Wenn die Vertreter der Troika an diesem Freitag nach Nikosia reisen, stehen sie unter Zeitdruck. Die EU-Kommission , die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds ( IWF ) sind gekommen, um mit Zypern über Hilfskredite zu verhandeln. Diese müssten bis zum Dezember fließen. Andernfalls könnte die Regierung der Inselrepublik schon bald Schwierigkeiten bekommen, Gehälter und Renten zu zahlen.

Im Juni hatte Zypern als fünftes Land der Euro-Zone in Brüssel einen Antrag auf Finanzhilfen gestellt. Nun wird der Antrag konkret verhandelt. Dass die Troika überhaupt anrücken muss, hat in erster Linie mit den beiden größten zyprischen Banken zu tun. Beide sind mit Milliardenkrediten in Griechenland engagiert und mussten zuletzt große Verluste hinnehmen. Außerdem verloren sie rund vier Milliarden Euro beim griechischen Schuldenschnitt .

Zugleich aber hat auch die unbedachte Ausgabenpolitik der Regierung des kommunistischen Staatschefs Dimitris Christofias die Misere verursacht. Christofias hat in den vergangenen Jahren vor allem die Staatsbediensteten mit immer neuen Sozialleistungen überhäuft. Das ruinierte die Finanzen des Landes, das bei seinem Beitritt zur Währungsunion im Jahr 2008 noch als vorbildlich galt.

Die zyprischen Banken sollen jetzt mit Hilfsgeld der Euro-Staaten und des IWF rekapitalisiert werden. Rund 15 Milliarden Euro werden dafür nötig sein, schätzt der IWF. Die EU-Kommission geht von einem Bedarf von neun bis elf Milliarden aus. Das sind keine riesigen Summen, verglichen etwa mit den 240 Milliarden Euro, die Griechenland bereits versprochen wurden. Aus zyprischer Sicht geht es allerdings um viel Geld: Die Hilfskredite würden rund 60 bis 100 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung entsprechen. Aus eigener Kraft könnte die Insel die Banken-Rekapitalisierung also niemals stemmen.

Die Troika-Experten hatten sich bereits im Sommer in Nikosia ein Bild von der Finanzlage Zyperns gemacht. Sie sei weitaus ernster als zunächst angenommen, hieß es damals. Danach reiste die Troika ab. Auf Beamtenebene wurden die Gespräche zwar fortgesetzt, sie verliefen aber schleppend.

Noch will die Regierung sich den Sparwünschen nicht beugen

Das liegt auch an der Regierung in Nikosia, die sich bislang gegen die Spar- und Reformauflagen der Troika sträubt. Vor allem den aufgeblähten Staatsapparat will der Altkommunist Christofias, der zu Sowjetzeiten in Moskau geschult wurde, nicht antasten. Das Heer der Staatsdiener, die viel besser verdienen als in der Privatwirtschaft und die höchsten Pensionen kassieren, ohne selbst in die Rentenkasse einzahlen zu müssen, ist die treueste Klientel der "Aufbaupartei des werktätigen Volkes", als deren Generalsekretär Christofias 2008 zum Präsidenten gewählt wurde. Die von der Troika geforderten Privatisierungen lehnt Christofias ebenso strikt ab wie eine Erhöhung der nur zehnprozentigen Körperschaftssteuer, mit der die Insel zur Steueroase wurde.

Nicht nur Wolfgang Schäuble , auch anderen Euro-Finanzministern ist der niedrige Steuersatz auf Zypern ein Ärgernis. Politisch wird die Rettungsaktion noch heikler, seit das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel diese Woche aus einem Bericht des Bundesnachrichtendienstes zitierte , wonach russische Oligarchen bei zyprischen Banken rund 26 Milliarden Dollar gebunkert haben sollen. Ob es sich dabei durchweg um ehrlich verdientes und ordentlich versteuertes Geld handelt, ist fraglich. Dass europäische Steuerzahler nun mit Hilfskrediten russisches Schwarzgeld in Zypern absichern sollen, ist politisch nicht leicht zu begründen.