Dennoch sieht Schmidt gute Chancen, dass Europa gut aus der Krise kommt. Grundsätzlich sei der Euro "eine ganz stabile Währung", sagte er, und Politiker wie Jean-Claude Trichet und Mario Draghi seien "mit Recht hoch zu loben". Zwar hätten sie sich über einige Verträge hinweggesetzt. "Aber das muss man tun in diesen Zeiten. Das ist zwangsläufig. In einer großen Krise kuckt man nicht auf die Verfassung, dafür gibt es auch Beispiele innerhalb Deutschlands", sagte Schmidt – eine Anspielung auf die Hamburger Sturmflut des Jahres 1962, während der er als Innensenator die Leitung des Krisenstabs innehatte.

"Als Mitglied der Bundesregierung kann ich nicht so reden über das Einhalten von Verträgen wie man das kann, wenn man Helmut Schmidt ist", konterte Wolfgang Schäuble. Er bekräftigte seine Forderung nach einer weitreichenden rechtlichen Reform Europas. "Wir brauchen vertragliche Veränderungen", sagte er.

Möglicherweise komme man dann auch an einen Punkt, an dem das Grundgesetz angepasst werden müsse. Nötig seien "andere Formen von Global Governance", so Schäuble. Die Möglichkeiten des Nationalstaats reichten nicht mehr aus. "Sehen Sie sich doch das Internet an, wie es die Welt verändert! Wenn wir uns auf das 21. Jahrhundert vorbereiten, müssen wir zu größeren Veränderungen bereit sein, als wir es uns gelegentlich in unseren Debatten leisten."