EnergiewendeWeniger, aber besonders schnelle Stromleitungen geplant

Kritiker fühlen sich bestätigt: Die Bundesnetzagentur hat die Ausbaupläne der Stromnetzbetreiber zusammengestutzt. Statt 74 sind nur noch 51 Trassen extrem nötig. von 

Stromleitungen nahe AKW Unterweser

Stromleitungen nahe AKW Unterweser  |  © Sean Gallup/Getty Images

Umweltverbände hatten die Pläne der Stromnetzbetreiber zum Ausbau der Leitungen schon lange kritisiert. Die Deutsche Umwelthilfe und BUND hielten die Pläne für überzogen – die Planungen verfolgten die Maxime "so viel Netz wie möglich statt so viel Netz wie nötig", kritisierte die Umwelthilfe. Der BUND drängte auf Nachbesserungen.

Der am Montag vorgestellte Netzausbauplan wird daher in ihrem Sinne sein, zumindest teilweise. Die Bundesnetzagentur hat der Bundesregierung einen überarbeiteten Bericht überreicht und die Kritik aufgenommen. Die wichtigste Botschaft: Der Ausbau der Stromautobahnen in Deutschland im Zuge der Energiewende soll kleiner ausfallen als bislang gedacht. Von den ursprünglich 74 als vordringlich eingestuften Bauvorhaben sind nur 51 übriggeblieben. Das reduziert die Trassenneubauten immens. Statt 3.800 Kilometern sind nun nur noch 2.800 Kilometer neue Trassen nötig. Diese sollen aber bereits bis zum Ende des Jahrzehnts fertiggestellt werden.

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Der Stromnetzausbau ist nötig, weil immer mehr Ökostrom an Standorten produziert wird, wo keine Verbraucher sitzen. Gerade Schleswig-Holstein und Niedersachsen planen einen massiven Ausbau der Windenergie an Land und auf See. Dieser Strom muss zu den Verbrauchern in den Süden transportiert werden. Die bisherigen Stromtrassen reichen nicht aus.

Statt vier großer Stromautobahnen, die mit Hochspannungsgleichstromübertragung den Windstrom fast verlustfrei quer durch Deutschland transportieren, hält die Bundesnetzagentur nur drei für extrem nötig. Netzagentur-Präsident Jochen Homann sagte, seine Behörde habe nur die Pläne bestätigt, die "nach strengen Kriterien auch unter den veränderten energiewirtschaftlichen Bedingungen unverzichtbar sind".

Neben dem Neubau von Stromtrassen sollen außerdem rund 2.900 Kilometer bestehender Trassen verstärkt werden. Weitere Projekte könnten in den nächsten Jahren noch hinzukommen.

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber – Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW – hatten im August ihre Pläne für den Ausbau des Stromnetzes vorgelegt. Um Bürger besser einzubinden, folgte eine ausführliche, acht Wochen dauernde Phase zur Beteiligung der Öffentlichkeit. Auf mehreren Veranstaltungen diskutierten Netzbetreiber und Bundesnetzagentur die Pläne öffentlich. Mehr als 3.300 Stellungnahmen gingen bei der Bundesnetzagentur ein, vor allem von Privatpersonen. Die Behörde nahm die Vorschläge auf, arbeitete sie ein und überreichte den Bericht nun an die Bundesregierung.

Jetzt ist Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) am Zuge. Er bezeichnete die finale Fassung des Netzentwicklungsplans als einen "Meilenstein für den Umbau der Energieversorgung". Sein Ministerium will noch im Dezember den Entwurf für ein Bundesbedarfsplangesetz vorlegen. Erst danach werden konkrete Korridore für neue Stromleitungen festgelegt. Und erst dann wird sich zeigen, wie erfolgreich die Bürgerbeteiligung bisher gewesen ist.

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Leserkommentare
  1. Ansonsten war die Energiewende nicht machbar. Mit Stromausfällen und schlimmen Folgen war ansonsten zu rechnen.

    Heute brauchen wir nur noch 2.800 km.

    Vorgestern war die Atomkraft noch unentbehrlich, heute brauchen wir sie nicht mehr.

    So arbeiten eben Experten bzw. Fachleute, die von der Materie, im Gegensatz zu mir, etwas verstehen.

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    • wd
    • 26. November 2012 21:20 Uhr

    Gebaut wurde noch nichts! Vielleicht haben die es jetzt auf das Dringendste reduziert!
    Und zu den AKW: Die sind in der Mehrzahl noch am Netz!
    Schauen Sie einmal auf Schleswig Holstein
    44,9% der Energie 2011 von AKW. Wenn die abgeschaltet werden, dann gehen dort die Lichter aus.
    http://www.statistik-nord...
    Und die wollen in Zukunft Deutschland per Windkraft mit elektrischer Energie versorgen?

    • keibe
    • 26. November 2012 21:14 Uhr

    sind alternativlos (Punkt!).

    • mkli
    • 26. November 2012 21:15 Uhr

    Wenn es schnelle gibt, gibt es dann auch Langsame Stromleitungen? Tolle Überschrift.

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    Klar gibt es schnelle Stromleitungen. Die sind statt mit Einem, mit zwei oder drei Drähten ausgestattet. Wenn der Strom ordnungsgemäss blinkt, darf er auf einem weiter links liegenden Draht überholen. In Deutschland ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

    Uh, ja, das soll Satire sein. Wer Satire nicht mag: die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Stromes ist immer gleich schnell. Knapp 300.000 Kilometer in der Sekunde. Unser Land ist also, je nach Richtung, in 3 - 5 Millisekunden durchquert.

    • wd
    • 26. November 2012 21:20 Uhr

    Gebaut wurde noch nichts! Vielleicht haben die es jetzt auf das Dringendste reduziert!
    Und zu den AKW: Die sind in der Mehrzahl noch am Netz!
    Schauen Sie einmal auf Schleswig Holstein
    44,9% der Energie 2011 von AKW. Wenn die abgeschaltet werden, dann gehen dort die Lichter aus.
    http://www.statistik-nord...
    Und die wollen in Zukunft Deutschland per Windkraft mit elektrischer Energie versorgen?

    • Hadl
    • 26. November 2012 21:39 Uhr

    Wd hat geschrieben
    Und zu den AKW: Die sind in der Mehrzahl noch am Netz!
    Schauen Sie einmal auf Schleswig Holstein
    44,9% der Energie 2011 von AKW. Wenn die abgeschaltet werden, dann gehen dort die Lichter aus.
    http://www.statistik-nord...
    Und die wollen in Zukunft Deutschland per Windkraft mit elektrischer Energie versorgen?

    @Wd
    Sie bringen da was durcheinander. Hier ist die Rede von Schleswig Holstein.
    Deutschland versorgen wollen die 4 Großen mit ihren Offshore Parks 30 Kilometer vor der Küste.

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    • wd
    • 26. November 2012 22:03 Uhr

    Nennenswerte Küsten haben ja nur Schleswig Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Schon das Land Schleswig Holstein ist derzeit noch arg von AKW abhängig.
    Momentan fließt 1,4GW Leistung aus Schweden über Dänemark und Schleswig Holstein nach Deutschland.

  2. zwischen 1970 und 1993 wurden 34.000 km Stromtrassen gebaut. Ohne Diskussionen, ohne finanzielle Probleme.
    Zwei Fragen stellen sich:

    1.) Was ist heute anders als damals?

    2.) Was ist mit den Netzgebühren der letzten 20 Jahre passiert, in denen bekanntermaßen kaum Investitionen getätigt wurden?

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    gehen allerdings noch von viel weniger Netzausbau aus: Nämlich weniger als 2000 km.
    Es ist unnötig Offshore Windkraft auszubauen. Besser man erstellt diese Anlagen dezentral, also auch im Süden. Zudem ist dieser Windstrom auch nicht mal halb so teuer wie vom Meer.

    34000 km neue Leitungen machten für den AKW Ausbau keinerlei Probleme, das ist schon sehr erstaunlich!
    Die Durchleitungskosten sind alleine durch die Liberalisierung gestiegen. Das Netz sollte endlich wieder in staatliche Hand überführt werden.

    • wd
    • 26. November 2012 22:47 Uhr

    in der der Stromverbrauch zunahm. Kühlschränke, Fernseher, Waschmaschinen etc. wurden für den Bürger Allgemeingut und auch die Automatisierung in der Industrie nahm zu. Damals ging man von jährlich 7% mehr Strombedarf aus, der ja auch jahrzehntelang eintraf. Die Netze mussten also ausgebaut werden unabhängig ob die neuen Kraftwerke AKW oder andere Kraftwerke waren.
    Sie sind wahrscheinlich jung und kennen die Entwicklung nicht.
    In meiner Jugend wurde Strom nur für Licht und das Radio benötigt.
    Der Ausbau der Netze hat nichts mit den AKW zu tun. Man hätte auch andere Kraftwerke bauen können.
    Erinnerung: Wenn man z.B. wie früher alle Fernsehsender um 24 Uhr abschaltet und erst um 16 Uhr am nächsten Tag wieder in Betrieb nimmt, dann könnten wir wahrscheinlich viel Energie sparen. Wir hätten dann allerdings einige Arbeitlose mehr.(?)

    ZITAT
    wischen 1970 und 1993 wurden 34.000 km Stromtrassen gebaut. Ohne Diskussionen ...
    Was ist heute anders als damals?

    Das es vielleicht auch nicht unbedingt erstrebenswert ist das ganze Land mit Hochspannungsmasten/leitungen vollzukleistern ?!

  3. Bevor man überhaupt nur einen einzigen Euro an irgendwelchen Planungskosten für eine sog. "Energiewende" investiert, sollte erst einmal sicher gestellt werdern, dass alle ausländischen Atomkraftwerke, die Deutschland gefährlich werden könnten, abgeschalten werden.

    Und wenn man schon eine neue Form der Energieversorgung anstrebt, dann bitte dezentral und ohne monopolistische Strukturen. Allein wenn man das Wort "Trassengebühr" hört, weiß man, worum es eigentlich geht.

    Außerdem bin ich im Falle der Umsetzung gespannt, was passiert, wenn diese wenigen Leitungen vom Norden nach Süden einmal größere Störungen haben oder ggf. sogar ein Anschlag an zentralen Stellen verübt wird. Damit kann man dann ganze Bundesländer abhängen.

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    Warum sollte es bisher Planungskosten für die Energiewende gegeben haben?
    Es gibt gar keinen Plan. Man wendet einfach so vor sich hin.

    Terroristen sind unangenehme Zeitgenossen. Aber blöd sind sie nicht. Deshalb werden sie, statt Sprengstoff an Strommasten zu verbringen, einfach die Wetterkarte studieren. Ein fieses Hoch, wie in diesen Tagen, und schon sind ganze Bundesländer abgehängt. Die werden dann mit Atomstrom aus der Nachbarschaft versorgt. Oder mit reaktivierten Ölkraftwerken.

    Den Zusammenhang könnte die Bundeskanzlerin bestimmt auch verstehen. Vielleicht würde sie dann sogar auf den unnützen Bau gewaltiger Stromtrassen verzichten. Aber sie findet einfach nicht die Zeit, sich die Wetterkarte anzusehen.

  4. gehen allerdings noch von viel weniger Netzausbau aus: Nämlich weniger als 2000 km.
    Es ist unnötig Offshore Windkraft auszubauen. Besser man erstellt diese Anlagen dezentral, also auch im Süden. Zudem ist dieser Windstrom auch nicht mal halb so teuer wie vom Meer.

    34000 km neue Leitungen machten für den AKW Ausbau keinerlei Probleme, das ist schon sehr erstaunlich!
    Die Durchleitungskosten sind alleine durch die Liberalisierung gestiegen. Das Netz sollte endlich wieder in staatliche Hand überführt werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesregierung | FDP | Philipp Rösler | Behörde | Bundesnetzagentur | Bundeswirtschaftsminister
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