FachkräftemangelArbeitsagentur steht vor tiefgreifendem Umbau

Die Agentur für Arbeit richtet sich neu aus: Die klassische Arbeitslosenvermittlung wird weniger wichtig, stattdessen soll der Fachkräftemangel im Fokus stehen. von reuters

Die Bundesagentur für Arbeit will sich künftig auf den Kampf gegen den Fachkräftemangel konzentrieren. Die klassische Vermittlung werde dann in den Hintergrund rücken und sich vor allem auf Langzeitarbeitslose konzentrieren, sagte der Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise der Frankfurter Allgemeinen Zeitung . Die Eckpunkte für die Neuausrichtung sind in einem Positionspapier mit dem Titel BA 2020 festgehalten. Unter anderem soll die Präsenz in digitalen Medien ausgebaut werden, um junge Leute besser zu erreichen.

"Durch moderne Informationstechnologie brauchen wir weniger klassische Verwaltungsarbeit, dafür mehr Fachleute", sagte Weise. "Die Zahl unserer Mitarbeiter werden wir dafür weiter reduzieren ." Neue Pläne zum Stellenabbau gebe es derzeit aber nicht. Noch setzt die Behörde ein Programm zum Abbau von 17.000 Arbeitsplätzen um. Laut Weise habe man bislang 8.000 Stellen gestrichen. Bis Ende 2015 soll die Zahl der Beschäftigten unter 90.000 liegen.

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Weise begrüßte die jüngste Verlängerung der Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld von sechs auf zwölf Monate durch die Bundesregierung als maßvollen Schritt. Er rechne trotz der deutlichen Konjunkturabkühlung immer noch mit weniger als drei Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt.

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Leserkommentare
    • bb1921
    • 10. Dezember 2012 11:13 Uhr

    Arbeitslose aus der Statistik und nicht in dauerhafte Arbeit zu bekommen. Vermittelt wird unter Androhung von Repressalien nur an Leiharbeitsfirmen, die einen wieder auf die Strasse setzen. Mit guter Bildung findet man keinen dauerhaften gut bezahlten Arbeitsplatz mehr. Dafür hat die Agenda 2010 der SPD gesorgt. Spätestens bei der Arbeitslosmeldung bei der BA, die Bildung des Arbeitslosen wertlos Der Arbeitslose MUSS JEDEN JOB unabhängig von seiner Qualifikation annehmen, sonst Sperrfrist. Man landet als Fachkraft im Niedriglohnsektor. Fachkräftemangel? Lächerlich. Ich habe nicht vernommen, dass Rot-Grün an der Praxis etwas ändern will. Beide Spitzenkandidaten sind Verfechter der Hartz-Gesetze.

    • LaSilas
    • 10. Dezember 2012 12:02 Uhr

    Die Medien wollen immer den armen Zeitarbeitsfirmen helfen, denen es so an Kräften mangelt. Da bekommt man doch Mitleid. Politiker haben auch so ein weiches Herz und klagen ohne Unterlass für die Firmen.

    In diesem Volk von 80 Millionen hat kaum einer genug Arbeitskraft, und es lassen sich zu Wenige finden, die die Hälfte ihres Lohn abgeben an die armen Menschenhändler.

    Darum müssen wir an das Ausland appellieren, ob es uns nicht aushelfen kann mit diesen Kräften, sonst geht die Welt unter!

    Natürlich sind die Milliarden in so harten Zeiten knapp, aber so manche Leihfirmen überlegen mal was Anderes:

    "91 Prozent der mittelständischen Zeitarbeitsunternehmen leiden nach einer Umfrage des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) bereits jetzt unter einem Fachkräftemangel...

    Fast jedes Zeitarbeitsunternehmen (97,6 Prozent) habe bereits Gegenmaßnahmen ergriffen, heißt es laut dem Bericht in der Umfrage. Die populärste Maßnahme sei die übertarifliche Bezahlung. 90,2 Prozent bezahlen mehr, als sie laut Tarifvertrag müssten, so der IGZ."

    http://www.open-report.de...

    Ist das nicht großzügig ? Sie zahlen ein oder zwei Eumel mehr als den Mindestlohn von 7,50 € brutto... Aber mehr draufzulegen, geht wohl gar nicht? Dann wäre wohl der Milliardenprofit in Gefahr, den sich die Arbeitslosenindustrie samt der Bundesagentur weiter einstecken will.

    • sxouk2
    • 10. Dezember 2012 14:49 Uhr

    ...denn mann kann aus minimalem Einsatz keinen maximalen Ertrag ziehen. Dieses ökonomische Prinzip ist nicht existent.

    Man kann mit einem minimalen Einsatz einen bestimmten Ertrag erzielen (Minimalprinzip) oder mit einem bestimmten Einsatz einen maximalen Ertrag (Maximalprinzip).

    Antwort auf "Der Fachkräftemangel"
  1. ...das IHK-Diplom wäre Europaweit anerkannt. Ich wurde jedoch abgewiesen, da diese Institut zur Zeit kein Angebot für das deutschsprachige Ausland hat. Ich bin zur Zeit arbeitslos und es ist halt so, dass in Deutschland die Weiterbildungen einen Bruchteil kosten. Schade nimmt man mich nicht auf. Ich kann mir vorstellen, dass IHK-Diplomlehrgänge subventioniert sind. Ja und? Dann zahle ich genau diesen Teil obendrauf, damit ich niemandem zur Last falle - das wäre immernoch günstiger als in der Schweiz. Mich umgibt ein Gefühl, als wolle man die Arbeitslosen gar nicht erst gross helfen. In DE kostet dieser Lehrgang EUR 3800, in der Schweiz 25'000 CHF! Ist doch verständlich, dass ich nach DE studieren gehen will! Ebenso ist es verständlich, dass Deutsche in die Schweiz kommen (bis zu 65% mehr Salär). Aber eben, ein Geben und Nehmen wäre doch schön.

    Europa im Allgemeinen soll sich nicht vom eigenen Ast absägen, sich von anderen Ländern abhängig machen (wenn es nicht ÖL ist, dann wird es Strom sein - der in Saudi-Arabien in Atomkraftwerken produziert wird.

    Antwort auf "Der Fachkräftemangel"
  2. Man stelle sich vor, ein Blumenhändler hat zu wenig Blumenzwiebeln, denn das Geschäft brummt und er könnte ohne Ende Blumenzwiebln verkaufen.

    Was könnte er tun?

    1. selbst Blumenzwiebeln in ausreichender Menge anbauen
    2. Jemand dafür bezahlen, Blumenzwiebeln genügend anzubauen
    3. auf dem lokalen Markt wahrscheinlich bei hoher Nachfrage teurere Blumenzwiebeln kaufen
    4. mit weniger Verdienst leben, weil er nur wenige Blumenzwiebeln hat
    5. jemand beauftragen Blumenzwiebeln in riesigen Mengen zu importieren, und wenn er doch nicht so viele braucht sie einfach nicht kaufen

    1. bis 4. fiel mir als erstes ein, für 5. brauchte ich etwas ...
    denn bei 5. muß ja am Ende doch einer bezahlen, nämlich der Importeur, der auf seinen Zwiebeln sitzen bleibt - wahrscheinlich geht der dann bankrott und macht so etwas nie wieder - und alle die ihn kennen, würden sich mit dem Blumenzwiebelhändler nie wieder in ein Geschäft einlassen

    Wieso bleibt der Staat und die Gesellschaft immer auf den Kosten der Blumenzwiebelhändler sitzen und tut es doch immer wieder ...

  3. Wenn es einen Fachkräftemangel gäbe, müsste jeder (Elektro)ingenieur einen unbefristeten Vertrag mit 70.000 Einstiegsgehalt angeboten bekommen und das quasi deutschlandweit. Mir sind aber mehrere Ingenieure bekannt, die mit mies bezahlten Verträgen über Zeitarbeitsfirmen auf einen festen Job hoffen. Und das nicht in Meck-Pomm, sondern im Rhein-Main-Gebiet sowie bei einem großen Energieversorger(!).

    Und dass das Ehegattensplitting, das Betreuungsgeld und fehlende Kita-Plätze Fehlanreize setzen für die Erwerbsbeteiligung von Frauen, dürfte selbst der CSU nicht verborgen geblieben sein.

    Fachkräfte fehlen lediglich dem öffentl. Dienst im IT-Bereich sowie bei Lehrern in technischen Fächern. Dies ließe sich leicht über besondere Gehaltszulagen lösen, wenn denn unser Staat nur wollte.

  4. Beispiel gefällig: www.bildungshaus-preller.de. Dort wird umschrieben, wie in der Praxis bei der angeblich neutralen Vergabe von Bildungsgutscheinen vorgegangen wird. Hat man "gute Freunde" in Agentur und Jobcenter wird man reich. Das Personal schreckt nicht davor zurück, komplette Existenzen zu vernichten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, nf
  • Schlagworte Frank-Jürgen Weise | Bundesregierung | Medien | Arbeit | Arbeitslose | Behörde
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