Deutsche BankFitschen genießt trotz Negativ-Schlagzeilen Schäubles Vertrauen

Betrugsvorwürfe, Razzien: Die Deutsche Bank kommt nicht mehr raus aus den Schlagzeilen. Finanzminister Schäuble ist dennoch überzeugt: Bankenchef Fitschen wird aufklären. von dpa

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank  |  © Lisi Niesner/Reuters

Nach den jüngsten Vorwürfen gegen die Deutsche Bank erwartet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) rasche Aufklärung. "Natürlich sind das alles keine guten Nachrichten und ich mache mir Gedanken", sagte Schäuble. "Aber ich habe die Zuversicht und das Vertrauen, dass die Verantwortlichen die Dinge ernst nehmen und möglichst schnell aufklären und abstellen." Eine stark auf Export orientierte deutsche Wirtschaft habe ein großes Interesse an leistungsfähigen Banken.

Die Deutsche Bank hatte in den vergangenen Wochen zahlreiche Negativ-Schlagzeilen gemacht: Weil dem Geldinstitut Steuerbetrug mit Emissionsrechten vorgeworfen wird, waren Büros gleich mehrfach von der Polizei durchsucht worden. Vom Oberlandesgericht München wurde die Bank zudem zu Schadenersatzzahlungen verurteilt , weil sie mitverantwortlich für die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch sein soll. Auch der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen , war in die Schlagzeilen geraten: Fitschen , gegen den im Zusammenhang mit den Luftverschmutzungsrechten auch wegen Steuerbetrugs ermittelt wird, hatte sich in einem Anruf bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) über die Razzia bei der Deutschen Bank beschwert. Das war von zahlreichen Politikern kritisiert worden.

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Aus Sicht von Schäuble ist Fitschen aber nach wie vor der richtige Mann für die künftige Spitze des Bankenverbandes und damit Ansprechpartner für die Politik. "Wenn er zwei Tage später sein Bedauern ausspricht und sich entschuldigt, dann – so finde ich – ist auch wieder gut." Fitschen habe eingeräumt, dass sein Anruf bei Bouffier ein Fehler gewesen sei.

Schäuble äußerte sich auch zu seinen Ambitionen auf den Posten des Euro-Gruppen-Chefs – hier mache er sich keine Gedanken mehr. "Ich glaube, ich habe in der Euro-Gruppe als deutscher Finanzminister meine Aufgabe wahrzunehmen", sagte er. Es zeichne sich eine Lösung für die Nachfolge von Jean-Claude Juncker ab, die er gut finde. Inzwischen gilt der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem als wahrscheinlicher Nachfolger. "Es spricht viel dafür, wenn das ein Finanzminister aus einem kleineren Land macht, das dazu beitragen kann, zwischen unterschiedlichen Standpunkten eine gemeinsame Linie zu finden", sagte Schäuble. Dijsselbloem werde von allen sehr geschätzt und sei hochkompetent.

Mit Blick auf die politische Entwicklung in Italien sagte Schäuble, das Land habe im letzten Jahr unter der Regierung von Mario Monti enorme Fortschritte gemacht. Jetzt gebe es in Italien in absehbarer Zeit Neuwahlen, und Wahlen seien immer mit Ungewissheit verbunden : "Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass sich die Bevölkerung in Italien daran erinnern wird, wie die Lage war, ehe Monti Ministerpräsident wurde und was seitdem alles geschafft wurde."

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Leserkommentare
  1. >> Betrugsvorwürfe, Razzien: Die Deutsche Bank kommt nicht mehr raus aus den Schlagzeilen. Finanzminister Schäuble ist dennoch überzeugt: Bankenchef Fitschen wird aufklären. <<

    ... brutalstmöglich vermutlich.

    So, wie man das auch von der CDU kennt - "ich kenne diesen Herrn gar nicht, ich kann mich an nichts erinnern".

    Brüder im Geiste.

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    bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt..

    Gruß
    Pitti

  2. "...Fitschen genießt trotz Negativ-Schlagzeilen Schäubles Vertrauen..."

    Wundert mich überhaupt nicht.

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    Staat und Banken sind Brüder im Geiste. Und persönlich gut bekannt und vertraut miteinander. Wer soll da schon Kontrolle oder nur Kritik üben? Etwa der Abnicker-Verein, der sich immer noch Volksvertretung nennt, für Regierung, Bundestag und Landtage gilt doch längst (abgewandelt) der Spruch von Brecht "Wäre es da nicht doch einfacher, diese Parlamente (die Regierungen) lösten das Volk auf und wählten ein anderes?"

  3. Staat und Banken sind Brüder im Geiste. Und persönlich gut bekannt und vertraut miteinander. Wer soll da schon Kontrolle oder nur Kritik üben? Etwa der Abnicker-Verein, der sich immer noch Volksvertretung nennt, für Regierung, Bundestag und Landtage gilt doch längst (abgewandelt) der Spruch von Brecht "Wäre es da nicht doch einfacher, diese Parlamente (die Regierungen) lösten das Volk auf und wählten ein anderes?"

  4. bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt..

    Gruß
    Pitti

    Antwort auf "Ja, ..."
    • AndreD
    • 21. Dezember 2012 11:14 Uhr

    Denn Herr Schäuble hält das Vorgehen des Herren ja für vollkommen normal.

  5. Das beruhigt vor dem Fest des Friedens doch ungemein: Unser Finanzminister, das ist der der von einem wegen Steuerhinterziehung verurteilten Waffenhändler eine höhere und nicht verbuchte Parteispende angenommen hat, stellt dem derzeit von der Staatsanwalt behelligten DB-Chef einen Persilschein aus. Das Signal ist doch überdeutlich: Steckt nach hessischen Muster die ermittelnden Beamten in die Psychiatrie und schon ist der Ärger vorbei…

  6. Wie war das den noch... CDU Parteispenden...wer ist da aufgefallen... wer ist wieder ganz oben?
    Wenn das kein Profi ist, erkann schon die richtige Hilfe sein.Für ihn ist wohl "alles" ganz normal. Was will das Wählervolk bzw. die Bevölkerung eigentlich von uns, sie "brauchen" uns doch...oder gebrauchen wir sie??? Alle Vorfälle wiederholen sich doch. Warum hat der Gesetzgeber wohl "politsche" Akten für viele Jahrzehnte weggeschlossen, sodas sie nicht von der Bevölkerung bzw. Jornalisten bekannt werden.
    Die meisten Bürger werden dann nicht mehr leben, oder ihnen ist es dann alles egal...diese brisanten Dinge. Wir warten und dann werden wir sehen.

  7. so das Gescherr - nichts Neues im Westen.

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