Abdullah bin Hamad Al-Attiyah (3. von rechts) leitet als Präsident die Klimakonferenz in Doha. © Karim Jaafar/AFP/Getty Images

Seit diesem Mittwoch reden auf der Klimakonferenz in Doha die Umweltminister miteinander. Doch auch sie werden diesen Gipfel wohl nicht mehr retten können. Seit Jahren sei es immer dasselbe, sagte ein Teilnehmer der Ministerrunde aus Lateinamerika: "Die Industrieländer tragen vor, wie viel sie bei der Emissionsminderung schon erreicht haben. Und die Entwicklungsländer erwarten, dass man ihnen endlich bei der Anpassung an den Klimawandel hilft." Man rede nicht wirklich miteinander, sondern aneinander vorbei.

Dabei haben die armen Staaten gute Argumente auf ihrer Seite. Sie sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. Wetterextreme deuten jetzt schon an, wie ihre Zukunft einmal aussehen könnte. Zwar lassen sich einzelne Stürme, Dürren oder Überflutungen nicht eindeutig auf die Erderwärmung zurückführen – aber sie werden wegen des Klimawandels künftig wohl an Zahl und Heftigkeit zunehmen, vor allem in den Entwicklungsländern.

In Doha , hieß es aus Kreisen der Ministerrunde, habe die philippinische Delegation sehr eindrucksvoll die Folgen des Taifuns "Bhopa" geschildert, durch den Hunderte starben. Ob das an den eingefahrenen Verhandlungsritualen etwas ändern wird?

Drei Tage vor dem Ende der Doha-Konferenz jedenfalls sieht es nicht so aus, als ob sich noch viel bewegen wird. Am wichtigsten sei, heißt es aus UN-Kreisen, dass die mehr als 190 Teilnehmerstaaten auf Kurs blieben und sich in kleinen Schritten weiter auf das umfassende internationales Abkommen hin bewegten, das 2015 beschlossen werden soll. Das bedeutet kaum mehr als: Wir müssen im Gespräch bleiben und dürfen die Verhandlungen nicht scheitern lassen. Weniger kann man von einem Klimagipfel fast nicht erwarten.

Weniger kann man nicht erwarten

Die Materie ist komplex. Auf Klimagipfeln wird in vielen Strängen parallel verhandelt – der Fokus der Europäer liegt, grob gesagt, auf der Reduktion von Emissionen durch das Kyoto-Protokoll und auf möglichen Finanzzusagen. Schwellenländer wie Brasilien möchten, dass ihre Bemühungen zur Emissionsreduktion anerkannt werden, auch wenn sie nicht am Kyoto-Protokoll teilnehmen. Für Entwicklungsländer sind Anpassung, Finanzierung und Technologietransfer wichtig. Und offiziell geht es in Doha vor allem um das Arbeitsprogramm, das den Weg zum geplanten 2015er Abkommen aufzeigen soll.

Ab dem kommenden Jahr soll das Kyoto-Protokoll in seine zweite Runde gehen. Doch strenge neue Emissionsziele über die bereits bestehenden hinaus sind in Doha nicht zu erwarten. Selbst die EU , die sich auf Klimakonferenzen bisher immer als Vorreiter in Sachen Emissionsminderung gesehen hat, ist zerstritten. Sie kann sich weder auf ambitioniertere Emissionsziele für 2020 einigen, noch auf einen gemeinsamen Umgang mit der sogenannten "heißen Luft" – also mit bisher unbenutzten Emissionszertifikaten, die vor allem die ehemaligen Ostblockstaaten unbedingt in die zweite Kyoto-Periode retten wollen. Kommen sie damit durch, würde das Protokoll ab 2013 quasi wirkungslos.

Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier wird voraussichtlich erst am Mittwochabend in Doha eintreffen, lange nach Beginn der Ministerrunde. Er hatte im Vorfeld hohe Erwartungen geweckt: Altmaier sagte öffentlich, er wolle sich für ein ambitionierteres Emissionsziel der Europäer einsetzen. Dass er auf dem Gipfel aber wirklich noch etwas erreichen kann, gilt in Doha als relativ unwahrscheinlich.

Immerhin haben mit Großbritannien und Deutschland bisher zwei Industriestaaten den Entwicklungsländern Finanzzusagen für die Zukunft gemacht. Großbritannien erklärte am Dienstag, in den kommenden drei Jahren 2,2 Milliarden Euro zu zahlen. Deutschland legte am Mittwoch noch eins drauf und versprach, in den Jahren 2013 und 2014 jeweils 1,8 Milliarden Euro im Haushalt einzustellen. Das sind immerhin 400 Millionen mehr als bisher. Woher das Geld kommen soll, ist freilich noch nicht ganz klar.