Arbeitsmarkt : Studie stützt die Befürworter von Mindestlöhnen

Vernichten Mindestlöhne Arbeitsplätze? Ökonomen haben acht Branchen in Deutschland untersucht, in denen Mindestlöhne gelten – und dafür keinen Beleg gefunden.
Viele Beschäftigte in der Gebäudereinigungsbranche arbeiten in Minijobs. Dort werden besonders oft Niedriglöhne gezahlt. © picture alliance / dpa

Mindestlöhne führen nicht zu mehr Arbeitslosigkeit – vorausgesetzt, sie werden vorsichtig eingeführt. Das ist die Botschaft einer neuen Studie, die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung entstanden ist. Mindestlöhne dürfen demnach nicht zu niedrig sein, sie sollten sich zwischen ungelernten Arbeitskräften und Facharbeitern unterscheiden, und ihre Umsetzung muss strengen Kontrollen unterliegen.

Wissenschaftler vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen haben für die Studie die Effekte von Mindestlöhnen in acht Branchen in Deutschland untersucht, in denen es bereits Mindestlöhne gibt. Ihre Analyse stützt sich auf sechs Evaluationen verschiedener Forschungsinstitute. Die Forscher fanden keinen Beleg dafür, dass Mindestlöhne am Arbeitsmarkt Schaden anrichten. Die untersuchten Daten ließen in keiner der Branchen negative Effekte auf die Arbeitslosigkeit oder den Wettbewerb erkennen.

Die Spannweite der untersuchten Branchen-Mindestlöhne reicht von sieben Euro bei Wäschereien und Wachdiensten bis zu 13,40 Euro für Fachwerker im westdeutschen Bauhauptgewerbe. Die Tarife lagen laut IAQ fast alle deutlich über den politischen Forderungen für einen allgemeinen, gesetzlichen Mindestlohn, wie ihn etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert.

Die Wissenschaftler kommen außerdem zu dem Schluss, dass die Mindestlöhne nicht nur die Lohnuntergrenze, sondern auch die Lohnstruktur verändern. In den meisten Branchen seien bisher nur die unteren Einkommen überdurchschnittlich angehoben worden. Das zeigte sich vor allem in Ostdeutschland, wo die Lohnuntergrenze häufig zum geltenden Tarif für alle Arbeitnehmer wurde.

Das Institut rät darum zu einem eigenen Mindestlohn für Facharbeiter, wie es in einigen Branchen bereits üblich sei. Um Missbrauch zu verhindern, müsse außerdem über effektive Kontrollmechanismen nachgedacht werden. "Der Staat sollte das Vereinbaren von Mindestlöhnen weiter fördern sowie durch schnelle und zuverlässige Genehmigungsverfahren stabilisieren", sagte die IAQ-Forscherin Claudia Weinkopf.

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Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Studien über Studien

Als Information zu dieser Studie fände ich interessant, wer finanziell an der Studie beteiligt war. Eine Rot-Grüne Landesregierungs z.B. als Auftragsgeber würde doch irgendwie die Aussage"Kraft" dieser Studie schmälern.

Das was die Studie ebenfalls sagt und Zeigt ist, dass eben kein Flächendeckender, einheitlicher Mindestlohntarif gelten sollte sondern je nach Branche und nach Qualifikation der Arbeitnehmer der Mindestlohn angepasst und ausgehandelt werden sollte.

Für genau dies Art von Mindestlohn, nämlich den Branchenspezifischen, gibt es aber schon ein gesetzliches Gerüst, so dass eine Nachbesserung an dieser Stelle garnicht notwendig ist. Die Gewerkschaften sind hier in der Pflicht für ihre Branchen einen solchen Mindestlohn zu erstreiten. Nicht etwa die Parteien die sich in einem Überbietungswettbewerb vor wahlen dem Wähler anbiedern wollen.

Mindestlöhne?

volkswirschaftlich wichtig, da an Stelle von staatlicher Umverteilung (z.B durch Vermögenssteuer) geht das Geld direkt an die Leute, die es brauchen

Das leistet ein bedignungsloses Grundeinkommen besser, denn es geht an alle, nicht nur an Arbeitnehmer, und es belastet die Unternhemen nicht.

steuerrechtlich sinnvoll, denn wer subventiniert eigentlich netto die ganzen Niedriglöhner die beim Amt mit Steuergelder augestocken nüssen

Wie sich die Zeiten ändern. Damals, im Wahlkampf Rau gegen Kohl, war es die Position der SPD, dass es besser sei, Arbeit zu subventionieren statt Arbeitslosigkeit.

wettbewerbsrechtlich überfällig, da Firmen die hohe Löhne zahlen damit ihre Konkurrenz, die Niedriglöhne zahlt, auch noch quersubventionieren

Auch das schafft das bedingungslose Grundeinkommen besser.

Aber natürlich!

Die Fritz-Ebert-Stiftung ist eine parteinahe Stiftung, die leitenden Professoren des Instituts für Arbeit und Qualifikation (Prof. Brosch, PD Brussig, Dr. Haipeter usw.) sind parteilich gebunden. Man rate mal, welche das immer ist?
Ich erwarte eine ausgesprochen sachliche, in der Untersuchung ausgewogene Studie!
PS.: Sogar das in dieser Studie erzielte Ergebnis, dass Mindestlöhne nicht schaden, muss dann von der ZEIT-online-Redakteurin noch im Titel aufgehübscht werden!

Die Diskussion über Mindestlöhne übersieht immer wieder,

dass es neben der Lohn-Preisbildung (Arbeitslohn = Preis für zur Verfügung gestellte Arbeitskraft, bzw. dessen Ergebnis), die "der Markt" regelt (Angebot/Nachfrage, gilt sowohl für Geringbezahlte ("... wenn dir der Lohn nicht passt: Da draußen stehen 3 Arbeitslose, die deinen Job gerne machen!") wie für Topverdiener ("Wir müssen im Zeitalter der Globalisierung Managern diese Gehälter zahlen, sonst finden wir keinen!") auch einen Preis für Arbeit gibt, der auf einem gesellschaftlichen Konsens beruht. Warum schätzen wir eigentlich die Arbeit einer Friseurin, Krankenschwester, Pflegekraft, eines Erziehers so gering, während wir dem Chefarzt, Versicherungsvertreter, bekannten Starmodel, Künstler und dem Vorstandschef Summen zubilligen, die weder in einem vernünftigen Verhältnis zu deren Leistung noch zum Niveau der "gemeinen Arbeitsbiene" stehen?

Abgesehen v. d. Tatsache, dass es den Menschen, die richtig viel Geld bekommen, (nur) dadurch auch nicht wirklich besser zu gehen scheint (schauen wir uns die Suppereichen an: Wirklich glücklich scheinen die nicht zu sein, sie trösten sich eher damit, dass es ein angenehmer ist, in einem Rolls-Royce unglücklich zu sein, als in der U-Bahn, siehe Drogen, zerrüttete Familien, Exzesse & Co.).

Würde sich die Gesellschaft einmal neu kalibrieren, welche Wertschätzung welcher Job wirklich verdient, würde sich einiger ändern! Also auch: Topmanager als Dienstleister ihres Unternehmens, die ohne die Schar an Arbeitern genau 0 bewegen würden...