Anti-Atomkraft-Szene : Der Revolutionär traut der Revolution nicht
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Der Versandhandel für die Anti-AKW-Szene

Seit dem Ausstieg konzentriert sich ausgestrahlt auf die verbliebenen neun AKWs. Am vergangenen Sonntag organisierte der Verein zusammen mit Greenpeace und Robin Wood Proteste gegen Plutoniumtransporte ins niedersächsische AKW Grohnde. Bis um vier Uhr morgens stand Stay auf der Straße. Selbst in diesen Tagen würden noch neue Bürgerinitiativen gegründet, sagt er. Begeistert erzählt er von einem Landwirt, der mit seinem Trecker quer über den Acker fuhr und Polizeisperren brach, um heimlich näher ans AKW heranzukommen. Die Atomkraftbewegung sei noch lebendig, sagt er. "Sie schafft es nur nicht mehr täglich auf die Seite eins."

Stay läuft in den Gruppenraum. Das Wandregal ist bis zur Decke vollgestopft, es ließe wohl das Herz jedes Profi-Protestlers höherschlagen. "Gasmasken - Geigerzähler", "Tröten und Gummistiefel", "Moderationskoffer" steht auf kleinen Papierzetteln. Stay kommt mit einer kleinen weißen Medizinpackung zurück: " Brokdorf Akut" . Es sind Minzbonbons im Stil einer Jodtablettenpackung, der jüngste Renner zum neuen Themenschwerpunkt "Katastrophenschutz".

Inzwischen ist ausgestrahlt so etwas wie der Quelle-Versand für die AKW-Bewegung. Hier gibt es alles, was der Protestierer braucht: Sticker, Infomaterial, Fahnen. Täglich verschickt die kleine Organisation 20 Pakete, manchmal sind es sogar 150 – und das selbst nach dem Atomausstieg. Vielleicht sagt das auch etwas über das Land aus: Deutschland und die Atomkraft, die Zwei werden wohl keine Freunde mehr werden.

Das Misstrauen in der Bevölkerung ist seine Versicherung

Stay ist sich außerdem sicher: "Die Bevölkerung traut dem Ausstieg nicht." Zuerst habe Schwarz-Gelb den Ausstieg vom Atomausstieg geplant – dann habe die Koalition plötzlich kehrt gemacht. Das Misstrauen, das Stay ausgemacht haben will, ist seine Versicherung. So lange es da ist, hat ausgestrahlt einen Arbeitsauftrag. Bislang findet der Verein Unterstützer, rund 1.400 Menschen spenden regelmäßig und finanzieren damit sechs Festangestellte.

Vielleicht sind es seine Erfahrungen aus den Zeiten in Gorleben, als Stay dort die Proteste gegen das Atommüll-Endlager mit anführte. Vielleicht ist es auch der plötzliche Sinneswandel nach Fukushima: Stay ist ein skeptischer Mann. Auch den Beteuerungen der großen Stromkonzerne, auf Ökostrom umzuschwenken, traut er nicht. Die Industrie wolle doch schließlich weiterhin Milliarden mit ihren abgeschriebenen Meiler machen.

Vielleicht traut Stay auch den Deutschen nicht. Die Debatte über steigende Strompreise und mögliche Blackouts , all das könnte dazu führen, dass doch wieder die Diskussion über billigen Atomstrom losgehe, sagt er. Er ahnt: Wenn es ums Geld geht, könnte der Deutsche auch Grundüberzeugungen über Bord werfen. Für diese Diskussionen will Stay gewappnet sein. Schon jetzt stellt er einen neuen Mitarbeiter ein, um sich auf die Bundestagswahl vorzubereiten. Nichts mehr zu tun? Für Stay undenkbar. "Das Risiko eines Atomunglücks ist immer noch da."

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Kommentare

22 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Der Feind ist noch da u. muß weiter bekämpft werden.

9 AKWs laufen noch u. die Atomwirtschaft mit ihrem Wolfgang Clement von der INSM (Initiative neue soziale Marktwirtschaft) wird weiter alles daran setzen diese länger laufen zu lassen.

Nerven tut mich auch wenn jm behauptet "es wäre egal wo das AKW steht, ob nun in Dtl oder Frankreich. Es trifft uns..."
Das ist Blödsinn! Sowohl in Tschernobyl u. Fukushima haben die Evakuirungszonen einen Radius von ca 30 km.
Bei einem Unfall im Ausland kann man vlt nichts Eßbares im verseuchten Garten ums Haus anbauen, wird aber nicht von seinem Land vertrieben. Im schlimmsten Fall, bei einem Unfall in Fessenheim, wäre Dtl in einem Halbkreis mit 30km Radius betroffen. Weniger o. mehr je nach Wind.
Je schneller u. früher die dt. AKWs also abgeschaltet werden desto sicherer sind wir hier in Dtl.