Maria do Carmo vor ihrem Laden © Julia Fiedler

Wütend wird sie deshalb, wenn sie von den Plänen der Regierung spricht. Portugal steckt in einer tiefen Rezession und die Regierung will noch mehr sparen, damit die Schulden nicht weiter wachsen und weil die Troika aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Kommission es so wollen. Die Regierung will die Einkommenssteuer erhöhen, auch die Kfz-Steuer. Dann wird es für Maria do Carmo noch enger.

Um 20 Prozent hat die Portugiesin mittlerweile ihre Preise gesenkt. Dennoch sitzt sie oft allein im Laden und wartet vergeblich auf Kunden. "An manchen Tagen verdiene ich zehn Euro." Ihren Kunden geht es nicht besser. Manche kaufen sich die Tönungen beim Chinesen um die Ecke, wo sie billiger sind und bringen sie beim Friseurbesuch mit. Andere lassen anschreiben. "Ich kann sie nicht wegschicken", sagt do Carmo. "Dann verliere ich auch meine letzten Kunden."

Das Essen bezahlt inzwischen ihre Mutter, die jeden Monat 300 Euro Rente erhält, und ihre Tochter, die an einer Tankstelle jobbt. Ihre beiden erwachsenen Söhne haben in diesem Jahr ihren Job verloren und wohnen noch zu Hause. Um zu sparen, hat die Friseurin in ihrem Garten Salat und Zucchini gepflanzt.

Was Maria do Carmo bleibt, ist das Demonstrieren. Sie hat Angst, dass Angela Merkel den Portugiesen noch mehr abverlangen will. "Es gibt Alternativen zum neuen Sparkurs", sagt sie. "Und wenn es der Austritt aus der Euro-Zone ist, es kann kaum noch schlimmer werden." Heute seien wenige Portugiesen auf die Straße gegangen, rund 1.000 sind es. "Aber spätestens wenn die neuen Sparmaßnahmen die Menschen treffen, wird sich etwas ändern." Dann würden selbst die pazifistischen Portugiesen zur Gewalt greifen. "Was haben die Leute zu verlieren, wenn sie schon alles verloren haben?"