EnteignungBolivien verstaatlicht Energieversorger

Die bolivianische Regierung hat vier Tochterunternehmen des spanischen Energieversorgers Iberdrola enteignet. Präsident Morales will so die Energiepreise stabilisieren. von dpa und reuters

Bolivianische Soldaten bewachen ein Umspannwerk des enteigneten spanischen Stromkonzerns Electropaz in La Paz.

Bolivianische Soldaten bewachen ein Umspannwerk des enteigneten spanischen Stromkonzerns Electropaz in La Paz.  |  © Jorge Bernal/AFP/Getty Images

Bolivien hat vier Unternehmen des spanischen Energiekonzerns Iberdrola verstaatlicht. Präsident Evo Morales unterzeichnete ein entsprechendes Dekret für die Stromversorger Electropaz, Elfeo und Eldeser sowie den Verwaltungskonzern Cadeb. "Wir betrachten diesen Schritt als notwendig, um gerechte Energietarife zu garantieren", sagte Morales zur Begründung.

Vizepräsident Álvaro García Linera sagte, Iberdrola werde eine angemessene Entschädigung bekommen. Die Aktien der Tochtergesellschaften Iberdrolas sollen von dem staatlichen Unternehmen Empresa Nacional de Electricidad (Ende) übernommen werden.

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Iberdrola ist seit den späten neunziger Jahren in dem lateinamerikanischen Land tätig. Die Tochterfirma Electropaz, das größte der verstaatlichten Unternehmen, versorgt 470.000 Kunden in La Paz mit Strom.  Ein Iberdrola-Sprecher wollte sich zunächst nicht zu der Verstaatlichung äußern. Auch die spanische Regierung gab keine Stellungnahme ab.

Die bolivianische Regierung hatte im Mai den größten Stromanbieter des Andenlandes, Transportadora de Electricidad, verstaatlicht , dessen Aktien sich zu fast 100 Prozent im Besitz des spanischen Energiekonzerns Red Eléctrica de España (REE) befanden.

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Leserkommentare
  1. ... manche Investoren sind gut. Auf manche kann man gut verzichten. Beispiel Nokia. Arbeitsplätze schaffen rechtfertigen keinesfalls 70 Milliarden Euro für Harz 4 Aufstocker. Firmen, die keine angemessenen Löhne zahlen, keinerlei soziale Verantwortung übernehmen benötigt weder Deutschland noch Bolivien! Sie kosten nur den normalen Steuerzahler! Der kann nicht flüchten so wie Global player es leider häufig tun.
    Korruption: Eine Italienische Freundin sagt immer - Italien hat eine Mafia. Die Deutschen nicht! In Italien werden die Schweinereien aber öffentlich gemacht. Und ihr? Seitdem bin ich ganz still bei diesem Thema. Dazu noch ein Artikel: http://www.fr-online.de/w...
    Neuseeland hat vor vielen Jahren die öffentlichen Dienste (Krankenhäuser, Müllabfuhr, Stassenbau usw.) in Konkurrenz gestellt zu privaten Anbietern. Bei uns hat man sie einfach verkauft. Der Satz: macht es doch selber ist gut. Nur wer bestimmt das denn? Wer lenkt unseren Markt?
    Aus Omas Beinbruch Gewinne ziehen, die aus meinen Krankenversicherungsbeiträgen stammen ist irgendwie perfide. Oder? Es gibt auch bei uns zarte Versuche Kliniken von Großen Konzernen zurück zu kaufen. So weit weg ist Bolivien also nicht mit dem was sie tun.

    Eine Leserempfehlung
  2. Zitat…Beispiel Nokia. Arbeitsplätze schaffen rechtfertigen keinesfalls 70 Milliarden Euro für Harz 4 Aufstocker. Firmen, die keine angemessenen Löhne zahlen, keinerlei soziale Verantwortung übernehmen…………………………….

    Und genau dafür ist, bzw. sollte eine Regierung da sein. Gesetze verabschieden, die Kaufkraftwachstum für ihre Bevölkerung absichert. Firmen können dann überlegen, ob Investitionen sinnvoll erscheinen. Das ist soziale Marktwirtschaft.

    In Deutschland scheint die breite Masse der Wähler jedenfalls die Regierung zu akzeptieren, welche Wege für Firmen ebnet, die Aufstocker beschäftigen. Oder Firmen durch die Bevölkerungen subventionieren lässt.

    Das nennt sich Demokratie.

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    "..In Deutschland scheint die breite Masse der Wähler jedenfalls die Regierung zu akzeptieren, welche Wege für Firmen ebnet, die Aufstocker beschäftig
    Das nennt sich Demokratie. ..."
    Das wird sich in 2013 demokratisch weisen! Man kann sich kaum über Griechenland aufregen und Aufstocken gut heißen! Sollte ein Global player durch Aufstocker subventioniert sein haben sie fast die Garantie für den Abfluss der Subventionen/Gewinne ganz legal in ein Steuerparadies. Bolivien hat weder McDonalds noch Coca Cola!(http://www.wdr.de/tv/moni... - Ist der Geldabfluss ernsthaft demokratisch gewünscht?
    Unsere Demokratie muss sich fragen, warum zwischen 1972 und 2009 die Wahlbeteiligung von 91% auf 70% gefallen ist. Ebenso die Parteizugehörigkeit (die unserer Politik bestimmen) sich fast halbiert hat! Tut sie aber nicht!
    Darum ist Bildung so wichtig, dass Menschen es verstehen. In Deutschland sind 2011 nach einer Studie der Universität Hamburg ca. 4 % bzw. 2 Millionen der Erwachsenen totale sowie mehr als 14 % bzw. 7,5 Millionen funktionale Analphabeten! http://www.bmbf.de/de/426... Hoffentlich unbeabsichtigt! Wir zahlen demokratisch lieber Herdprämien als in die Bildung zu investieren! Weil wer das wollte? - Zum Bildungsstand http://www.bildungsxperte...
    Wenn die Marktwirtschaft so funktionieren würde, wie sie es darstellen, hätten wir diese Diskussionen nicht. Oder?

    • Amparos
    • 30. Dezember 2012 16:35 Uhr

    Die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien wie Wasserwerke und Stromindustrie halt ich erstmal für gut. In Argentinien haben sich die Preise mit der Privatisierung vervielfacht.
    Wahrscheinlich in Bolivien auch.

    Skepsis ist aber trotzdem angebracht. Jetzt müssten die Investitionen beginnen um diese Industrie auf Vordermann zu bringen. Ich glaube, dass diese aber aufgrund der massiven Bürokratie und Korruption im den Taschen diverse Politiker oder Mittelsmänner verschwinden.

    Das gleiche sehen wir bei der Ölindustrie in Venezuela. Seit der Verstaatlichung sind die Investitionen massiv zurückgegangen, so dass nicht mehr die neueste Technik zur Förderung zur Verfügung steht und die Förderung nicht effektiv genug ist.

    Man hätte wohl besser wie teilweise in China ein 50/50 % Besitzklausel einführen sollen. 50 % Staatsbesitz/50 % Privat. Die Frage ist nur, ob sich ein Unternehmen eingelassen hätte. In China ist dann doch die Zukunft der Unternehmen sicherer.

    Aber Leute gebt den Ländern da unten Zeit. Nach und Nach packen die Länder es da unten und werden uns zurecht überholen. Vielleicht gerade weil sie andere Methoden haben.Ich wünsche den Ländern da unten alles Gute.

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    "Aber Leute gebt den Ländern da unten Zeit. Nach und Nach packen die Länder es da unten und werden uns zurecht überholen. Vielleicht gerade weil sie andere Methoden haben. Ich wünsche den Ländern da unten alles Gute." Da stimme ich zu, würde aber Bolivien ausdrücklich ausnehmen. Dort geht es leider schnur stracks in eine Sackgasse.

    • Otto2
    • 30. Dezember 2012 17:26 Uhr

    Mir fällt da noch ein Land ein, in dem 4 Energieversorger sich den Markt aufgeteilt haben.

    Eine Leserempfehlung
  3. Prinzipiell sollten alle Bereiche in Staatshand bleiben, die zum einen nur wenig Gewinnpotential haben ohne Qualitätsvernachlässigung/Menschengefährdung wie zb Krankenhäuser, Pflegeheime oder aber Monopol/Oligopolanfällige wie zb Energie,
    auch der Staat kann gute Manager einstellen, genauso effizent wie privat sein- nur der Gewinn ist niedriger weil dann bessre Gehälter gezahlt und die Kunden günstigere Produkte bekommen, genau deshalb scheinen Private besser, Lohndumpimg und überhöhte Preise bringen tolle Gewinne..
    Nicht verkaufen sondern Konkurrenz erlauben ist der richtige Schritt- und wenn man dann Strukturen vermietet muss Instandshaltung+Ausbau und Mindestlohn Vertraglich geregelt sein.

  4. Ach Gottchen, der gute Evo lässt aber auch kein einziges Fettnäpfchen aus. Ich gehe jede Wette ein, dass in wenigen Jahren der Strom aus den Nachbarländern importiert werden muss. Bolivien hat nicht (mehr) die Kapazitäten, um das Level zu halten. Ebenso wie beim Gas wird man dann am Ende auf den Ressourcen sitzen bleiben und NICHTS tun.
    Man gleitet dort leider immer weiter in die verklärte Vision einer "besseren" Indianerkultur auf Bronzezeitniveau ab. Mit Sozialismus hat es nicht mehr das Geringste zu tun, hier kann man einen kompletten Sonderweg der "malos gobiernos" betrachten, der von KEINEM anderen lateinamerikanischen Land mit Wohlwollen betrachtet, geschweige denn unterstützt wird. Man hält gebührenden Abstand und äussert sich neutral.
    Wo soll das noch hinführen? Soziale Gewalt ist an der Tagesordnung, angebliche "Stammeskonflikte", die seit Jahrhunderten gar nicht mehr existierten, werden geschürt, Nachbarstaaten bedroht (Chile), Lynchmorde als geltendes indianisches Recht toleriert. Armes Bolivien.

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    Leider gibt es neben Zeitgenossen, die kritiklos alle Aktionen von Morales oder Chavez gut finden, auch in diesem Forum Leute, die in ähnlicher ideologischer Verbortheit alles in diesen Ländern schwarz malen. Etwas Orientierung an den Fakten würde hier häufig gut tun - abgesehen davon, dass mir unersichtlich bleibt, inwiefern eine Nationalisierung mit bronzezeitlicher Indianerkultur zu tun hat (bei einer Regierung die massiv in - an anderer Stelle kritisierten - Straßenbau etc. investiert).

    Die komplette Stromerzeugung sowie 85% des Stromtransport befanden sich bereits zuvor in staatlicher Hand. Bisher bestehen keine Versorgungsengpässe, weitere Kraftwerksprojekte sind dennoch in Bau/in Planung. Und zur Anmerkung des "auf dem Gas sitzenbleiben": die Gasexporte verzeichnen seit 2006 Jahr für Jahr neue Rekorde bzgl. exportierter Menge und Einnahmen daraus.

    Lynchmorde werden, wenn auch leider schon einmal in der Zeit in einem etwas unglücklichen Artikel anders dargestellt, verfolgt. Sie widersprechen eindeutig der Verfassung und werden von der Regierung stets verurteilt. Es gibt sie, das ist bedauerlich und muss bekämpft werden, sie geschehen aber nicht im Einvernehmen mit der Regierung o.ä. (und sind leider ein Phänomen in einer Vielzahl von Entwicklungsländern mit schlecht ausgeprägtem Justizsystem).

    Eine positive Beurteilung der bolivianischen Wirtschaftspolitik erteilt übrigens auch der IWF:
    http://www.imf.org/extern...

  5. "Aber Leute gebt den Ländern da unten Zeit. Nach und Nach packen die Länder es da unten und werden uns zurecht überholen. Vielleicht gerade weil sie andere Methoden haben. Ich wünsche den Ländern da unten alles Gute." Da stimme ich zu, würde aber Bolivien ausdrücklich ausnehmen. Dort geht es leider schnur stracks in eine Sackgasse.

    Antwort auf "Skepsis ist angebracht"
    • Moringa
    • 30. Dezember 2012 18:26 Uhr

    wo jahrelang nichts investiert wurde und ganze Regionen schon tagelang ohne Strom waren, da das marode Netz zusammengebrochen ist oder die Bahn in GB.
    Tritt der Störfall ein, dann wissen die Konzerne auch schon, an wen sie sich wegen Instandsetzungs-Subventionen wenden: den Staat, um die Steuergelder anzuzapfen.
    Die zuvor gemachten Gewinne wurden nicht investiert, sondern großzügig ausgezahlt an die 'Investoren' und Anteilshaber.

    Antwort auf "Schade nur,"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Enteignung | Evo Morales | Bolivien | Aktie | Entschädigung | Strom
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