KlimakonferenzDie Blockierer von Doha

Ein schwacher Gastgeber, verhärtete Fronten: Warum die Verhandlungen auf dem Klimagipfel in Katar stocken. Von Alexandra Endres, Doha von 

Abdullah bin Hamad Al-Attiyah (3. von rechts) leitet als Präsident die Klimakonferenz in Doha.

Abdullah bin Hamad Al-Attiyah (3. von rechts) leitet als Präsident die Klimakonferenz in Doha.  |  © Karim Jaafar/AFP/Getty Images

Seit diesem Mittwoch reden auf der Klimakonferenz in Doha die Umweltminister miteinander. Doch auch sie werden diesen Gipfel wohl nicht mehr retten können. Seit Jahren sei es immer dasselbe, sagte ein Teilnehmer der Ministerrunde aus Lateinamerika: "Die Industrieländer tragen vor, wie viel sie bei der Emissionsminderung schon erreicht haben. Und die Entwicklungsländer erwarten, dass man ihnen endlich bei der Anpassung an den Klimawandel hilft." Man rede nicht wirklich miteinander, sondern aneinander vorbei.

Dabei haben die armen Staaten gute Argumente auf ihrer Seite. Sie sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. Wetterextreme deuten jetzt schon an, wie ihre Zukunft einmal aussehen könnte. Zwar lassen sich einzelne Stürme, Dürren oder Überflutungen nicht eindeutig auf die Erderwärmung zurückführen – aber sie werden wegen des Klimawandels künftig wohl an Zahl und Heftigkeit zunehmen, vor allem in den Entwicklungsländern.

Anzeige

In Doha , hieß es aus Kreisen der Ministerrunde, habe die philippinische Delegation sehr eindrucksvoll die Folgen des Taifuns "Bhopa" geschildert, durch den Hunderte starben. Ob das an den eingefahrenen Verhandlungsritualen etwas ändern wird?

Drei Tage vor dem Ende der Doha-Konferenz jedenfalls sieht es nicht so aus, als ob sich noch viel bewegen wird. Am wichtigsten sei, heißt es aus UN-Kreisen, dass die mehr als 190 Teilnehmerstaaten auf Kurs blieben und sich in kleinen Schritten weiter auf das umfassende internationales Abkommen hin bewegten, das 2015 beschlossen werden soll. Das bedeutet kaum mehr als: Wir müssen im Gespräch bleiben und dürfen die Verhandlungen nicht scheitern lassen. Weniger kann man von einem Klimagipfel fast nicht erwarten.

Weniger kann man nicht erwarten

Die Materie ist komplex. Auf Klimagipfeln wird in vielen Strängen parallel verhandelt – der Fokus der Europäer liegt, grob gesagt, auf der Reduktion von Emissionen durch das Kyoto-Protokoll und auf möglichen Finanzzusagen. Schwellenländer wie Brasilien möchten, dass ihre Bemühungen zur Emissionsreduktion anerkannt werden, auch wenn sie nicht am Kyoto-Protokoll teilnehmen. Für Entwicklungsländer sind Anpassung, Finanzierung und Technologietransfer wichtig. Und offiziell geht es in Doha vor allem um das Arbeitsprogramm, das den Weg zum geplanten 2015er Abkommen aufzeigen soll.

Ab dem kommenden Jahr soll das Kyoto-Protokoll in seine zweite Runde gehen. Doch strenge neue Emissionsziele über die bereits bestehenden hinaus sind in Doha nicht zu erwarten. Selbst die EU , die sich auf Klimakonferenzen bisher immer als Vorreiter in Sachen Emissionsminderung gesehen hat, ist zerstritten. Sie kann sich weder auf ambitioniertere Emissionsziele für 2020 einigen, noch auf einen gemeinsamen Umgang mit der sogenannten "heißen Luft" – also mit bisher unbenutzten Emissionszertifikaten, die vor allem die ehemaligen Ostblockstaaten unbedingt in die zweite Kyoto-Periode retten wollen. Kommen sie damit durch, würde das Protokoll ab 2013 quasi wirkungslos.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier wird voraussichtlich erst am Mittwochabend in Doha eintreffen, lange nach Beginn der Ministerrunde. Er hatte im Vorfeld hohe Erwartungen geweckt: Altmaier sagte öffentlich, er wolle sich für ein ambitionierteres Emissionsziel der Europäer einsetzen. Dass er auf dem Gipfel aber wirklich noch etwas erreichen kann, gilt in Doha als relativ unwahrscheinlich.

Immerhin haben mit Großbritannien und Deutschland bisher zwei Industriestaaten den Entwicklungsländern Finanzzusagen für die Zukunft gemacht. Großbritannien erklärte am Dienstag, in den kommenden drei Jahren 2,2 Milliarden Euro zu zahlen. Deutschland legte am Mittwoch noch eins drauf und versprach, in den Jahren 2013 und 2014 jeweils 1,8 Milliarden Euro im Haushalt einzustellen. Das sind immerhin 400 Millionen mehr als bisher. Woher das Geld kommen soll, ist freilich noch nicht ganz klar.

Leserkommentare
  1. "Deutschland legte am Mittwoch noch eins drauf und versprach, in den Jahren 2013 und 2014 jeweils 1,8 Milliarden Euro im Haushalt einzustellen."
    Deutschland ist beim Klimaschutz vorne mit dabei, endlich mal ein Grund stolz zu sein. Allerdings reicht dieser Wert vorne und hinten nicht. Das wäre pro Empfängerland nicht einmal viel mehr als ein knapp zweistelliger Millionenbetrag. Sollte alles nicht bei einem gefühlten Lippenbekenntnis bleiben, müsste der Wert 10mal höher liegen, also mindestens 18 Mrd. Euro pro Jahr. Das sollte uns die Verhinderung der drohenden Klimakatastrophe schon wert sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was für eine Klimakatastrophe??

  2. zu beantworten, wenn solche Gipfel auf dem Boden negativer menschenrechtsverachtender Staaten stattfinden kann da auch nicht bei herauskommen.

  3. Was sollte den heraus kommen?
    Es wird wärmer?
    Keiner weiss warum?
    Wo die Erwärmung ist weiss auch keiner.

    http://www.klimaskeptiker.info/index.php?seite=einzelmeldung.php?nachric...

    http://www.klimaskeptiker.info/index.php?seite=einzelmeldung.php?nachric...

    http://www.klimaskeptiker.info/index.php?seite=einzelmeldung.php?nachric...

    http://www.klimaskeptiker.info/index.php?seite=einzelmeldung.php?nachric...

    Der Konsens ist auch irgendwo auf der Strecke liegen geblieben.
    http://www.klimaskeptiker.info/index.php?seite=einzelmeldung.php?nachric...

    Schlussendlich bleiben Behauptung und gegen Behauptung.

    Sowie 16 Jahre Real Wetter ohne Erwärmung.

  4. 4. Klima?

    Dieser Gipfel, genau wie das Kyoto-Protokoll sind nichts weiter als Fassade. Wer sich mal anschaut, was dort alles vereinbart wird, kann sich gut selber denken wie nutzlos diese Beschlüsse sind.

    Man will die Emmisionen in den Industrieländern senken, das zwingt die Industrie (vor allem die Automobielindustrie) immer öfter neuere Produkte zu entwickeln die dann vom Verbrauchen gekauft werden müssen um nicht mehr so viele Steuern zu zahlen. Wieviel Treibhausgase, Gift und Müll dabei entsteht kann sich jeder denken. Weil die Steuern hier immer größer werden verlagert man diesen Treibhausausstoß in Entwicklungsländer. Die Firmen ziehen um, gut für die CO2 "Bilanz". Dass für diese "Bilanz" vorallem wegen Bio-Treibstoff Hunderttausende von Quadratkilometern Regenwald abgeholzt, damit man dort Rohrzucker anbauen kann, den man dann in unseren Autos verbrennt.

    Es findet nur eine Globale Umverteilung des Treibhausausstoßes statt, insgesammt wird es nicht weniger sonder viel mehr. Für die 10% weniger Ausstoß in den Westlichen ländern wird vielleicht das doppelte oder mehr in den Entwicklungsländern an Treibhausgasen ausgestoßen. Gleichzeitig werden die Regenwälder abgeholzt und den Bodenflächen werden immer bestimmte Mineralien entzogen durch die Monokultur. Gleichzeitig werden Tonnen von Dünger überall verteilt damit wir hier im Westen gut dastehen.

    Ich sag nur kranke Welt ist das, genau wie dieser Gipfel.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ST_T
    • 05. Dezember 2012 21:14 Uhr

    Sollten die Gipfel selbst gestrichen werden!
    Wieso kann man zu Zeiten von Internet mit Breitband keine Video-Konferenzen starten sondern wieso müssen alle Politiker inklusive Gefolge mit ihren Privat-Jets (!) hinfliegen?

    Und wieso müssen die etlichen Anhängsel (Umweltschützer, Reporter, Soziologen, Wissenschaftler und was weiß ich nicht alles) auch mitfliegen?

    Die heiße Luft, die auf diesem Gipfel produziert wird erhöht den CO2-Ausstoß mehr als es die Menschen dieser Welt tun, wenn ich das mal ganz zynisch auffasse.

    Und wenn man sich vor allem die Entwicklung der letzten 2 Jahrzehnte anschaut ist es immer noch mehr als fragwürdig, inwieweit dieser Blödsinn von anthropogener Erwärmung überhaupt zu halten ist.
    Aber wie so oft in der Wissenschaft geht es leider nicht um Fakten sondern um Wichtigkeit und vor allem um viele Milliarden an Fördergeldern!

  5. jeder setzt eben sein Prioritäten.....

  6. Es gibt nichts zu diskuieren. Wenn die USA und China sich nicht bewegen ändert sich nichts. Und irgentwie kann ich die Argumente der Chinesen sogar nachvollziehen. Wir habn unsere Produktion nach China verlegt und diese Produkte tragen dieses CO2 in sich. Ausserdem blasen die Chinesen erst seit ein paar Jahren so viel Dreck in die Luft, währen die USA ein paar Jahrzehnte Vorsprung hat.

    Nehmen wir mal die ganze Suppe da oben (die sich ca. 100 Jahre hält) und teilen es in die Verursacher - dann ist immernoch 50% allein von der USA verursacht.

    Deswegen: Klimazölle!

    Jedes Produkt was über die Grenzen der EU will, bezahlt einen ihrer Herkunft angemessenen Klimazoll. Bürokratisch? Ja sicher...aber bitter nötig. Fehlende Umweltauflagen müssen bei Importzöllen berückichtigt werden. Das ist nur fair!

    • Peugeot
    • 05. Dezember 2012 20:53 Uhr

    Schön wärs.

    ich hörte was von 20 000 Delegierten. Wenn das stimmt?

    ganz schöner Tross und der kommt nicht klimaneutral auf Kamelen daher...

    • ST_T
    • 05. Dezember 2012 21:14 Uhr

    Sollten die Gipfel selbst gestrichen werden!
    Wieso kann man zu Zeiten von Internet mit Breitband keine Video-Konferenzen starten sondern wieso müssen alle Politiker inklusive Gefolge mit ihren Privat-Jets (!) hinfliegen?

    Und wieso müssen die etlichen Anhängsel (Umweltschützer, Reporter, Soziologen, Wissenschaftler und was weiß ich nicht alles) auch mitfliegen?

    Die heiße Luft, die auf diesem Gipfel produziert wird erhöht den CO2-Ausstoß mehr als es die Menschen dieser Welt tun, wenn ich das mal ganz zynisch auffasse.

    Und wenn man sich vor allem die Entwicklung der letzten 2 Jahrzehnte anschaut ist es immer noch mehr als fragwürdig, inwieweit dieser Blödsinn von anthropogener Erwärmung überhaupt zu halten ist.
    Aber wie so oft in der Wissenschaft geht es leider nicht um Fakten sondern um Wichtigkeit und vor allem um viele Milliarden an Fördergeldern!

    Antwort auf "Klima?"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service