ZEIT ONLINE: Herr Massourakis, die griechische Regierung soll jetzt Staatsanleihen von Banken und Privatanlegern zurückkaufen, um die Schuldenquote des Staates zu senken. Ihr Institut ist die größte Privatbank Griechenland. Was muss Athen bieten, damit Sie verkaufen?

Michael Massourakis: Die Euro-Gruppe hat entschieden, dass der Preis sich am Schlusskurs vom vergangenen Freitag orientieren soll. Da lagen die Preise bei rund 28 Cent je Euro. Eine Anleihe, die nominal einen Euro wert ist, wird also für 28 Cent am Markt gehandelt. Die Frage ist nun, ob es genug Investoren gibt, die für diese 28 Cent verkaufen werden.

ZEIT ONLINE:  Wie wird ihre Bank, die Alpha Bank, entscheiden?

Massourakis: Es ist wirklich eine schwere Entscheidung. Wenn wir verkaufen, streichen wir vielleicht einen kleinen Gewinn ein. Später könnten wir davon wieder neue Anleihen kaufen. Aber natürlich können wir die Papiere auch einfach behalten. Das hätte zwar das Risiko, dass sie vielleicht weiter an Wert verlieren. Vielleicht können wir aber auch zu einem besseren Preis irgendwann später verkaufen.

ZEIT ONLINE:  Was werden Sie tun?

Massourakis: Es gibt aus meiner Sicht für Banken keinen Grund, nicht mitzumachen. Wir geben Staatsanleihen zurück, im Gegenzug erhalten wir wahrscheinlich Papiere des Rettungsfonds EFSF. Das ist ein fairer Deal. Und wenn es den Schuldenberg der Regierung und die Zinslast reduziert, umso besser.

ZEIT ONLINE:  Kalkulieren Hedgefonds anders als Sie?

Massourakis: Natürlich. Die wollen noch mehr rausholen. Wenn die Hedgefonds für 15 Cent gekauft haben, dann machen die zwar schon einen guten Schnitt. Sie wollen aber noch mehr sehen als die 28 Cent. Deshalb verhandeln sie jetzt mit der Regierung.

ZEIT ONLINE: Ihr Finanzminister hat gesagt, es sei eine Frage der "nationalen Pflicht", die Papiere zu verkaufen.

Massourakis: Ja, das hat er gesagt. Aber natürlich hat die Regierung gleichzeitig ihren Handlungspielraum eingeschränkt. Die Obergrenze von 28 Cent je Euro bremst die Erfolgsaussichten. Damit hat sich die Regierung in den Fuß geschossen: Auf der einen Seite soll das Programm unbedingt gelingen. Viele Gläubiger sollen verkaufen. Dann ist es aber kontraproduktiv, eine Obergrenze festzulegen. Auf der anderen Seite hat die Regierung eben auch nur eine bestimmte Summe Geld zur Verfügung, nämlich zehn Milliarden Euro. Sicher, die Teilnahme ist freiwillig. Aber die Regierung muss uns auch sagen: Was passiert, wenn es nicht klappt?

ZEIT ONLINE:  Dann gibt es am Jahresende kein frisches Geld von der Troika.

Massourakis: Der Internationale Währungsfonds hat die Auszahlung der nächsten Hilfstranche vom Erfolg des Rückkaufprogramms abhängig gemacht. Und wenn er aussteigt? Dann zähle ich auf die europäische Solidarität. Wir werden zusätzliche, andere Quellen auftun.

ZEIT ONLINE:  Wird der Schuldenrückkauf Griechenland retten?

Massourakis: Das Programm wird auf jeden Fall die Zinslast auf unsere Staatsanleihen in den kommenden zehn Jahren senken. Das ist ein großer Schritt nach vorne. Wie nehmen zehn Milliarden Euro von den bereits zugesagten Hilfsgeldern in die Hand und kaufen Schuldtitel im Wert von 30 Milliarden Euro. Das reduziert unsere ausstehenden Schulden also um etwa 20 Milliarden Euro.

ZEIT ONLINE: Sie klingen irgendwie nicht begeistert.

Massourakis: Ach, wissen Sie, das Programm ist das Ergebnis der gesammelten Weisheit der Euro-Gruppe. Und es gibt diesen Spruch: Der Berg hat gekreißt – und eine Maus geboren.

ZEIT ONLINE: Was meinen Sie genau?

Massourakis: Ich persönlich glaube einfach nicht, dass wir auf zehn Jahre in der Zukunft unseren Schuldenstand prognostizieren können. Sicher, es gibt die offiziellen Dokumente. Der IWF und Herr Schäuble können hier mal eine Milliarde auftun und mal da. Aber wenn man sich die Prognosen von vor zehn Monaten anschaut, dann ist das doch heute schon alles wieder hinfällig. Man kann heute noch nicht sagen, ob Griechenland seinen Schuldenstand von 144 auf 124 Prozent senken kann. Das ist unmöglich. Außerdem ist es Politik: Griechenland erwirtschaftet etwa schon jetzt einen kleinen Primärüberschuss, verzeichnet also ein Haushaltsplus, wenn man Zinszahlungen ignoriert. Es liegt bei etwa 0,5 bis einem Prozent. Aber darüber redet keiner.

ZEIT ONLINE: Warum nicht?

Massourakis: Ich kenne die Abkommen zwischen der Troika und Griechenland nicht. Aber ich habe den Eindruck, dass der diesjährige Haushaltsüberschuss lieber im kommenden Jahr anfallen soll, damit man dann noch größere Erfolge Griechenlands vermelden kann. Dieses Jahr ist fast vorbei. Es ist egal.