Pieter Wolters sieht man an, dass er seine Arbeit liebt. Und seine Tiere. Wolters, 64 Jahre alt, zerzauste weiße Haare, Lachfältchen, stapft über seinen Hof in Bandelow in der Uckermark , einem 200-Seelen-Dorf zwischen Prenzlau und Pasewalk. "Wir Bauern müssen uns richtig einen Kopf machen", sagt er. "Wir leben in einem kleinen Dorf. Wenn wir bloß warten, bis auch der letzte gestorben ist, kommen wir nicht weiter."

Wolters weiß, wovon er spricht. Er kennt die Krise der Region schon lange. 1994 kam er in die Uckermark, schon damals steckte der Landstrich mitten in einem wirtschaftlichen Umbruch, dessen Folgen noch heute zu spüren sind. Wolters stammt aus dem niederländischen Groningen, seine Familie arbeitet seit Generationen in der Milchwirtschaft.

Irgendwann wurde der Hof in den Niederlanden zu klein. Das Leben spülte ihn nach Bandelow, wo er heute mit seinen beiden Söhnen und Schwiegertöchtern seinen Hof betreibt. Eine Erfolgsgeschichte: 40 Mitarbeiter, sechs Millionen Euro Umsatz jährlich. Wolters Geschichte ist ein Hoffnungsschimmer in einer Region, in der viel schief gelaufen ist in den vergangenen Jahren.

Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Überalterung – das sind die Schlagworte, die viele mit der Uckermark verbinden. Man kennt das auch in anderen Regionen Deutschlands. Aber ausgerechnet dem Landkreis, in dem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel aufwuchs, geht es besonders schlecht. Seit Monaten führt die Region die bundesweite Arbeitslosenstatistik an, noch weit vor Bremerhaven, Gelsenkirchen oder Frankfurt an der Oder . 15,5 Prozent der Menschen waren im November ohne Arbeit .

Die Landwirtschaft ist noch immer der wichtigste Zweig

Der größte Arbeitgeber ist der öffentliche Dienst. Ein wenig Industrie – eine Raffinerie, zwei Papierwerke – gibt es in Schwedt an der Oder, mit 30.000 Einwohnern der größten Stadt des Kreises. Ansonsten dominiert in dem Landstrich an der Grenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die Landwirtschaft. Seit einigen Jahren versucht die Kreisverwaltung, der Wirtschaft einen Schub durch die Entwicklung von Erneuerbaren Energien zu geben. Man setzt auf Biogas und Windkraft.

Es ist auch die Wette, die Pieter Wolters eingegangen ist. Der Hof war ihm nicht genug, er wollte mehr. Neben der Käserei betreibt Wolters eine Biogasanlage und Hofläden, in denen er neben eigenem Käse und selbst gemachtem Eis auch die Würste, Säfte und Milchprodukte anderer Landwirte verkauft. Die Bauern haben sich zusammengeschlossen, um regionale Produkte gemeinsam zu vermarkten, bis nach Berlin und Potsdam.

Sein neues Projekt, das Wolters gemeinsam mit zwei anderen Bauern gestartet hat, ist ein Bürgerwindpark aus 15 Windrädern, die auf einem Feld in der Nähe errichtet werden sollen. Rund zwanzig Nachbarn hätten schon eine Beteiligung in Aussicht gestellt, sagt Wolters. Nebenher verhandle man mit einem Investor aus Neubrandenburg.

Mit den Gewinnen will Wolters die dörfliche Infrastruktur instand halten und ausbauen. Auch Schulen und Kindergärten sollen Geld erhalten. "Aus jedem Windrad sollen jährlich 5.000 Euro in eine Stiftung fließen", sagt er. "Das sind 75.000 Euro im Jahr. Über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg kann man damit etwas bewegen."