Stromleitungen nahe AKW Unterweser © Sean Gallup/Getty Images

Umweltverbände hatten die Pläne der Stromnetzbetreiber zum Ausbau der Leitungen schon lange kritisiert. Die Deutsche Umwelthilfe und BUND hielten die Pläne für überzogen – die Planungen verfolgten die Maxime "so viel Netz wie möglich statt so viel Netz wie nötig", kritisierte die Umwelthilfe. Der BUND drängte auf Nachbesserungen.

Der am Montag vorgestellte Netzausbauplan wird daher in ihrem Sinne sein, zumindest teilweise. Die Bundesnetzagentur hat der Bundesregierung einen überarbeiteten Bericht überreicht und die Kritik aufgenommen. Die wichtigste Botschaft: Der Ausbau der Stromautobahnen in Deutschland im Zuge der Energiewende soll kleiner ausfallen als bislang gedacht. Von den ursprünglich 74 als vordringlich eingestuften Bauvorhaben sind nur 51 übriggeblieben. Das reduziert die Trassenneubauten immens. Statt 3.800 Kilometern sind nun nur noch 2.800 Kilometer neue Trassen nötig. Diese sollen aber bereits bis zum Ende des Jahrzehnts fertiggestellt werden.

Der Stromnetzausbau ist nötig, weil immer mehr Ökostrom an Standorten produziert wird, wo keine Verbraucher sitzen. Gerade Schleswig-Holstein und Niedersachsen planen einen massiven Ausbau der Windenergie an Land und auf See. Dieser Strom muss zu den Verbrauchern in den Süden transportiert werden. Die bisherigen Stromtrassen reichen nicht aus.

Statt vier großer Stromautobahnen, die mit Hochspannungsgleichstromübertragung den Windstrom fast verlustfrei quer durch Deutschland transportieren, hält die Bundesnetzagentur nur drei für extrem nötig. Netzagentur-Präsident Jochen Homann sagte, seine Behörde habe nur die Pläne bestätigt, die "nach strengen Kriterien auch unter den veränderten energiewirtschaftlichen Bedingungen unverzichtbar sind".

Neben dem Neubau von Stromtrassen sollen außerdem rund 2.900 Kilometer bestehender Trassen verstärkt werden. Weitere Projekte könnten in den nächsten Jahren noch hinzukommen.

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber – Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW – hatten im August ihre Pläne für den Ausbau des Stromnetzes vorgelegt. Um Bürger besser einzubinden, folgte eine ausführliche, acht Wochen dauernde Phase zur Beteiligung der Öffentlichkeit. Auf mehreren Veranstaltungen diskutierten Netzbetreiber und Bundesnetzagentur die Pläne öffentlich. Mehr als 3.300 Stellungnahmen gingen bei der Bundesnetzagentur ein, vor allem von Privatpersonen. Die Behörde nahm die Vorschläge auf, arbeitete sie ein und überreichte den Bericht nun an die Bundesregierung.

Jetzt ist Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) am Zuge. Er bezeichnete die finale Fassung des Netzentwicklungsplans als einen "Meilenstein für den Umbau der Energieversorgung". Sein Ministerium will noch im Dezember den Entwurf für ein Bundesbedarfsplangesetz vorlegen. Erst danach werden konkrete Korridore für neue Stromleitungen festgelegt. Und erst dann wird sich zeigen, wie erfolgreich die Bürgerbeteiligung bisher gewesen ist.