Wie geht es weiter in der amerikanischen Klima- und Energiepolitik? Innenpolitisch ist die Wiederwahl Obamas von Vertretern der Erneuerbaren gefeiert worden. Sein Widersacher Romney war für sie mit seiner Forderung "Drill, Baby, Drill!" und seiner Kampfansage an staatliche Unterstützung sauberer Energieträger (bei gleichzeitig fortgesetzter Subventionierung der Fossilen, versteht sich) zum großen Schreckgespenst geworden.

Dass Obama zumindest die Förderung von Gas, Wind, Sonne und Biokraftstoffen in der zweiten Amtszeit fortsetzen würde, war schon seit Längerem klar. Ebenso klar war, dass mit der Ankündigung der amerikanischen Umweltbehörde EPA, Höchstemissionsgrenzen für Kraftwerke festzulegen, die Hintertür für Kohleproduzenten wohl bis auf Weiteres zugeschlagen ist.

Dann kam der Supersturm Sandy, der wenige Wochen vor der Wahl weite Teile der amerikanischen Ostküste verwüstete. Plötzlich wurde Klima zum Ende des Wahlkampfes doch noch ein Thema. Der populäre, parteiunabhängige Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, schlug sich plötzlich und unerwartet auf die Seite Obamas. Er, Bloomberg, traue es dem Präsidenten eher zu, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Selbst Republikaner lobten Obamas Krisenmanagement

Republikanische Gouverneure lobten das Krisenmanagement des Präsidenten. Dann gewann Obama die Wahl. Nicht hauptsächlich wegen Sandy oder der Wirbelstürme, der Jahrhundertdürren, der Waldbrände und Überschwemmungen, die das Land in der jüngsten Vergangenheit heimsuchten. Vielleicht aber doch zumindest ein bisschen.

So hoffen wir nun alle, dass der Präsident die Klima- und Energiepolitik zu einem Kernthema seiner zweiten Amtszeit macht. Denn auch wenn die Kohlendioxidemissionen um 14 Prozent gegenüber dem Höchststand im Jahr 2007 gefallen sind und nur mehr zwei Prozent über dem Niveau von 1990 liegen – es ist noch viel Luft nach oben.

Die USA liegen noch immer neun Prozent über ihren einstigen nationalen Verpflichtungen im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Und sie sind von denen der EU oder Deutschland vergleichbaren verbindlichen Zielen bis 2020 und darüber hinaus noch weit entfernt.

Obama könnte der erste Präsident werden, der sich der amerikanischen Verantwortung im Klimaschutz stellt – daheim und auf internationalem Parkett. Zwischen seinen Errungenschaften zu Hause und seinem internationalen Engagement klafft eine riesige Lücke. Wenn Obama sie schließt, macht der Friedensnobelpreisträger auch mit Greenpeace seinen Frieden.