Millionen Menschen haben mit Streiks und Kundgebungen gegen die Sparpolitik in Europa protestiert. Vor allem Spanien und Portugal sind betroffen: Dort sollen die Generalstreiks 24 Stunden dauern. Proteste gab es zudem in Griechenland, Großbritannien , Belgien und Frankreich.

Zu dem Aktionstag hatten europäische Gewerkschaften aufgerufen. Nach Ansicht der Demonstranten verschärfen die Sparprogramme zur Bekämpfung der Schuldenkrise in vielen Ländern Europas die Rezession.

In Spanien und Portugal fahren seit dem Morgen praktisch keine Züge mehr. Hunderte Flüge wurden gestrichen und Fabriken blieben geschlossen. Behinderungen mussten auch Flugreisende in Kauf nehmen: Betroffen waren vor allem die Gesellschaft Iberia und der Billigflieger Vueling. In Portugal strich die Fluggesellschaft TAP 45 Prozent der Verbindungen.

Folgen der Immobilienblase

"Wir streiken, um diese selbstmörderische Politik zu beenden", sagte der Chef der spanischen Gewerkschaft UGT, Candido Mendez. Spanien leidet noch immer unter den Folgen der geplatzten Immobilienblase. Die daraus resultierende Wirtschaftskrise hat Millionen Menschen in Armut gestürzt.

Am Rande der Proteste kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, die in der Innenstadt von Madrid Gummigeschosse und Schlagstöcke gegen Demonstranten einsetzte. Mehrere Demonstranten wurden verletzt, mehr als 80 festgenommen. In der zweitgrößten spanischen Stadt Barcelona wurden Hunderte Müllcontainer von den Straßen geräumt, um sie vor Brandstiftern zu schützen. Für den Abend sind in Madrid , Barcelona und der portugiesischen Hauptstadt Lissabon weitere Großkundgebungen geplant.

In Portugal bliebt die Lage bislang ruhiger als beim spanischen Nachbarn. Gegen die Politik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho gibt es aber in der Bevölkerung einen wachsenden Widerstand: Das Land ist auf Kredite internationaler Geldgeber angewiesen und muss deshalb weitreichende Sparvorgaben umsetzen. Bei einem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in dieser Woche in Portugal hatten Tausende gegen diese Politik demonstriert.

Auch Deutsche Bahn von Streiks betroffen

Zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam es auch bei den Protesten in Rom, wo Polizisten von rechtsgerichteten Studenten mit Steinen, Flaschen und Sprengkörpern beworfen wurden. Sie demonstrierten gegen Kürzungen im Bildungssystem. Die Polizei rückte mit Tränengas und gepanzerten Fahrzeugen vor, um randalierende Schüler und Studenten vom Tiber-Ufer zu vertreiben. Reporter sprachen von Guerilla-ähnlichen Szenen. In Turin wurden fünf Polizisten bei Krawallen verletzt, einer von ihnen schwer; Demonstranten hatten seinen Schutzhelm mit Stöcken und Baseballschlägern zertrümmert. Auch an anderen Orten wurden Beamte verletzt, es gab mehrere Festnahmen.

Wegen eines 24-stündigen Bahnstreiks in Belgien musste die Deutsche Bahn Busse einsetzen. Von dem Ausstand war vor allem der Zugverkehr in Richtung Brüssel betroffen. "Wer nicht unbedingt dahin muss, sollte einen anderen Tag wählen", sagte ein Bahn-Sprecher. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys zwischen Deutschland und Belgien verkehrte wegen des Streiks nicht.

Auch die Niederlande und andere Länder waren von den Streiks betroffen. Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden am Mittwoch etwa zehn Flüge von und nach Spanien annulliert. Drei Hochgeschwindigkeitszüge nach Paris blieben im Bahnhof. In London Heathrow , dem verkehrsreichsten Flughafen Europas, wurden bis zum Mittag wegen der Proteste 39 Flüge gestrichen.