Der Wirbelsturm Sandy könnte nach Einschätzung von Experten das ohnehin schwächelnde Wachstum der US-Wirtschaft im vierten Quartal deutlich drücken. Allerdings sind genaue Prognosen zu den Auswirkungen des Sturmes schwer, was sich auch an der Bandbreite der Prognosen zeigt.

Der Wissenschaftler Peter Morici von der Universität Maryland schätzt den Verlust auf einen halben Prozentpunkt im vierten Quartal. "Das kann das Wirtschaftswachstum auf rund ein Prozent drücken." Gemessen an der Gesamtlage sei ein halber Prozentpunkt eine Menge, fügte er hinzu.

Die anfänglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft könnten gravierend sein, schrieb auch Paul Ashworth von der Londoner Beratungsfirma Capital Economics in einer Analyse.

Kurzfristige Auswirkungen auf Benzinpreis

Dagegen blieben die Analysten von JP Morgan bei ihrer Prognose, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2,0 Prozent zulegt. Die Fachleute verwiesen darauf, dass der verheerende Hurrikan Katrina 2005 das Wirtschaftswachstum zwar erheblich verlangsamte, vor allem weil Ölraffinerien ausfielen und zwei Monate lang das Benzin deutlich teurer war.

Allerdings erholte sich damals die Konjunktur auch wieder sehr rasch. Sandy habe zwar auch einige Raffinerien in Mitleidenschaft gezogen, schrieben die Analysten weiter. Aber die Auswirkungen auf den Benzinpreis seien vermutlich nur kurzfristig.

Auch Volkswirt Bernd Krampen von der NordLB sieht die Lage weniger dramatisch. Er rechnet kurzfristig mit deutlichen Rückschlägen bei Einzelhandelsumsatz, Industrieproduktion und Beschäftigung. Insgesamt seien im vierten Quartal jedoch lediglich Wachstumseinbußen von 0,1 Prozent zu erwarten.

Zuletzt hatten die Schätzungen von Experten für das vierte Quartal im Schnitt bei einem Plus von 1,8 Prozent gelegen.

Schäden schwer zu schätzen

Sandy war am Montag auf einer Breite von mehreren Hundert Kilometern auf die Ostküste der USA geprallt. Überschwemmungen, Stromausfälle und zerstörte Häuser waren die Folge . Mehr als 50 Menschen starben in den USA und Kanada , mehr als 60 in der Karibik .

Wie hoch die Schäden sind, die Sandy hinterließ, ist derzeit nur schwer abzuschätzen. Unzählige Wohnhäuser, Fabriken, Kraftwerke und Verkehrswege in den besonders betroffenen Bundesstaaten New Jersey und in New York müssen instandgesetzt werden. Auf die Konjunktur werden sich diese Wiederaufbauarbeiten aber wohl erst 2013 positiv auswirken.

Der Informationsdienst IHS Global Insight rechnet mit einem wirtschaftlichen Gesamtschaden von bis zu 50 Milliarden Dollar (38,7 Milliarden Euro). Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat geht von direkten Schäden von bis zu 20 Milliarden Dollar aus, die Hälfte davon dürfte versichert sein. Der Risikospezialist AIR kommt auf eine ähnliche Summe.