"Marco Polo"Größtes Containerschiff der Welt hält auf Hamburg zu

Die "Marco Polo" ist aufgestellt höher als das Empire State Building – 396 Meter. Das stahlgewordene Gleichnis der Globalisierung ist auf dem Weg nach Deutschland. von afp

Containerschiffe sorgen im Hamburger Hafen normalerweise für wenig Aufmerksamkeit. Die Marco Polo aber wird nur schwer zu ignorieren sein: Aufgerichtet wäre das Schiff, das am Mittwoch erstmals die Elbe befahren wird, mit 396 Metern Länge höher als das Empire State Building in New York. 16.020 Standardcontainer (TEU) kann das derzeit größte Containerschiff der Welt an Bord nehmen. Würden sie auf Lkw geladen, ergäbe allein die Fracht dieses Schiffes eine Fahrzeugschlange von 132 Kilometern. Das entspricht in etwa der Strecke Hamburg-Bremen auf der Autobahn.

Riesenfrachter wie die Marco Polo der französischen Reederei CMA CGM sind das vielleicht deutlichste Symbol für die Globalisierung und die Ausweitung des Welthandels. Die Containerschiffe, die mit Konsumartikeln, Autoteilen oder Unterhaltungselektronik pausenlos zwischen Asien , Nordamerika und Europa pendeln, werden immer größer. Galten Mitte der 90er Jahre Schiffe mit einer Kapazität von 7.000 TEU als groß, sind heute die doppelte Menge üblich. Auch die 16.000 TEU der Marco Polo sind nur eine Zwischenstation. 18.000-TEU-Schiffe werden schon gebaut.

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"Vor zehn Jahren hat keiner dieses Schiffsgrößenwachstum vorhergesehen", sagt Florian Marten, Sprecher der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), an deren Terminal am Burchardkai die Marco Polo bei ihrem ersten Deutschlandbesuch anlegt. Innerhalb weniger Stunden wird sie sich auf den Rückweg machen – via Bremerhaven, Malta und die Vereinigten Arabischen Emirate nach China , in die Riesenhäfen von Ningbo, Hongkong und Shenzhen , alle unter den Top Sechs der Welt. Dann beginnt ihre Rundreise nach Hamburg von vorne.

Containerschiffe werden trotz Krise immer größer

Selbst die Krise, in der sich die Containerschifffahrt aufgrund von Überkapazitäten und konjunkturellen Einbrüchen seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 befindet, kann die Entwicklung der Containerschiffe nicht bremsen. Im Gegenteil: Der Zwang zu Kostensenkungen im umkämpften Markt werde Reedereien weiter dazu zwingen, auf große Schiffe zu setzen, sagt Michael Bräuninger, Forschungsdirektor des Hamburger WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). "Zurzeit findet ein Verdrängungswettbewerb statt." Mittelfristig werde der Welthandel ohnehin weiter wachsen: "Die Globalisierung geht weiter."

Für Häfen und Umschlagsfirmen schafft der Containerboom seine ganz eigenen Herausforderungen. In Hamburg, dem zweitgrößten Containerhafen Europas, haben sich die Umschlagszahlen in den vergangenen 20 Jahren vervielfacht. Bewegte der Hafen 1990 knapp zwei Millionen TEU, waren es 2011 nach vorübergehendem starken Rückgang durch die globale Wirtschaftskrise rund neun Millionen.

Das bedeutet aber auch, dass immer mehr Container in derselben Zeit verladen und über den europäischen Kontinent verteilt werden müssen. Die Boxen aus Hamburg gehen bis nach Skandinavien und Osteuropa . "Die Umschlaggeschwindigkeit nimmt kontinuierlich zu", sagt HHLA-Sprecher Marten. Seine Firma betreibt unter anderem einen Containerbahnhof in Prag in Tschechien . Vier Mal am Tag fahren 700 Meter lange Shuttlezüge direkt von den Hamburger Terminals dorthin.

Unternehmensverbände drängen auf einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Ein in Hamburg besonders diskutiertes Thema ist die Elbvertiefung : Sie soll es Containerschiffen wie der Marco Polo ermöglichen, die Stadt unabhängig von den Gezeitenständen anzulaufen. In Hamburg, das seit Jahrhunderten gut vom Seehandel lebt, sorgt man sich, nicht mit den anderen Häfen mithalten zu können, wenn das von Umweltschützern mit Klagen bekämpfte Projekt nicht kommt. Konkurrenzhäfen wie das holländische Rotterdam warten schon.

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Leserkommentare
    • kamuka
    • 11. Dezember 2012 15:11 Uhr

    Ein größeres Schiff ist schneller und kostengünstiger, da die Geschwindigkeit von der Länge der Wasserlinie abhängt, und der Widerstand (und damit auch die benötigte Antriebsenergie) nur in der zweiten Potenz steigt, während die Tragfähigkeit in der dritten Potenz wächst.

    Größere Schiffe sind physikalisch bedingt immer besser (auch ökologisch), sobald man genug Fracht bewegen will, um es auslasten zu können. Wenn die Häfen nicht zu klein wären, würde man 500m Schiffe bauen.

    Dass das vor 10 Jahren -wie im Artikel geschrieben- noch niemand gewusst haben soll, halte ich für einen schlechten Witz. Die zugrunde liegenden physikalischen Gesetze sind spätestens seit dem 19. Jahrhundert bekannt.

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    "Dass das vor 10 Jahren -wie im Artikel geschrieben- noch niemand gewusst haben soll, halte ich für einen schlechten Witz. Die zugrunde liegenden physikalischen Gesetze sind spätestens seit dem 19. Jahrhundert bekannt."

    Das ist, glaube ich, auch nicht gemeint. Das so eine Ladungskapazität benötigt wird, damit hat niemand vor 10 Jahren gerechnet.

  1. aber es fehlte noch an der Infrastruktur drumherum.

    • fadda
    • 11. Dezember 2012 15:44 Uhr

    .. ist eine Aussage, die zur Zeit noch Bestand hat. Betrachtet man jedoch die Hafensituation längerfristig wird der Hafen in Wlhelmshaven zu dem "globalen Player". Die Nord-Ost Strecke über Russland wird neue Transportrouten nach Asien und somit nach China eröffnen (während/nach dem Schmelzen des Eis). Bis dahin wird die Infrastruktur und Logistik in und um Wilhelmshaven erweitert werden.
    In den nächsten 25-30 Jahren wird sich die Situation bzgl. dieser neuen Route verschärfen. Von Seite Chinas wurden bereits (verdeckt) im Jahr 2009 erste Versuche gestartet einen gigantischen Hafen für diese Route in Island zu erbauen. Die Regierung Islands hat den Verkauf der Fläche verboten und somit Chinas erste "Bemühungen" unterbunden.
    Wird die Elbvertiefung nicht durchgesetzt, hat der Hamburger Hafen in absehbarer Zukunft keine Chance mit Wilhelmshaven zu konkurrieren.

    • clausj
    • 11. Dezember 2012 15:56 Uhr

    ... für die geneigten ship-spotter :

    http://www.marinetraffic....

    • jagu
    • 11. Dezember 2012 15:56 Uhr

    Hamburg sollte mal sein produzierendes Gewerbe (die Klein- und Mittelbetriebe) etwas mehr fördern und sich so als intelligenter Produktions- und Innovationsstandort etablieren.

    Dieses Potential wird vor lauter Großmannssucht einfach verdaddelt.

    Wozu so große Schiffe und immer mehr Importwaren, wenn der Inlandsmarkt immer mehr kaputtgeht, die Bürger kein Geld mehr verdienen und es zusätzlich immer weniger werden?

  2. als Tourist einmieten habe ich mal gehört. Wäre eine Variante.

    Antwort auf "Kindheitstraum"
  3. mit Schweröl. Die Abgase ungefiltert in die Luft blasenden Monster verpesten nicht unerheblich die Umwelt. Gibt es eine Alternative zum Öl ausser Atomkraft für solche Schiffe?

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    Es gibt eine Alternative und zwar regionale Produktionsstätten. Produkte wieder vor Ort produzieren, da wo sie auch gebraucht werden. Aber das ist wohl nur noch absolute Sience-Fiction :-(

    Ja, sie sind groß. Und je größer sie sind, desto wirtschaftlicher und damit umweltfreundlicher sind sie.
    Eine wirkliche Alternative gibt's für den Antrieb nicht, aber möglicherweise eine sinnvolle Ergänzung, nämlich Segeln!
    http://www.konstruktionsp...

  4. Es gibt eine Alternative und zwar regionale Produktionsstätten. Produkte wieder vor Ort produzieren, da wo sie auch gebraucht werden. Aber das ist wohl nur noch absolute Sience-Fiction :-(

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Marco Polo | Containerschiff | Globalisierung | Hafen | Schiff | Unterhaltungselektronik
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