KonzernumbauSiemens will nicht mehr Mittelmaß sein

Der Siemens-Konzern präsentiert seine Bilanz und will sparen. Das Unternehmen soll profitabler werden – und wird Tausende Stellen streichen müssen. von Corinna Visser

Siemens

Dunkle Wolken über Siemens. Konzernchef Peter Löscher will angeblich bis zu 10.000 Stellen streichen.  |  © REUTERS/Fabrizio Bensch

Das hat Tradition: Siemens ist in mehr als 190 Ländern aktiv, und der Vorstand tagt immer mal wieder an einem anderen Ort, um seine Verbundenheit mit Kunden und Mitarbeitern in den Ländern zu zeigen. Vergangene Woche war das indische Neu Delhi an der Reihe. Das war passend gewählt: Große Erwartungen hatte man in die wirtschaftliche Entwicklung Indiens gesteckt, doch das Wachstum hat sich deutlich verlangsamt. Der Markt ist unberechenbar und schwierig. So könnte man auch das neue Geschäftsjahr überschreiben, das bei Siemens am 1. Oktober begonnen hat. Am Anfang steht ein neues Sparprogramm, das Vorstandschef Peter Löscher Effizienzprogramm nennt. 2013 werde ein Jahr des Übergangs, hört man aus Unternehmenskreisen. Das sind keine rosigen Aussichten.

Am Donnerstag präsentiert Siemens im Berliner Gasturbinenwerk die Bilanz für 2012. Die Frage ist, ob das – bereits reduzierte – Ziel eines Ergebnisses von mindestens 5,2 Milliarden Euro erreicht wurde. Finanzchef Joe Kaeser hatte die Erwartungen zuvor gebremst und gesagt, Siemens nähere sich dem Ziel von unten. Viele Analysten sind skeptisch. Doch nach Informationen des Tagesspiegels hat Siemens sein Ziel erreicht und wird von einer "erfreulichen Geschäftsentwicklung" im vierten Quartal berichten.

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Allerdings muss man damit rechnen, dass im Abschlussquartal noch einige Dinge bereinigt werden. So hatte das Unternehmen vor kurzem angekündigt, sich komplett vom Solargeschäft zu trennen. Nur drei Jahre ist es her, dass Siemens für 284 Millionen Euro die israelische Solarthermie-Firma Solel übernahm . Doch im Geschäft mit der Sonnenenergie war der Verlust höher als der Umsatz. Nun zieht Siemens den Schlussstrich – und der Verlust verschwindet wohl aus dem Ergebnis der fortgeführten Geschäfte, die Siemens immer in den Vordergrund stellt. Die Trennung ist umso schmerzlicher, als Vorstandschef Löscher das Ziel vorgegeben hat, aus Siemens einen "grünen Infrastrukturgiganten" zu machen. Wind- und Wasserenergie bleiben aber im Portfolio. Obwohl es auch im Windgeschäft Probleme gibt: Siemens musste bereits 500 Millionen Euro abschreiben, weil die Anbindung von Windparks auf See an das Stromnetz nicht klappt. Dennoch sind Wind und Wasser profitabel. Überhaupt ist das Energiegeschäft der größte und profitabelste der vier Siemens-Bereiche – dank der Gas- und der Dampfturbinen.

Probleme bereiten auch Geschäfte mit dem Iran , die zuletzt ein Volumen von 450 Millionen Euro hatten. Bereits 2010 kündigte Siemens an, sich aus dem Land zurückziehen zu wollen, bestehende Verträge wolle man jedoch erfüllen. Nun hat die EU Mitte Oktober die Sanktionen gegen Iran verschärft, so dass auch hier mit Abschreibungen zu rechnen ist.

Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter fällt die Jahresbilanz düster aus. "2012 war ein schlechtes Jahr", sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Lothar Adler dem Tagesspiegel . "Die rückläufigen Zahlen bei Auftragseingang und Ergebnis haben das Management nervös gemacht." Allerdings sei das ein Jammern auf hohem Niveau, meint Adler. Wenn Siemens die Prognose erfülle, sei das schließlich das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Unternehmens.

So habe das neuerliche Sparprogramm die Arbeitnehmer überrascht. "Schlanker, schneller und agiler" soll Siemens werden, gibt Löscher vor. "Siemens ist kein Restrukturierungsfall", meint Adler. Details des Programms kennt aber auch der Betriebsrat noch nicht. "Wir erfahren hoffentlich bald Genaueres", sagt Adler. Verbesserungsbedarf sieht auch er: "Unsere Prozesse sind zu kompliziert", sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende. "Aber es geht nicht darum, dass wir schlanker werden müssen", sagt er in Richtung Konzernleitung. "Wir müssen schneller werden als die Konkurrenz." Wo es zu Personalanpassungen komme, fordert er Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter, um sie an anderer Stelle wieder einsetzen zu können. "Einen Personalabbau nach der Rasenmäher-Methode wie beim letzten Mal, wird es mit uns nicht geben", betont er. Fünf Hebel, so viel hat Löscher bereits verraten, will das Management ansetzen, um die Profitabilität zu steigern. So sollen unter anderem die Kosten runter, die Produktion muss billiger werden. Auch soll der Vertrieb in den Regionen stärker an die Marktgrößen angepasst werden, was bedeuten kann, dass Siemens in einigen Ländern seine Präsenz verkleinert. Kernaktivitäten stärken ist ein weiteres Ziel, das kann auch heißen, dass sich Siemens von weiteren Geschäften trennt.

"Wir wollen besser sein als die Wettbewerber und nicht im Mittelfeld dümpeln", sagt Löscher. Tatsächlich arbeiten Konkurrenten wie General Electric oder ABB profitabler. Nach dem Ende des letzten Sparprogramms "Fit for 2010", das Löscher 2007 startete, sei Siemens die Sache etwas zu lasch angegangen, sagen Beobachter. Hinzu kommt, dass das Unternehmen die Konjunkturentwicklung zunächst zu positiv einschätzte und in einen Aufschwung investierte, der ausblieb. Immerhin rund 30 000 Stellen hat Siemens in den vergangenen beiden Jahren netto geschaffen.

"Siemens hat zuletzt die Margen aus dem Fokus verloren", sagt auch Analyst Ingo Schachel von der Commerzbank . "Das ist noch nicht dramatisch. Jetzt kommt es aber darauf an, ob die Maßnahmen überzeugen, die Siemens ergreifen will." Im Gegensatz zu 2007, wo es darum ging, die hohen Verwaltungskosten zu reduzieren, müsste diesmal an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden. "Siemens muss insgesamt deutlich effizienter werden", sagt Schachel.

Die Analysten der Investmentbank JP Morgan haben gerechnet und kommen auf eine Summe von vier bis fünf Milliarden Euro, die Siemens bis 2014 einsparen müsste, um in der Performance wieder bei den Besten zu sein. Wie viele Arbeitsplätze wird das diesmal kosten? Es kursieren bereits Zahlen von bis zu 10.000 der weltweit 360.000 Mitarbeiter (ohne Osram ). Dass Löscher Zahlen zum Abbau nennt, ist unwahrscheinlich. Dafür könnte er eine andere spannende Zahl verraten: Die Ergebnisprognose für 2013.

Erschienen auf tagesspiegel.de

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Leserkommentare
    • Chali
    • 05. November 2012 11:21 Uhr

    *LoL*
    You made my day ...

  1. Und wer konsumiert dann und erbrnigt Leistung?

    Dieser unsinnige System müsste eigentlich jedem vernünftigem Menschen zuwider sein. Allerdings ist das logische Denken den meisten Menschen abgewöhnt worden. Der Mensch wurde nur darauf abgerichtet in Geld"werten" zu denken.

    Für wenig Buchgewinn, werden Menschen auf die Straße gesetzt und Arbeitskraft "abgeschafft" - obwohl Menschen "Arbeit" erbringen (+ Maschinen und techn. Fortschritt).

    Aber naja, wenn die Profiteure als Alternative erfolgreich den Sozialismus vor die Nase setzen - kein Wunder. Man fällt immer auf den Unsinn rein.

    Hier die Solarbranche streichen, in China aufbauen. Die "Geschäftsmänner" und deren Unternehmen verdienen Milliarden. Hier setzt man die Menschen auf die Straße und in China lässt man diese selbst für chinesische Verhältnisse die Arbeit schlecht bezahlen. Wer profitiert nur davon?

    2 Leserempfehlungen
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    Und der Staat sichert den Unternehmen durch Sozialausgaben den Gewinn. Die Schuld tragen selbstverständlich die Arbeitslosen und die "Geschenkeverteiler".

    [Und wer konsumiert dann und erbrnigt Leistung?]

    Siemens beschäftigt sicher nicht Menschen, damit sie konsumieren. Un auf die Leistung kann Siemens offensichtlich verzichten, sonst würden die Stellen ja nicht abgebaut werden.

    [Dieser unsinnige System müsste eigentlich jedem vernünftigem Menschen zuwider sein. Allerdings ist das logische Denken den meisten Menschen abgewöhnt worden. ]

    Ich bin ein vernünftiger Mensch und mir ist das System ganz und gar nicht zuwider. Es ist natürlich leichter, den "meisten Menschen" das logische Denken abzusprechen, als das eigene Denken infrage zu stellen. Nach dem Motto: "Ein Geisterfahrer? Hunderte!"

    [Für wenig Buchgewinn, werden Menschen auf die Straße gesetzt und Arbeitskraft "abgeschafft" - obwohl Menschen "Arbeit" erbringen (+ Maschinen und techn. Fortschritt).]

    Natürlich erbringen Menschen Arbeit. Nicht immer aber wird diese Arbeit gebraucht und ist die Arbeit ihr Geld wert. Dann verzichtet man auf diese Arbeit. Das tut Siemens.

    [Hier setzt man die Menschen auf die Straße und in China lässt man diese selbst für chinesische Verhältnisse die Arbeit schlecht bezahlen. Wer profitiert nur davon?]

    Die Chinsen, die sonst keine oder einer schlechteren Arbeit nachgehen müssten (sonst würden sie ja nicht bei Siemens arbeiten), die verbleibenden Deutschen, deren Arbeitspläte sicherer werden, und die Eigner von Siemens profitieren.

  2. Und der Staat sichert den Unternehmen durch Sozialausgaben den Gewinn. Die Schuld tragen selbstverständlich die Arbeitslosen und die "Geschenkeverteiler".

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    • Chali
    • 05. November 2012 11:41 Uhr

    "Deutschland" tut das.

    "Wir"!

    Für unseren Wohlstand müssen wir eben Opfer bringen.

    Denn es sind ja "wir", die in einem erbarmungslosen Wettbewerb stehen und "den Chinesen" bezwingen müssen!
    Und den Inder, der keine einfachen und übersichtlichen Markt zur Verfügung stellen will.

    • Chali
    • 05. November 2012 11:35 Uhr

    vorstellen?

    Anders gefragt:
    Hat das etwas mit der Aussage "Der Markt ist unberechenbar und schwierig" zu tun?

    • Neon
    • 05. November 2012 11:35 Uhr

    Verehrte Damen und Herren.

    Das wird nichts!

    Neon
    London

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    Genau das Gleiche wollte ich auch schreiben !
    (Verdammt !!)
    Wieso behandeln alle "Großkopferten" jedes Problem mit der gleichen Medizin ? Bringen die denen auf der Universität gar nichts anderes bei ? Entlassungen schönen nur die Bilanz, aber haben nach dem 1.Jahr keine Auswirkungen auf das Betriebsergebnis mehr. Anders die Arbeitsgerichtsprozesse und Abfindungszahlungen, die zwar schon zurückgestellt, aber nur reines Buchgeld waren, jetzt in "cash" ausgezahlt werden müssen; die verteilen sich auf mehrere Jahre und versauen das Ergebnis !
    Jeder, der so rechnet, sollte zu seiner Elite-Uni zurückgehen und sich die Studiengebühren erstatten lassen !

    • bernd64
    • 05. November 2012 11:40 Uhr

    Mich würde mal ein Artikel interessieren wo mehr Profit nicht durch Arbeitsplatzabbau sondern neue Technologie erreicht wird.
    Personal einsparen mag kurzfristig die Gewinne steigern auf lange Sicht bedeutet es aber auch nur einen Schritt weiter in der Abwärtsspirale.
    Veraltete Produkte sind zu teuer, werden deshalb billiger, deshalb muss an Lohnkosten gespart werden, die Menschen haben noch weniger Geld, veraltete Produkte ....

    • Chali
    • 05. November 2012 11:41 Uhr

    "Deutschland" tut das.

    "Wir"!

    Für unseren Wohlstand müssen wir eben Opfer bringen.

    Denn es sind ja "wir", die in einem erbarmungslosen Wettbewerb stehen und "den Chinesen" bezwingen müssen!
    Und den Inder, der keine einfachen und übersichtlichen Markt zur Verfügung stellen will.

    Antwort auf "PS:....."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Produzieren von unsinnigen Geräten, die noch in der Funktionalität gravierend eingeschränkt sind? Das Vorproduzieren von Gegenständen, die "möglicherweise" abgesetzt werden können? Schon interessant, dass man Ressourcen für Werbung (auf Papier, mit Energie, Öl) ausgibt, um dem Menschen das Gefühl zu geben, dass er diesen Gegenstand JETZT braucht (und innerhalb von wenigen Wochen in die Ecke legt, um sich ein Jahr später ein etwas "verbessertes" Produkt sich zu kaufen).

    In was wir leben, kann man nicht mit Wohlstand in Einklang gebracht werden. Zum Wohlstand braucht es mehr als einen Flachbildfernseher oder den neusten 3er BMW. Dazu gehört auch das psychische Wohl dazu.

    Wir produzieren mehr, als wir benötigen. Wir haben genug - nur wird es in unsinnige Sachen gesteckt bzw. "investiert".

  3. Das Produzieren von unsinnigen Geräten, die noch in der Funktionalität gravierend eingeschränkt sind? Das Vorproduzieren von Gegenständen, die "möglicherweise" abgesetzt werden können? Schon interessant, dass man Ressourcen für Werbung (auf Papier, mit Energie, Öl) ausgibt, um dem Menschen das Gefühl zu geben, dass er diesen Gegenstand JETZT braucht (und innerhalb von wenigen Wochen in die Ecke legt, um sich ein Jahr später ein etwas "verbessertes" Produkt sich zu kaufen).

    In was wir leben, kann man nicht mit Wohlstand in Einklang gebracht werden. Zum Wohlstand braucht es mehr als einen Flachbildfernseher oder den neusten 3er BMW. Dazu gehört auch das psychische Wohl dazu.

    Wir produzieren mehr, als wir benötigen. Wir haben genug - nur wird es in unsinnige Sachen gesteckt bzw. "investiert".

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Nicht "Der Staat"! "
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    • Chali
    • 05. November 2012 12:06 Uhr

    Ein Begriffs-Ungetüm, das man vor sich her trägt, um Kinde und Wähler zu erschrecken. Unter dem man sich alles mögliche und auch gegenteiliges vorstellen kann und soll.

    Eimiges haben Sie genannt.

    Aber einiges auch nicht.
    Denken Sie am den Begriff "Arbeitsmarkt", wo Menschen nicht nur ihre Arbeiskarft anbieten, sondern auch ihre Lebnesumstände bis hin zum Kinderwunsch anpassen, damit sie als ein (temorär) brauchbares Angebot durchgehen.

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  • Schlagworte Commerzbank | Siemens AG | Siemens AG | Europäische Union | Euro | General Electric
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