Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein französischer Amtskollege Pierre Moscovici haben offenbar einen Kompromiss im Konflikt um die geplante Bankenaufsicht gefunden. Wochenlang war darüber gestritten worden, welche Geldinstitute die Europäische Zentralbank zukünftig überwachen soll. Jetzt verlautet aus Regierungskreisen, man erwarte auf dem Treffen der EU-Finanzminister am Mittwochnachmittag einen "Durchbruch". Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, könnten in Zukunft alle "systemrelevanten Institute" sowie Banken, die Geld aus dem Rettungsfonds erhalten, unter EZB-Aufsicht laufen

Die Entscheidung ist wichtig, denn die Staats- und Regierungschefs wollen am Donnerstag und Freitag über die Bankenaufsicht und die Bankenunion beraten. Wenn Schäuble, Moscovici und Kollegen sich nicht einigen, wird der EU-Gipfel noch weniger konkrete Ergebnisse bringen als schon jetzt befürchtet. Ein Regierungsvertreter dämpfte bereits am Mittwoch die Erwartungen. Man werde vor allem Zeitpläne organisieren, aber kaum inhaltliche Entscheidungen treffen, sagte er.

Worum geht es genau? ZEIT ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den EU-Gipfel und das Treffen der Finanzminister.

Was ist das überhaupt, die Bankenunion?

Bankenpleiten vergangener Jahre wie die von Lehman Brothers haben gezeigt, dass einzelne Institute, die in eine Schieflage geraten, nicht nur den Finanzsektor, sondern auch die gesamte Wirtschaft in die Knie zwingen können. Am Ende müssen die Banken mit Millionen an Steuergeldern gestützt werden, Rettungsschirme werden aufgespannt. Eines der wichtigsten Ziele der Bankenunion ist es, so früh wie möglich Fehlentwicklungen in der Branche zu verhindern und den Steuerzahler aus der Pflicht zu nehmen.

Die Bankenunion ist allerdings eine riesige Baustelle . Bis sie realisiert ist, wird es sicherlich noch mindestens fünf Jahre dauern. Zu ihr gehören neben einer gemeinsamen Aufsicht auch gemeinsame Einlagensicherungssysteme, ein Fonds zur Restrukturierung von Banken und ein Abwicklungsfonds für Pleiteinstitute .

Worüber diskutieren die EU-Finanzminister?

Die EU-Finanzminister beschäftigen sich mit den ersten Details des Großprojekts Bankenunion. Dazu gehört vor allem die Bankenaufsicht. Bislang gibt es zwar die Europäische Bankenaufsicht (EBA), sie hat allerdings nicht viel zu sagen, sondern vernetzt nur die nationalen Aufsichtsbehörden auf europäischer Ebene. Klar ist, dass eine Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB gegründet werden soll.

Zwei Knackpunkte gibt es: Wie zuverlässig lassen sich die Geldpolitik der EZB und Aufsichtsfunktion voneinander trennen? Gerade Deutschland pocht hier auf die sogenannte "chinesische Mauer" und eine strikte Trennung. Außerdem ist unklar, welche Institute die EZB nun direkt kontrollieren soll. Rund 6.000 Banken gibt es in der EU. Frankreich sähe sie gerne alle von der EZB beaufsichtigt, Deutschland hätte gerade Sparkassen und Volksbanken weiterhin unter deutscher Aufsicht, um den Einfluss der EU so klein zu halten wie möglich.