FinanzmarktEU-Staaten einigen sich auf strengere Regeln für Rating-Agenturen

Die Rating-Agenturen sollen nach dem Willen der EU transparenter und haftbar gemacht werden. Ihre Noten dürfen nur noch an festgelegten Terminen veröffentlicht werden. von dpa und reuters

Das Büro der Rating-Agentur Standard & Poor's in New York

Das Büro der Rating-Agentur Standard & Poor's in New York  |  © Justin Lane/EPA/dpa

Rating-Agenturen müssen sich in der Europäischen Union künftig einer strengeren Kontrolle unterziehen. Das sehen neue Regeln vor, auf die sich Vertreter der EU-Kommission, des Europaparlaments und der EU-Staaten geeinigt haben. Ziel ist es, die Bonitätsprüfer für ihre Notenvergabe stärker zur Verantwortung ziehen zu können. Künftig sollen die Agenturen für grobe Fehlentscheidungen haftbar sein und ihre Urteile besser begründen. Die Vorschriften werden einem EU-Vertreter zufolge frühestens im kommenden Jahr in Kraft treten.

In der Finanzkrise und in der europäischen Staatsschuldenkrise wurden insbesondere die drei Agenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch kritisiert. Beanstandet wurde, dass sie Top-Bewertungen für Anleihen vergeben hätten, die sich später als sogenannte Giftpapiere erwiesen. Ein anderer Vorwurf ist, dass in der Euro-Krise manche Länder-Ratings zu äußerst sensiblen Zeitpunkten herabgestuft wurden.

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Zentrales Anliegen der neuen Regelungen ist eine schärfere Vorgabe für die Notenveröffentlichung. Die Agenturen müssen in einem Kalender vorher festlegen, wann sie Ratings vergeben. Deren Bekanntgabe soll auf einer europäischen Plattform erfolgen. Die Veröffentlichung soll nur außerhalb der Geschäftszeiten und mindestens eine Stunde vor der Öffnung der europäischen Börsen möglich sein. Dies soll nervöse Reaktionen der Märkte abmildern.

Bei der Bewertung bestimmter komplexer Papiere müssen sich die Agenturen abwechseln. So soll verhindert werden, dass sich die gewinnorientierten Rating-Agenturen mit zu positiven Einstufungen das Wohlwollen ihrer Geldgeber sichern.

Der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier sagte, die neuen Regeln erlaubten eine "Verringerung der übertriebenen Abhängigkeit von Ratings, die Beseitigung von Interessenkonflikten und die Einführung einer zivilrechtlichen Haftung für Rating-Agenturen". Kritiker bemängeln, dass die neuen Regeln im Zuge der Verhandlungen aufgeweicht wurden. So steht etwa nicht mehr die Forderung zur Diskussion, Länder-Bewertungen auszusetzen, solange Rettungsprogramme organisiert werden.

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Leserkommentare
  1. Dieses ganze Verfahren hat den Ruch von "kill the messenger"-Logik. Wenn einem die Bewertungen der Agenturen nicht passen, so muss man ihnen eben auf dem rechtlichen Wege zusetzen. Wie gesagt, das alles riecht streng.

  2. "Künftig sollen die Agenturen für grobe Fehlentscheidungen haftbar sein"

    Ich dachte immer, "Entscheidungen" würden von Politikern getroffen, so dass diese auch für Fehlentscheidungen haftbar sein sollten.

    Was von den Rating Agenturen kommt, sind nicht "Entscheidungen", sondern "Beurteilungen" und diese unterliegen der Meinungsfreiheit - man will gegen ungünstige, "schädliche" Beurteilungen vorgehen - das erinnert mich an die DDR.

  3. Ein durchsichtiger Versuch, von der Balkanisierung der Finanzpolitik der EU abzulenken. Die Urteile der Ratingagenturen über Griechenland, Spanien, Italien sind ja wohl nicht zu beanstanden. Mehr Transparenz ist nur vonnöten im privaten Sektor, wo die Ratingagenturen in vielen Fällen positiv bewertet haben, was die eigene Beratungsabteilung an finanzieller Giftmischerei verkauft hat.

  4. aber Agenturen in den USA tätig sind und dennoch Europa zu bewerten wagen - unterliegen sie dann auch europäischem Europa-Bewertungs-Beschränkungs-Recht?

    Wie wird dieses durchgesetzt?

    Rechtshilfeersuchen? Einmarsch?

  5. aber klopft mal lieber den Banken auf die Finger.

  6. weil ich ein starkes Europa will - sonst können wir nicht mehr mit großen und immer stärker werdenden Ländern wie China, Indien, Brasilien konkurrieren.

    Aber ein Europa, dass sich dominant und bevormundend gebärdet, indem es die Meinungsfreiheit der Rating Agenturen beschneidet und ihnen droht, wäre zu Recht eine EUdSSR, die ich ablehne. Es handelt sich um einen Einschüchterungsversuch, der hiermit zu tun haben dürfte http://www.zeit.de/wirtsc...

  7. Was die drei großen Ratingagenturen an Einstufungen für Staaten herausgeben, ist für mich eh nur "Kokolores".

    In meinem Rating erreicht Deutschland mit 356 Punkten von 830 möglichen Punkten eine Erfolgsquote von 42,9 Prozent und damit die Einstufung "B" --> Dringender Handlungsbedarf, einschneidende Maßnahmen sind zu ergreifen.

    Zur Ermittlung meiner Einschätzung habe ich sowohl die Verbindlichkeiten als auch das Vermögen der öffentlichen Hand - soweit mir die Quellen zugänglich sind – berücksichtigt.

    Insgesamt umfasst meine Tabelle derzeit 29 Positionen, nachfolgend daraus die ersten 6 Positionen:

    1 Staatsschulden (%) in Relation zum BIP

    2 Neuverschuldung bzw. Tilgung (%) in Relation zum BIP

    3 Staatsquote

    4 Bundesschuld (Zins) in Relation zum gesamten Staatshaushalt

    5 Deckelung der M1 Geldmenge durch Gold (Edelmetalle)

    6 Importe in Relation zu den Exporten

  8. Rating, Teil 2

    Die Tabelle ist so aufgebaut, dass hinter jeder Position die Spalten "Gewichtung_Vorgabe", "Bewertung_Vorgabe" und daran anschließend die Spalte "Bewertung_IST" folgt. Die Gewichtung hängt von der "Wertigkeit" der 29 Kriterien ab und kann zwischen 1 und 10 Punkte und die Bewertung über alle Positionen zwischen 0 und 10 Punkte betragen.

    Konkret am Bsp. 1 "Staatsschulden (%) in Relation zum BIP" sieht das wie folgt aus:

    Da es sich um ein Maastricht-Kriterium handelt, wird die Gewichtung mit der Maximalpunktzahl von 10 Punkten festgesetzt. In der Bewertung erreicht Deutschland 2 Punkte, da die explizite Staatsverschuldung (ohne Berücksichtigung der impliziten Staatsschulden!) in Relation zum BIP zwischen 80 und 90 % liegt (0 %: 10 Pkt., zwischen 10 % - 20 %: 9 Pkt., zwischen 20 % - 30 %: 8 Pkt, ..., zwischen 80 % - 90 %: 2 Pkt., zwischen 90 % - 100 %: 1 Pkt., 100 % und mehr: 0 Pkt.).

    In Punkt 1 errechnet sich eine erreichbare Punktzahl G_V * B_V von 100 Punkten (= Produkt aus 10 * 10). Deutschland erzielt dabei G_V * B_IST = 20 Punkte (= Produkt aus 10 * 2)!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Europäische Union | Agentur | Anleihe | Börse | Euro-Krise | Finanzkrise
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