Gerichtsurteil : Standard & Poor's muss für falsche Ratings zahlen

Haften Ratingagenturen für ihre Notenvergabe? In Australien muss S&P Schadenersatz für irreführende Bewertungen bezahlen. Kommunen hatten in der Krise Millionen verloren.

Wegen irreführenden Bewertungen von Finanzprodukten hat ein Bundesgericht in Australien die Ratingagentur Standard & Poor's zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt. Die Agentur hatte komplizierte Finanzprodukte mit der Höchstnote AAA und damit als sichere Anlage bewertet. Daraufhin hatten mehrere australische Städte und Gemeinden die Derivate gekauft und rund 16 Millionen australische Dollar (etwa 12,8 Millionen Euro) investiert, berichtete die Zeitung The Australian .

In der Finanzkrise waren zahlreiche Wertpapiere, in denen zum Beispiel nicht gedeckte US-Immobilienkredite gebündelt waren, wertlos geworden – obwohl sie zuvor Bestnoten bei der Bonität erhalten hatten. Die 13 klagenden Stadtverwaltungen hatten 2008 mehr als 90 Prozent ihrer Einlagen verloren. Die Richterin sprach ihnen gut 30 Millionen australische Dollar Entschädigung zu, um die Verluste sowie Zinszahlungen und Anwaltskosten auszugleichen.

Neben Standard & Poor's müssen auch die Investmentbank ABN Amro und der Finanzdienstleister LGFS für die Schadensersatzforderungen aufkommen. Das Urteil wurde weltweit mit Spannung erwartet, weil es als Präzedenzfall auch Auswirkungen auf Europa haben könnte. Dort wurden ähnliche Finanzprodukte im Wert von zwei Milliarden australischen Dollar verkauft, zitierte der US-Fernsehsender ABC News aus einer Stellungnahme des Unternehmens IMF Australia, das die Sammelklage finanziert hatte. IMF erwägt nach eigenen Angaben Prozesse auch in Europa.

Die Ratingagentur Standard & Poor's kündigte bereits an, Berufung gegen das Urteil einzulegen.
 

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Sondern?

"Dass Urteil der Ratingagenturen fällt nicht unter Meinungsfreiheit, sondern ist eine marktrelevante Aussage"
...das ist aber nur Ihre Meinung, nicht? ;-)

Und wieso eigentlich "sondern"? Der erste Teil ist doch nicht automatisch ein Gegensatz des zweiten?!

Wenn Rolf Breuer sagt, nicht jeder wolle Leo Kirch noch Kredit geben, dann ist das doch Meinung _und_ marktrelevante Aussage, oder?

Wen und warum verklagen?

Die Suedlaender wollen Sie verklagt sehen? Warum? Man mag GR vorwerfen, Sie haetten die Daten 2001 manipuliert, aber das wuste Herr Eichel seinerzeit, da ich es auch wusste. Man kann aber einen Betrueger nicht verklagen, wenn man weiss er will einen betruegen und laesst es troztdem geschehen. Da gibt es eine sogenannte Schadensminderungspflicht. Also verklagen Sie Herrn Eichel und seinen Knecht Asmussen.

Fader Beigeschmack

Die Ratings basieren auf empirischen Schätzungen und wenn der Datensatz einfach falsch ist, dann können die Wissenschaftler herzlich wenig dafür. So ein Urteil ist sehr mit Vorsicht zu genießen weist es doch populistische Züge auf. Nur damit Mann jemanden an den Pranger stellen kann. nach dem Motto die Verantwortung für meine eigene schlechte Anlage schiebe ich auf den anderen.

Falsche Datensätze

hat aber die Agentur zu vermeiden, nicht deren Kunden. Dafür u.a. wird sie ja bezahlt. Die Agenturen können auch nicht in einem Disclaimer alle Verantwortung ablehnen, denn sie verkaufen ja die Relevanz ihrer Ratings: Geld gegen glaubhafte Einschätzungen also. Meist funktioniert das. Aber spätestens wenn dann ein Top-Rating sich als Totalausfall erweist, stimmt was nicht.

Wissenschaftler

S & P ist doch kein Forschungsinstitut, es werden gegen Geld Ratings vorgenommen, die dazu dienen sollen, die Bonitaet einer Institution oder Sicherheit eines Produktes zertifizieren. S & P hat damit sicher Mrd verdient, aber es hat sie niemand gezwungen irgemdwelche ABS, CDS, CDO oder was zu raten und es laesst sich einwenden, es gab auch frueh spatestens seit 2002 Warnungen, dass der amerikanische Immobilienmarkt kein gutes Ende finden wuerde. Warum hat man dies ignoriert? Wegen des Mammons den man haben wollte. Und Gier muss bestraft werden.

Privat

Das stimmt natürlich und nach Basel II müssen auch die Agenturen beweißen das ihre Einschätzungen neutral und unabhängig vom Rest des Betriebes sind(also Integrität vor Gewinnstreben). Trotzdem erscheint mir das Urteil sehr Richtung Hexenverbrennung zu gehen. Hauptsache jemand ist Schuld für etwas. Assymmetrische Information gepaart mit Moral Hazard ist immer noch eines der größten Probleme bei Krisen. Der Markt für Ratings müsste noch größer werden.