ich dreht mich zu ihm und fragt in einem für ihn unverständlichen Dialekt, was er denn wollte. Die Seife war es. Grinsend schob er mich zur Seite und bediente sich am Spender. Ich muss ziemlich dämmlich vor dem Waschbecken verhaart sein. Denn als er das Klo verlies, hatte ich immernoch nicht meine Hände gewaschen. Er drehte sich um und sagte nur: Egal was kommt. Egal was sie dir sagen, wenn du jemals in die Lage kommst über einen Kredit nachzudenken, greif richtig zu! Denn alles unter einer Millionen DM wird dir das Genick brechen.
Ich hatte zum erstenmal Flüssigseife in der Hand, der Wasserhand stellt sich ab und die Tür schloss sich.

Teil 5: Adolf flucht und keiner hört hin

Ein kurzen Moment in dem es völlig still war, bist die Tür erneut aufging und der Singsang der Einkaufszentrumsanlag mich zurück in die Realität holte. Ich rannte aus der Toilette, die Rolltreppe runter auf die Strasse. Es war kalt, es regnete und ich wollte nur noch nach Hause.
Das war mein erster Ausflug in den wilden Westen und eine Lehrstunde. Das ist jedoch nicht das Ende der Geschichte. Ich hatte ja noch die 20 Mark. Die packte meine Mutter auf mein Sparbuch. So wurden aus 20DM erstmal 240 OstMark und einige Monate später 240DM. Von den kaufte ich mir dann übrigens auch den Walkman, den ich damals in diesem leichten Anflug von Panik an der Kasse vergessen hatte.
Jedenfalls lernte ich 3 Dinge.
1.
Eine Masse von Menschen ist immer abstossend und ist zu meiden (sei es Demos, Parties, Konzerte usw). Einzeln betracht trägt jedoch jeder etwas liebenswertes in sich.
2.
Trau keinem der dein Geld will und dir dafür alles erzählt was du hören willst. Dazu gehören auch jegliche Kreditgeschäfte. Dabei ist es egal ob es sich um einen Dispo handelt oder um einen 400000Euro Kredit für ein Haus. Es ist einfach zu wenig Geld als das man sich damit in einer Position befinden, mit den Gläubigern verhandeln zu können.
3.
Es gibt egal ob es Berg auf geht (Walkman zur Kasse tragen) oder Berg ab (Walkman an der Kasse vergessen) immer günstige Gelegenheiten (aus 20 Mark 240 Mark gemacht) in der man Handeln muss/kann.

Teil 6: Adolf flucht und keiner hört hin

Und danach handel ich heute noch. Vor 3 Wochen bekam ich jedenfalls mal wieder Post von meiner Bank. Es betraff 2 Fondverträge, die sie gerne auslaufen lassen würden, weil sie die Zinsen, die sie mir zahlen sich nicht mehr leisten könnten - so mal grob übersetzt.
Ich bin dann zur Bank und wollte wissen warum sie aus den beiden Verträgen raus wollten. Da meinte die Dame, dass wir uns gerade in einem Zinstief befinden und sie die 4.85% nicht mehr zahlen könnten, da sie dadurch Verluste machen. Aber sie versichere mir sie habe schon das Richtige für mich rausgesucht und es wäre kein Aufwand das Geld zu verschieben. Da unterbrach ich sie etwas unsanft in ihren Vortrag und fragt sie ob sie auch ihre Schuldner angeschrieben hätten, wegen dem Zinstief. Das verstand sie erst nicht und ich musst etwas genauer werden - da ihre Bank ja gerade Baukredite anbiete von unter 2.75% und da könnten doch alle ihre Schuldner umschulden von ihren 8%+ auf eben jene 2.75%. Da war der Moment wieder, jedoch nicht bei mir, sondern bei ihr. Man merkt förmlich wie die Realität sie von hinten einholte. Sie merkte, dass sie mir im Grund nichts anbieten konnte und auch was sie gerade versuchte. Nachdem sie sich dann gefangen hatte, erklärte ich ihr das ich hiermit alle meine Konten auflöse und ich ihr dafür 2 Wochen Zeit gebe.
Jedenfalls habe ich nun eine neue Bank. Mein Fonds sind alle aufgelöst und das Kapital daraus habe ich in Südamerika in Rohstoffe geparkt. Denn? nach dem Regen kommt die Sonne!

;)

Verehrter Centime,

ich kann Ihre Sorge hinsichtlich deutscher Bevormundung leider nicht nachvollziehen. Wenn es darum geht, Bürgschaften aus "Rettungsschirmen" einzulösen, dürfte Deutschland allein dastehen.
Außer großartigen Versprechungen, Hollande lässt sich dabei ja schon als Retter des Abendlandes feiern, ist von Frankreich wohl nichts zu holen. Möchte nur daran erinnern, dass die deutsche Bundesbank zu DM-Zeiten den französischen Franc nur durch massive Stützungskäufe vor dem Abgrund errettete. Aus dieser historischen Erfahrung sowie leidvollster Erfahrungen in Hinblick auf den Versailler "Friedensvertrag" heraus ist abzuleiten, dass von Frankreich nichts zu erwarten ist. Man dürfte schon froh sein, wenn Frankreich nicht selber hilfsbedürftig wird.

@Gustav.de

Sie koennen es auch nicht verstehen, da ich keine Sorgen garnicht von meinen Sorgen geschrieben habe.
Und ich denke auch nicht, das Frankreich Sorge hat Deutschland koenne bevormunden. Deshalb schrieb ich ja, nur ueber Leichen.
Hilge und gemeinsam Loesungen zu finden immer willkommen, Bevormunden sollte man nicht mal Kinder, sie sind auch zu respektieren.

Zu Hollande, er macht im Prinzip auch Neoliberale Politik.Nur er kennt sein Volk. In Frankreich ist Ruhe auf den Strassen( noch)auch nach Steuererhohungen und Unternehmergeschenken.Er versucht nur gerechter zu verteilen.Hollande habe ich nicht gewaehlt, aber er wird von mir erst beurteilt in zwei Jahren, diese Zeit bekommt er von mir.

Das er von Ihnen persoenlich jetzt angegriffen wird, dafuer haben Sie sicher Gruende.
In Frankreich brennen auch keine deutsche Fahnen,es gibt auch sehr sehr wenig Haeme gegen das deutsche Volk( eher gegen Merkel)und ich bin sicher, ist Deutschland in Not wird France zur Hilfe eilen.
Hilflos werden wir alle dastehen, da dieses Finanzsystem fortgefuehrt wird.

Und suchen Sie mal im Net:" the dirthy little secret"
Auch das oeffnet Augen.
Ich bin eine Sie.

Frau Merkel verteidigt meine Existenz-dafür danke ich ihr

der Wahlkampf in berichtenden Texten sollten aufhören.
Liebe Redaktion, die Haltung der Zeitung haben wir mitterlweile verinnerlicht. So mancher Kommentar zeigt das´s wirkt - das donsbachsche Loblied auf die Medienwirkung.
Dennoch: Viele Deutsche sind wohl froh, dass Merkel ihren Kurs weiterfährt.
NIcht jeder ist verbeamtet und muss sich um seine Zukunft bzw. um sein Essen keine SOrgen machen. Dann ist natürlich auch Zeit sich im teuren Kaffee über die REchtschreibefehler der angeblichen Bierdimpf zu mokieren.
Sehr empfehlenswert dazu: das ist exzellenter Journalismus:
http://www.faz.net/aktuel...

Merkel

Die Troika ist nicht Merkels Troika und die geforderten Reformen kein teuflischer Plan deutscher Kolonialherren.

Der IWF spielt hier eine viel bedeutendere Rolle und damit auch internationale Geldgeber wie die USA, GB, China und Brasilien. Die sind damit genauso für die harten Einschnitte mitverantwortlich wie Deutschland.

Marsbewohner schuld?

Aha, jetzt sind die Chinesen und Brasilianer auch noch an der Sparpolitik in GR schuld? Wo haben Sie das denn her? Nein, an dieser Politik ist in erster Linie Frau Merkel schuld, da sie es erst soweit hat kommen lassen und bis heute hat Madame nicht einmal im Ansatz ein Konzept wie das Problem geloest werden sollte. Und das Grunduebel naemlich die aussenwirtschaftlichen Ungleichgewichte werden erst garnicht angegangen. Und wenn viele Deutschen diese Chaospolitik so toll finden, wird die Geschichte ihren Lauf nehmen. Aber immerhin wird es Frau Merkel schaffen, dass erstmals in Europa eine sozialistische Partei in ein paar Monaten durch freie Wahlen in Griechenland an die Macht kommt und wenn dann die Karten neu gemischt werden und hoch gepokert wird, werden auch deutsche Politiker feststellen, dass man mit Diktaten wenig erreicht. Denn Griechenland kann eigentlich alles machen, die Griechen haben nichts mehr zu verlieren. Die Portugisische und spanische Regierung werden wohl auch kaum ihre Legislaturperioden ueberstehen, wenn sie so weitermachen. Dann wird es duester in Europa.