Finanzminister : Gemeinsam gegen Apples Steuertricks

Internationale Konzerne sparen jedes Jahr Milliarden durch kreative Steuerbuchhaltung. Deutschland und Großbritannien wollen das nicht mehr hinnehmen.
Firmenzentrale von Apple in Cupertino, Kalifornien © Kimihiro Hoshino/AFP/Getty Images

Apples Steuerberater haben ihre Methoden perfektioniert: Im vergangenen Jahr verbuchte der Technologiekonzern außerhalb der USA einen Gewinn von 36,8 Milliarden Dollar – und zahlte darauf nur 1,9 Prozent Steuern. Der Trick: Apple profitiert von niedrigen Steuersätzen in Irland , wo zwei Tochterunternehmen ihren Sitz haben.

Die Tochterfirmen wiederum gehören einer Firma im Steuerparadies British Virgin Islands. Geschickt verschiebt der Konzern seine Milliarden zwischen Irland, der Karibik und den Niederlanden hin und her. Die New York Times , welche die Praktiken im Frühjahr dieses Jahres ausführlich dokumentierte, nannte das Modell Double Irish With a Dutch Sandwich , einen doppelten Iren mit Niederländer-Sandwich.

Ähnlich ist die Lage bei Starbucks . Das Geschäft der Coffeeshop-Kette läuft erfolgreich. Doch in Deutschland hat das Unternehmen Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge seit 2002 keine Ertragssteuern mehr gezahlt. Zwar wies das Unternehmen im vergangenen Jahr in Deutschland einen Umsatz von 117 Millionen Euro aus, aber auch einen Verlust von 5,3 Millionen Euro. Deshalb zahlte es keine Steuern.

Geschicktes Lizenzsystem

Über ein geschicktes Lizenzsystem, angebunden an die Europa-Zentrale in den Niederlanden, schafft Starbucks es offenbar, den steuerrelevanten Gewinn für Deutschland künstlich kleinzurechnen. Starbucks weist Vorwürfe, etwas Illegales zu tun, allerdings zurück. "Wir wollen ein guter Steuerzahler sein und unseren gerechten Anteil Steuern zahlen", sagt eine Sprecherin. "Aber wir schreiben die Steuergesetze nicht. Wir befolgen sie."

Geht es nach dem britischen Finanzminister George Osborne und seinem deutschen Ressortkollegen Wolfgang Schäuble , dann soll mit solchen Steuertricksereien Schluss sein. Auf dem jüngsten G-20-Treffen in Mexiko taten sich die beiden zusammen und riefen zu einer "konzertierten internationalen Zusammenarbeit zur Stärkung internationaler Standards für Unternehmenssteuersysteme" auf. Es ist ein seltener Zusammenschluss, liegen London und Berlin bei Steuerfragen doch bei Weitem nicht immer auf einer Linie.

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

das ist in der tat aergerlich

seit jahren bekannt und fuer (fast) alle zufriedenstellend loesbar.

der vorgeschobene (?) grund der iren ist das sie auf ihre hoheit beim steuerrecht pochen. da spielt angst und patriotismus eine rolle. wenn das thema wieder die runde macht, dauert es nicht lange und die global player sprechen davon ihre niederlassungen abwandern zu lassen.
bloss wohin? der markt in europa schwaechelt zwar maechtig - ist aber letztlich zu gross und bedeutend.
wie waere es mit russland, der tuerkei oder vielleicht norwegen, schweiz oder gar ?
nur zufaellig ist deren amtssprache nicht "englisch".
die firmen koennen sich mehr steuern auf jeden fall leisten.
man muss sie nur eintreiben.

"Die Google-Zentrale in den USA lizenziert ihre wichtigsten Technologien wie die Suchalgorithmen und das System für Kleinanzeigen im Web an die Firma Google Ireland Holdings, der auch die dortige Google-Niederlassung mit rund 2.000 Mitarbeitern gehört. Diese Niederlassung namens Google Ireland Limited generiert 88 Prozent der 12,5 Milliarden US-Dollar, die Google 2009 außerhalb der USA eingenommen hat."

http://news.orf.at/storie...

Keine Mehrwertsteuer

Vor einigen Jahren ist mir bei meiner Umsatzsteuerabrechnung aufgefallen, dass alle Belege vom iTunes-Store keine Mehrwertsteuer ausweisen. All die Apps, Musik, Filme und E-Books, die Apple in Deutschland als Waren verkauft, bringen der Bundesrepublik 0 Euro. Der Trick: iTunes verkauft von Luxemburg aus (Adobe von Irland aus), und man hat sich gütlich mit Luxemburg auf einen angenehmen Mehrwertsteuersatz für die Milliardeneinnahmen aus ganz Europa geeinigt.
Damals war Steinbrück noch Finanzminister, und es lief gerade die Indinanerattacke gegen die Schweiz. Auf meine Anfrage erhielt ich von seiner Presseabteilung die Antwort, all das geschehe nach europäischem Recht. Die BRD sei machtlos.