WirtschaftskriseÄgypten wehrt sich gegen den Währungsverfall

Weniger Touristen, abgeschreckte Investoren: Ägyptens Wirtschaft leidet unter der politischen Instabilität. Nun will die Notenbank mit Devisenauktionen Zeit gewinnen. von dpa und reuters

Proteste in Kairo: Die politische Instabilität in Ägypten belastet die Wirtschaft.

Proteste in Kairo: Die politische Instabilität in Ägypten belastet die Wirtschaft.  |  ©REUTERS/Asmaa Waguih

Ägyptens Notenbank kämpft mit neuen Maßnahmen gegen einen drastischen Währungsverfall. Sie kündigte an, knapp 75 Millionen US-Dollar versteigern zu wollen. Weitere Devisenauktionen sollen folgen. Auf diese Weise will die Zentralbank das ägyptische Pfund stärken.

Wegen der politisch instabilen Lage bleiben sowohl Touristen als auch ausländische Investoren aus. Das hat dramatische Folgen für die Wirtschaft in Ägypten. Erst in dieser Woche wurde das Land von der Rating-Agentur Standard & Poor's herabgestuft. Das ägyptische Pfund fiel jüngst im Vergleich zum US-Dollar auf den niedrigsten Wert seit acht Jahren.

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Zuletzt hatten immer mehr Ägypter die einheimische Währung in Devisen getauscht – aus Angst, dass die Regierung das Pfund abwertet oder Kapitalkontrollen einführt. Inzwischen dürfen Unternehmen maximal nur noch 30.000 Dollar in bar pro Tag abheben.

Banker begrüßten die neuen Währungsmaßnahmen und sagten, dass es "zum ersten Mal einen wirklich freien Markt gibt". Das ägyptische Pfund werde Angebot und Nachfrage besser widerspiegeln. Das neue System soll neben dem weiter bestehenden Interbanken-Devisenhandel existieren.

Ägypten hat kaum noch Devisenreserven

Allerdings bleibt der Notenbank nicht mehr viel Spielraum: Ihre Reserven sind seit dem Sturz von Hosni Mubarak vor knapp zwei Jahren um 20 Milliarden Dollar auf nur noch 15 Milliarden Dollar geschrumpft. Am Samstag sendete die Notenbank einen Notruf: Die Währungsreserven seien auf ein "kritisches Niveau" gefallen.

Die Devisenauktion sei eine "letzte Verteidigungslinie gegen die unkontrollierte Abwertung des Pfundes", sagte ein Analyst der Investmentbank EFG-Hermes der Nachrichtenagentur Bloomberg . Die Notenbank wolle damit Zeit gewinnen für kommende Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds ( IWF ).

Mursi verspricht Aufschwung

Ägypten hatte beim IWF einen Hilfskredit über 4,8 Milliarden Dollar beantragt. Die Gespräche dazu könnten nach Ansicht von Ministerpräsident Hischam Kandil im Januar wieder aufgenommen werden. Der IWF hatte bereits im November die Hilfszahlung genehmigt, dann jedoch wegen einer Reihe von Steuererhöhungen wieder gestoppt. Anschließend waren die Verhandlungen wegen der Massenproteste gegen Präsident Mohammed Mursi vertagt worden.

In einer Fernsehansprache am Samstag hatte Mursi einen Wirtschaftsaufschwung versprochen. Er sagte, dass er die Armut bekämpfen und allein in der Industrie 20.000 Arbeitsplätze schaffen wolle. Der Präsident gab zudem an, dass sich die Zahlen im vergangenen Quartal verbessert hätten.

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Leserkommentare
  1. Die vergangenen Monate und die politischen Unruhen haben weiter dazu beigetragen, dass die ägyptische Wirtschaft in einen dramatischen Zustand gerutscht ist. Die Auswirkungen auf die Bevölkerung des Landes sind beängstigend. Es ist nicht zu erwarten, dass Ägypten – unabhängig von allen denkbaren politischen Entwicklungen – es auf absehbare Zeit aus eigener Kraft schaffen wird, diese Situation substanziell zu verbessern. Ganz im Gegenteil: Es besteht die Gefahr, dass die prekäre wirtschaftliche Situation den extremen politischen Kräften des Landes in die Hände spielt.
    [...]

    Gekürzt. Bitte nutzen Sie den Kommentarbereich nicht für Eigenwerbung. Die Redaktion/mak

    4 Leserempfehlungen
  2. ... und retten lassen !

    Bessere Rezepte für die Währungen der Mittelanrainer sind nicht bekannt. Und dieses Rezept ist, beim Schäuble ! , bestens erprobt.

    5 Leserempfehlungen
  3. 3. Allah

    schafft keine Jobs! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

    14 Leserempfehlungen
  4. die diese Revolution unterstützt haben, sollten jetzt spenden oder besser, put your money where your mouth was.

    Das war alles vorhersehbar, ein Volk wurde in den Abgrund gestürzt und das wird nicht das Ende sein, der Nährboden für einen radikalen Islam in Ägypten wird gelegt, denn wer nichts zu verlieren hat, ist empfänglich für solche Ideen. Kollege war letze Woche dort, sagte Stromausfälle, spontane Hotelschliessungen und reduziertes Essensangebot in den Hotels, sind kein gutes Zeichen.

    6 Leserempfehlungen
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    • Medley
    • 10. Januar 2013 3:34 Uhr

    "Das war alles vorhersehbar, ein Volk wurde in den Abgrund gestürzt und das wird nicht das Ende sein, der Nährboden für einen radikalen Islam in Ägypten wird gelegt..."

    Wie? Geht's denn noch radikal islamischer, als dass, was die Moslembrüder wollen??? Al Kaida ist ein Spross dieser nun fast 100 Jahre alten Bewegung. Mal bitte nicht vergessen.

    • Ramses2
    • 30. Dezember 2012 22:25 Uhr

    Ich lebe seit 1,5 Jahren in Luxor und versuche vergeblich eine Geschäftslizenz zu erwerben ( ohne ägyptischen Teilhaber ) . Ich war bereit 50000 $`zu investieren und somit einigen Händlern in Luxor ein geregeltes Einkommen zu sichern und auch neue Arbeitsplätze zu schaffen . Wie gesagt vergeblich ; nachdem ich mit dem hiesigen Governeur und auch mit dem ägyptischen Minister für Turismus mehrmals in Kontakt stand hat sich bis heute nichts daran geändert , daß ich zwar viel Geld für die Lizenz ausgegeben habe , aber kein Schriftstück in der Hand halte . Mursi hat allen Ernstes erklärt , daß er alles Nötige in die Wege leiten möchte , um mehr Investoren in`s Land zu holen . Dazu kann ich nur sagen :
    - ab Januar erhöhen sich die Strompreise um 50%
    - mitlerweile haben wir täglich Stromausfall von bis zu 1 h
    - regelmäßig wird das Wasser abgestellt
    - Internet wird zeitweise gesperrt ( über Router )
    in den nächsten Wochen ist mit weiteren Steuererhöhungen , wegfall von Subventionen ( Benzin und Brot ) sowie mit Engpässen in der Gasversorgung zu rechnen .
    Soviel zum Thema Ägypten als Land für Investoren .
    Ich selbst bekomme mit , wie viele Leute in meiner Umgebung jetzt schon Lebensmittel und Devisen bunkern und sich sogar mit dem Gedanken befassen , ihrem Heimatland den Rücken zu kehren .
    Es ist einfach nur entäuschend , wie hier mit der Bevölkerung umgegangen wird . Diejenigen die am Wenigsten damit zu tun haben , sind die leidtragenden .
    DANKE MURSI !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    11 Leserempfehlungen
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    Ich habe keine Übersicht der Dinge vor Ort, wie sie und sehe das ganze vermutlich nur aus der Perspektive von Außen, aber: Sind sie sicher, dass das von ihnen beschriebene Mursis Schuld ist? Immerhin ist der erst seid Juni, also 6 Monaten im Amt und ich vermute mal, sie schlagen sich mit den ganzen Problemen seid über einem Jahr herum.

    Davor hatte das Land den Sturz Mubaraks, ein Jahr Militärregierung, die Wahl des Ober- und Unterhauses und des Präsidenten bis Mai/Juni und danach Machtkämpfe zwischen Mursi, Militärrat und dem Verfassungsgericht, das grösstenteils aus Richtern des alten Regimes besteht, hinter sich. Die eigentliche Regierungsarbeit beginnt doch erst jetzt. Nur weil ein Paar Leute im "demokratischen Westen" damit nicht zufrieden sind, was Ägypter gewählt haben, muss es nicht heißen. Die Wahlen finden in Ägypten statt, und nicht irgendwo in Europa!

    • Ramses2
    • 31. Dezember 2012 10:46 Uhr

    Aber was hat die Regierung bis jetzt für das Volk getan ?
    Die Regierung ist mit innerer Zerrissenheit beschäftigt , das Bündnis mit den Salafisten droht zu brechen ( weil den Salafisten die Muslimbrüder nicht hart genug erscheinen ).... Die Leute ( in Luxor ) haben kein Einkommen , die Hotels sind leer , ausstehende Zahlungen können nicht geleistet werden ( von den 364 Nilkreuzfahrtschiffen stehen 200 zum Verkauf ) ...... und durch die jetzige Politik riskiert Mursi eine Hungerrevolte . wenn er nicht einlenkt und das Land zum Frieden bewegt , wird die nächste Revolution viel schlimmer ! Was die leute hier wollen ist nur Arbeit und Essen ; mehr wollen sie nicht . Sicher hat er ( Mursi ) sich noch um die Altlasten zu kümmern , aber an erster Stelle sollte das Volk und somit die Sicherung der Wirtschaft stehen . Meiner meinung nach ist Politik eine Sache des Kopfes und Religion eine des Herzens ; Um ein Problem zu lösen kann man nur den einen oder anderen Weg gehen ..........

    • Medley
    • 10. Januar 2013 3:56 Uhr

    "..hat sich bis heute nichts daran geändert , daß ich zwar viel Geld für die Lizenz ausgegeben habe , aber kein Schriftstück in der Hand halte."

    Vieleicht fehlt ihnen da ja ganz einfach die interkulturelle Konpetenz? Mein ich jetzt gänzlich ohne Ironie oder Sarkasmus! Ägypten ist nicht Finnland oder Norwegen oder Canada oder Neuseeland. Das ist ein Entwicklungsland, in dem Beamten wenig bis garnichts verdienen. Ich mutmaße mal, daß der Herr, bei dem Sie den Antrag auf eine Lizenz eingereicht hatten, nachmittags noch mit seinem Familienkamel raus muss, um vor ägyptischen Sehenswürdigeiten Touristen auf dem Rücken seines Wüstenschiffes hin und her gondeln zu lassen, um die die paar ägyptischen Pfund dazu zu verdienen, die er noch benötigt, um seine 16zehnköpfige Familie(Frau, 9 Kinder, Eltern plus Schwiegereltern, plus zwei Cousins) durchzufüttern. Warum haben sie es dann insofern nicht mit "Felakis", also mit Backschisch versucht? Glauben sie denn allen Ernstes, sie kommen in Ägypten ohne Korruption groß weiter? Dort laufen Dinge idR. doch nur dann rund, wenn man sie gut ölt und schmiert. Comprende?

  5. Ich fürchte aus eigener Kraft wird dieses Volk nicht aus dem Schlamassel rauskommen. (Es sei denn sie richten es sich ein, im Schlamassel).

    Erst wenn Ägypten sehr billig aufzukaufen ist, werden die Investoren hier zuschlagen.

    Bis dahin läßt sich auch mit dem dortigen Schlamassel bei uns viel Geld verdienen.

    gms

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    • Medley
    • 10. Januar 2013 4:01 Uhr

    "Bis dahin läßt sich auch mit dem dortigen Schlamassel bei uns viel Geld verdienen."

    Aha. Zum Beipiel?

  6. Eine Tragödie sondergleichen bahnt sich an. In Ägypten hat sich im Windschatten des lukrativen Tourismus die Bevölkerung erheblich vermehrt. Leider wuchsen Landwirtschaft, Bildung und Industrie nicht ebenso rasant, weshalb es nun, nach dem Wegfall des Tourismus, zu einer humanitären Katastrophe kommen könnte. Eine rasante Verarmung findet statt. Es wird nun an den Islamisten sein, die sozialen Verwerfungen nieder zu knüppeln, es sei denn, die alten Mubarak-Seilschaften im Militär verweigern massenhaft den Befehl. Dann wird es zum Bürgerkrieg kommen und es wird mal wieder die NATO sein, die dann nach dem Rechten sehen muss. Syrien wird dagegen ein Kindergeburtstag gewesen sein.

    Eine Leserempfehlung
  7. Ich habe keine Übersicht der Dinge vor Ort, wie sie und sehe das ganze vermutlich nur aus der Perspektive von Außen, aber: Sind sie sicher, dass das von ihnen beschriebene Mursis Schuld ist? Immerhin ist der erst seid Juni, also 6 Monaten im Amt und ich vermute mal, sie schlagen sich mit den ganzen Problemen seid über einem Jahr herum.

    Davor hatte das Land den Sturz Mubaraks, ein Jahr Militärregierung, die Wahl des Ober- und Unterhauses und des Präsidenten bis Mai/Juni und danach Machtkämpfe zwischen Mursi, Militärrat und dem Verfassungsgericht, das grösstenteils aus Richtern des alten Regimes besteht, hinter sich. Die eigentliche Regierungsarbeit beginnt doch erst jetzt. Nur weil ein Paar Leute im "demokratischen Westen" damit nicht zufrieden sind, was Ägypter gewählt haben, muss es nicht heißen. Die Wahlen finden in Ägypten statt, und nicht irgendwo in Europa!

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    Erst einmal wird die aktuelle Regierung sehr viele Posten nach und nach mit eigenen Anhängern versorgen. Letzteres ist in Deutschland auch nicht anders und politische Normalität:
    http://www.zeit.de/politi...

    In Ägypten wird es jedoch tragisch, das immer mehr Pöstchen von Personen besetzt werden, die von der Materie keine wirkliche Ahnung haben. Auch werden die "Clans" der alten Form langfristig durch neue "Clans" ersetzt werden. Ein Fortschritt ist das allerdings nicht. Nur die Mützenfarbe ändert sich.

    Ägypten schleppt auch alte Probleme mit sich herum, die lange nicht gelöst sind: Korruption, Überbevölkerung, Bildungsarmut, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit.

    Die politisch religiöse Orientierung in Richtung Muslimbrüder erbt viele alte Probleme und ist gehandicapt im Umgang mit Überbevölkerung, Bildung, Minderheitenrechte und gesellschaftliche Gleichstellung von Frau & Mann.

    Die neue Gemengelage ist halt problematisch. Es bringt aber auch nichts in Letargie zu verfallen; jeder der Probleme mit lösen kann, muss halt mit anpacken. Pragmatisches Denken ist gefragt, um Lösungsansätze zu finden.

    Die Erkenntnis, dass doch besser Staat und Religion zu trennen sind, wird sich nicht über Nacht einstellen. Es benötigt sehr viele Jahre.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, rav
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Wirtschaftskrise | Ägypten | Internationaler Währungsfonds | Armut | Bloomberg
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