SozialleistungenImmer mehr ältere Arbeitslose rutschen in Hartz IV ab

Ältere Arbeitslose haben nur geringe Chancen auf einen neuen Job: Immer mehr Deutsche über 55 bekommen Hartz IV. Zugleich nimmt die Zahl der "Aufstocker" weiter zu. von dpa

Besucher im Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach stehen für eine warme Mahlzeit an.

Besucher im Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach stehen für eine warme Mahlzeit an.  |  ©Oliver Berg/dpa

Ältere Arbeitslose finden in immer größerer Zahl keine neue Stelle – und oft müssen sie dann von Hartz IV leben . Einem Bericht der Saarbrücker Zeitung zufolge waren im November rund 291.000 arbeitslose Hartz-IV-Empfänger über 55 Jahre registriert. Das waren 40.000 mehr als ein Jahr zuvor. Dies entspricht einem Zuwachs von 16 Prozent. Die Zeitung beruft sich auf Angaben der Bundesagentur für Arbeit.

Demnach ist auch die Zahl der über 55 Jahre alten Arbeitslosen binnen eines Jahres gestiegen, und zwar um 3,8 Prozent auf 534.000. Dagegen hat sich die Arbeitslosigkeit insgesamt im Vorjahresvergleich nur um 1,4 Prozent erhöht. Eine Sprecherin der Bundesagentur machte dafür zum einen demografische Gründe verantwortlich: "So wie die Belegschaften in den Betrieben altern, so altern auch die Arbeitslosen." Zum anderen sei es aber auch eine Tatsache, dass der Arbeitsmarkt für Ältere sehr schwierig sei. Ältere Arbeitslose hätten schlechtere Chancen, wieder Arbeit zu finden.

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Die Linken-Sozialpolitikerin Sabine Zimmermann kritisierte, das tatsächliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit von Älteren werde durch die gesetzlichen Statistik-Vorgaben kaschiert. So würden fast 118.000 arbeitslose Hartz-IV-Empfänger im Alter von über 58 Jahren nicht mehr gezählt, weil sie von den Jobcentern ein Jahr lang kein Arbeitsangebot bekommen hätten.

"Aufstocker" kosten mehr als zehn Milliarden Euro

Die Linke kritisiert zudem die wachsende Zahl von Geringverdienern , die auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Nach einer Antwort des Arbeitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Partei haben 2011 mehr als 1,21 Millionen Niedrigverdiener zusätzlich zu ihrem Einkommen Hartz-IV-Leistungen bekommen. Wie die Passauer Neue Presse berichtet, wurden an die sogenannten Aufstocker 10,73 Milliarden Euro ausgezahlt. Der Parteichef der Linken, Bernd Riexinger , sagte: "Da werden Milliarden verpulvert, um Hungerlöhne aufzufüllen."

Seit dem Start von Hartz IV im Jahr 2005 seien bereits mehr als 70 Milliarden für Aufstocker ausgegeben worden. Die bisher höchste Aufstockungssumme wurde im Jahr 2010 ausgezahlt: 11,4 Milliarden Euro an 1,23 Millionen Haushalte.

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Leserkommentare
  1. denn ich denke das ich nicht zuuuu blauaeugig bin und annehme das der Grossteil dieser Personengruppe ungewollt in die Langzeitarbeitslosigkeit geschliddert sind, wie meine Mutter zum Beispiel. Bis sie Ihre wohlverdiente aber sehr kleine Rente bekam musste Sie sich mit Hartz IV ueber Wasser halten und das war nicht immer leicht. Sie hat Ihr ganzes Leben lang gearbeitet ist dann unbeteiligt in die Arbeitslosigkeit gekommen. Mit 58 war Sie natuerlich unvermittelbar und hat sich dann mit einem Minijob noch ein wenig dazuverdient...ungerecht was der Staat mit Menschen macht die Ihr ganzes Leben lang gekrueckt haben...

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    Sie Schreiben:"ungerecht was der Staat mit Menschen macht die Ihr ganzes Leben lang gekrueckt haben...".

    Sie haben recht. Nur sollte man hier nicht den Staat (also uns, die wir betroffen sind), sondern die nennen, die dafür verantwortlich sind: CDU/CSU-FDP, SPD-GRÜNE.

    Dies Parteien haben den Sozialabbau mit der AGENDA 2010 auf brutalste Weise eingeleitet und in den Jahren fortgeführt. Es werden Statistiken geschönt und das "Wahlvolk" belogen und betrogen. Ich wähle DIE LINKE.

    • war-hog
    • 22. Dezember 2012 19:03 Uhr

    Meiner Meinung nach die einzige mehrheits- und regierungsfähige Partei.

    Die da ganz oben haben uns den Krieg erklärt.
    Auch dem Mittelstand, der sich nach wie vor als "zugehörig" einlullen lässt.
    Bitte, wacht endlich auf!

    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/merkel-laeutet-ende-de...

  2. der Anfang, die Altersarmut wird einen Großteil der dt. Bevölkerung treffen, aber man ist ja Exportwasauchimmerfürmeister und die 70 Milliarden seit 2005 sind alles Subventionen für die dt. Wirtschaft die immer so jammert wie schlecht es ihr geht.
    Aber es sind ja Wahlen und da muss man dem dummen Michel vorheucheln, dass man sich kümmert und die dt. Medien unterstützte dies nach Kräften. Traurig.

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    ....es sind Wahlen. Und da muss man hingehen und wählen. Und zwar nicht die, die uns die AGENDA 2010 gebracht haben und uns täglich unserer Menschenwürde berauben.

  3. ...Altersarmut derzeit kein Thema von Priorität für die Politik darstelle.

    Wer verarscht hier eigentlich langsam wen?

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    • Chali
    • 22. Dezember 2012 16:45 Uhr

    Man bestreitet vehement Behauptungen, die niemand aufgestellt hat.

    Dann erübrigt es sich, über das Thema nachzudenken.

    • LennyP
    • 22. Dezember 2012 16:38 Uhr

    auch schon vor der Rot-Grünen Hartz 4 Reform den Sozialstaat Deutschland.Damals gab es noch ein eigenständiges Amt, das damalige Sozialamt.Die Bedarfsdeckung der ehemaligen Sozialhilfe und des Alg2 sind durchaus miteinander vergleichbar.Rot- Grün hat damals die Ämter durch Zusammenlegung reformiert.Meine Mutter hat früher beim Sozialamt gearbeitet, deshalb weiß ich, das Bedürftige damals deutlich öfter dort antanzen mußten als es heute der Fall ist.in früheren zeiten war es leider mehr eine Schande, wenn man aufs Sozialamt mußte als heute.Gut, es waren einfachere Zeiten in den 70,80,90ern als es heute der Fall ist, aber die Leute haben sich meiner Meinung nach deutlich mehr Scham davor gehabt, von Almosen zu leben als es heute leider bei Vielen der Fall ist.Die Ungerechtigkeit war, das der Beitragsbemessungssatz schon bei der Einführung 5 Jahre alt war und äußerst knapp bemessen(bis heute, zumindest für einen Alleinstehenden ohne Kinder).Die Größte Ungerechtigkeit des Systems ist meiner Meinung, das die Anzahl der Beitragsjahre nicht würdig gewichtet wird, und jemand der 30 Jahre und länger einbezahlt hat, nach 2 Jahren auf die selbe Stufe gestellt wird wie ein Sozialschmarotzer der so gut wie noch nie im Leben gearbeitet hat, sich aber mit dem "System" wunderbar auskennt, sich nebenher ein paar Euros dazuverdient und dem es deutlich bessere geht als einem Mittfünfziger den keiner mehr einstellt.

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    • LennyP
    • 22. Dezember 2012 16:38 Uhr

    Ich finde, man sollte da differenzierter Hinschauen, und für Menschen, die Ihr Leben ordentlich gelebt haben, Ihren eigenen Lebensunterhalt verdient haben und Jahrzehntelang Mitglieder unserer Solidargemeinschaft sind und waren sollte zumindest teilweise mehr Geld in die Hand genommen werden...es ist für alles und Jeden Geld da, nur für viele Menschen, vor allem in Deutschland, leider nicht

    und dem heutigen Hartz-IV ist durchaus nicht vergleichbar.
    Zum einen gab es früher die Möglichkeit, verschiedene Zuschüsse zu erhalten - für Kinder z.B., die schnell wachsen und im Jahr 3x neue Schuhe brauchen, für Heizkosten oder Kleidung; das gibt es bei Hartz-IV alles NICHT mehr. Des weiteren ist bei Einführung von Hartz-IV der Regelsatz für manche Produkte gesenkt worden oder diese sind ganz gestrichen worden - Gewürze z.B., oder (so kurz vor Weihnachten) ein Tannenbaum. Es kommt hinzu, daß durch den Euro die Lebenshaltungskosten sich verdoppelt haben - es wird zwar abgestritten, aber viele Produkte kosten heute in Euro das gleiche wie damals in D-Mark. Ich merke das, wenn ich mich daran erinnere, wieviel ich früher bspw. für eine Tafel Schokolade oder ein Bund Radieschen bezahlt habe. (Ich gehöre auch zu den Menschen, die lange genug mit der D-Mark gelebt haben, um sich zumindest teilweise an die damaligen Preise zu erinnern).
    Der statistische Warenkorb insgesamt mag sich wenig verändert haben - ich kaufe aber nun mal nicht jeden Monat einen DVD-Player, eine Waschmaschine oder ein Auto. Lebensmittel hingegen kaufe ich jede Woche.
    Aus dem Artikel geht auch hervor, daß die Zahl der Aufstocker massiv angestiegen ist - das war früher undenkbar, daß jemand nicht davon leben konnte, wenn er 40 Stunden die Woche arbeitet (egal ob ungelernter Arbeiter oder Facharbeiter).

    • LennyP
    • 22. Dezember 2012 17:11 Uhr

    aber zum Großteil an der Gesellschaft bzw. der Gesellschaftlichen Entwicklung.Denken sie mal darüber nach, was sie in den 80er, oder anfang der 90er Jahre für einen Haarschnitt bezahlt haben und was heute.Bei mir waren es 15 Mark, heute sind es 10 euro.die 15 Mark hatten damals in etwa die Kaufkraft von 20 euro heute.dafür hätten Sie einen Maler angezeigt, wenn er ihnen 140 marl pro STunde in rechnung gerstellt hätte.Für einen Wurstsalat für 20 mark hätts Prügel gegeben.Dafür sind die ansprüche enorm gewachsen.Früher hatten Sozialhilfeempfänger keine riesigen Flachbilschirme und teure Smartphones

    • war-hog
    • 22. Dezember 2012 19:56 Uhr

    <em>"Sozialschmarotzer"</em>

    Mit der Benutzung dieses Adjektives haben Sie sich für diese Diskussion disqualifiziert.
    Dieses Wort benutzten schon weit unheiligere Geister in der deutschen Geschichte.

    Wissen Sie eigentlich warum der Um- und letztlich Abbau des Sozialstaates so unglaublich langsam vonstatten geht?

    Weil sich dann die nachwachsenden Generationen überhaupt nicht mehr daran erinnern können, dass sie mal in einem lebten.
    Ja, dass sie ein Grundrecht auf ein menschenwürdiges Leben in einem Sozialstaat haben.

    Ein Blick in das Grundgesetz würde dem sich für informiert haltenden
    Mainstreammedien-Leser die Augen öffnen.
    Dazu noch besser in Geschichte aufgepasst und man wäre nicht auf "Hören-Sagen" angewiesen, sondern könnte sich seine eigene objektive Meinung bilden.

    • LennyP
    • 22. Dezember 2012 22:43 Uhr

    Wenn sie wüßten, wie recht Sie haben!
    Sehen sie, ich bin klein Akademiker wie die meisten hier und habe in meinem Leben mehr mit Armut, Sozialen Problemen, Drogen etc. zu tun gehabt wie die meisten hier.Und ganz sicher auch wie sie!
    Es gibt keine Sozialschmarotzer in Ihren Augen?-damit haben Sie sich für die Diskussion disqulifiziert.
    Schauen sie, ich kenne z.B Leute,die wohnen schon jahrelang nicht mehr in ihren Wohnungen, werden teilweise untervermietet, an Verwandte, teils auch an irgendjemand zeitweise für ein paar Euros.Leben tun Sie in einer schönen Wohnung/Haus bei ihren Partnern.In deren Augen wären sie ja blöd, wenn sie die Wohnung aufgeben würden...Papa Staat zahlt ja die Bude...schon seit Gedenken.Ich kenne etliche alleinerziehende Mütter die nicht mal im Traum dran denken sich einen job zu suchen.Bischen was nebenher machen fast alle.Das ist sicherlich nicht nicht die Mehrheit...aber wenn man mit etwas persönlich noch nicht so viele Erfahrungen gemacht hat, sollte man mit solchen Äußerungen zurückhaltender sein.Zu behaupten, es gibt keine Sozialschmarotzer ist in etwa so, als glaube man an den Osterhasen.mfg

    Nunja, damals hatten die Arbeitgeber auch noch den Anstand, Leuten ein ordentliches Gehalt zu zahlen. Ein Vollzeitangestellter brauchte nicht noch zusätzlich auf's Amt zu rennen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Und wenn die Scham abnimmt, Menschen angemessen für ihre Arbeit zu bezahlen, wen wundert es denn dann, dass sie weniger Scham haben, sich das Geld woanders zu holen?

    • LennyP
    • 22. Dezember 2012 16:38 Uhr
    5. .....

    Ich finde, man sollte da differenzierter Hinschauen, und für Menschen, die Ihr Leben ordentlich gelebt haben, Ihren eigenen Lebensunterhalt verdient haben und Jahrzehntelang Mitglieder unserer Solidargemeinschaft sind und waren sollte zumindest teilweise mehr Geld in die Hand genommen werden...es ist für alles und Jeden Geld da, nur für viele Menschen, vor allem in Deutschland, leider nicht

    Antwort auf "Es gab ja"
  4. zu wissen, ob es sich hierbei vorwiegend um ungelernte Kräfte handelt. Danach müsste man sich mit dem "Fachkräftemangel" beschäftigen.

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    • war-hog
    • 22. Dezember 2012 20:08 Uhr

    Den gibt es doch garnicht.

    Der wurde erfunden um die Facharbeiter zusätzlich unter Druck zu setzen.Neben Hartz IV versteht sich.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=7364

  5. Aber nach der wievielten? Rentenreform geht das nun nicht mehr.
    Auch wäre die Anzahl der Lanzeitarbeitslosen
    dabei Interessant

  6. Das Tragische an dieser ganzen Diskussion ist, dass Armut sich immer mehr über rein materielle Aspekte definiert. Aber wie arm muss man denn im Geiste sein um seine Angst davor, etwas abzugeben auch dann nicht zu verlieren, wenn man Millionen verdient? Das ist die wahre Armut. Was nützt denen denn ihre ganze Kohle wenn sich dadurch an den Bedingungen ihrer Angst nichts geändert hat?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sc
  • Schlagworte Bernd Riexinger | Hartz IV | Alter | Arbeit | Arbeitslose | Arbeitslosigkeit
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