Deutsche BankKratzer an der Teflon-Bank

Jahrelang perlten Skandale und Prozesse an der Deutschen Bank ab. Doch nach den jüngsten Enthüllungen fürchtet Deutschlands größte Bank um ihr Image. von Malte Buhse

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt  |  © Hannelore Foerster/Getty Images

Die Szenen erinnerten an einen Actionfilm: Vergangene Woche Mittwoch parkten mehrere Polizeiautos vor den Zwillingstürmen der Deutschen Bank in Frankfurt. Bewaffnete Polizisten postierten sich vor dem Eingang. Wo in Werbespots sonst Banker in Nadelstreifenanzügen in lichtdurchfluteten Büros sitzen, durchsuchten 500 Fahnder Aktenschränke und beschlagnahmten Computer. Gleich vier Banker wurden abgeführt.

Der Verdacht: Die Deutsche Bank soll tief in den systematischen Umsatzsteuerbetrug mit CO2-Emissionszertifikaten verstrickt sein. Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen war von der Razzia so geschockt, dass er Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier anrief und sich über die Methoden der Fahnder beschwerte. Die Bilder von bewaffneten Polizisten in seiner Bank hätten eine verheerende Wirkung auf das Image der Bank, so Fitschen laut Spiegel . Auch gegen ihn wird in der Affäre ermittelt.

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Die vergangene Woche war ein Fiasko für Vorstandschef Fitschen. Nur zwei Tage nach der Razzia entschied das Oberlandesgericht München , dass die Bank Schadensersatz in noch unbekannter Höhe an die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch zahlen muss.

Der ehemalige Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer hatte 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt. Kirch warf der Bank danach vor, für die Pleite seines Konzerns verantwortlich gewesen zu sein.

Deutsche Bank setzt Reputation aufs Spiel

Mehrfach hat die Bank ihre Reputation aufs Spiel gesetzt. Das allerdings hat sie in der Vergangenheit kaum gestört. Die Deutsche Bank, sie schien ein Schutzschild aus Teflon zu besitzen: Vorwürfe perlten einfach an ihr ab. Schon seit Jahren gilt sie in der breiten Bevölkerung als Inbegriff des Raubtierkapitalismus. Ackermanns 25-Prozent-Renditeziele und sein allzu selbstsicheres Auftreten in Talkshows haben dazu beigetragen.

Unvergessen sein Victory-Zeichen nach dem gewonnenen Mannesmann-Prozess im Jahr 2004. Jahrelang landete Ackermann in den Ranglisten der beliebtesten Manager abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Auch wenn er einmal beteuerte: "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen."

Dann kam 2008 die Finanzkrise. Und obwohl die Deutsche Bank als eines der wenigen Geldhäuser nicht vom Staat gerettet werden musste, litt ihr Image weiter. Sie soll eine entscheidende Rolle beim Handel mit Hypothekenkrediten in den USA gespielt haben und saß damit direkt im Epizentrum der weltweiten Krise.

Leserkommentare
  1. ... sind die Geschäfte, welche Banken LEGAL machen. Giralgeldschöpfung. Zinsen vereinnahmen. Für Nix. Das sind die wahren Gründe für die Krise, die wir seit 2008 sehen. Aber darüber wird der Mantel des Schweigens gedeckt. Kritik unerwünscht, weil sie das System an sich in Frage stellt. Einzelheiten HIER

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    Zinsen (=Anlegerrisiko) allein sind nicht das Problem. Man könnte die Bank einfach fallen lassen in Krisenzeiten - wie das früher mal der Fall war. Nur die Symbiose aus Zinsen und der staatlichen Fürsorge für Banken (=kein Risiko; Plünderung der Staatskasse) werden zum großen Gesamtproblem.

  2. ...wie sie die Qualitätspresse schreibt.

    Jeder mit einem Quentchen Restintelligenz denkt sich seinen Teil, der Rest stimmt alle vier Jahre für die Beibehaltung der Zustãnde.

    18 Leserempfehlungen
    • HH1960
    • 17. Dezember 2012 20:55 Uhr

    ...indem er sein Geld von der Deutschen Bank / Postbank abzieht und zur Sparkasse oder RaiBa wechselt. Gerade die Kunden der zur DB gehörenden Postbank sollten dieses tun.

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    Nachdem die Postbank mich ein zweites Mal wegen der von ihr selbstverschuldeten Fehler bei der Schufa anschwärzen wollte, bin ich - endlich - fort.
    Sie glauben gar nicht, wie gut ich seitdem schlafen kann -
    ohne diese ständige Bedrohung durch diese Schalterbeamten voll ungetrübter Unkenntnis und absoluter Obrigkeitsstaathörigkeit.
    Da hat die Deutsche Bank mit ihren amerikanischen Hypothekenprofiten doch genau die passende Filialkette gekauft ...

    Genau, nach Jahrzehnten als Postbank (vorher Posgiroamt, davor Postscheckamt) Kunde habe ich nach dem Verkauf an die Deutsche Bank mit meine Geschäftsbeziehung beendet.
    1909 Gegründet hatte das Postscheckamt die Aufgabe eine Deutschlandweiten Zahlungsverkehr für *alle* Bürger des Lander bereitzustellen. Jeder konnte dort ein Konto bekommen, davon Träumen Sozialhilfe und H4 BezieherInnen heute!

    Die Deutsche Bank hat vor der Finanzkrise aktiv die Privatkunden vergrault, weil mit diesen keine riesigen Spekulationsgewinne zu machen sind.
    Ob sie jetzt wieder an Kleinvieh interessiert sind?

    Wo versteckt sich Ackermann? Ein Kommentar des großen Zampano würde mich interessieren...

  3. Bisher haben alle Skandale dem Image nicht geschadet? Steile Behauptung!

    Der normale Mensch "auf der Straße" haben die sicherlich interessiert. Und so peu à peu wandelte sich das Bild.
    Schlechter könnte es wohl kaum noch werden. Welche Werte ausser Dreistigkeit und Schläue kann man denn noch verbinden mit diesem Namen? Aber wenn man meint diese Werte sind hoch zu bewerten heutzutage, ok...wenn selbst die Schläue fragwürdig wird...

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    • Burts
    • 18. Dezember 2012 2:05 Uhr

    Das gleiche habe ich beim Lesen auch gedacht, bei mir ist das Image dieser Bank schon lange so tief, dass es nicht mehr sinken kann. Ich erwarte auch garnichts gutes mehr. Dieser Skandal überrascht mich auch nicht, ich erwarte in der Zukunft nur noch schlimmeres.

  4. Die Deutsche Bank erscheint wie die kleine Schwester von Goldamnn Sachs in Deutschland, Sie korrumpiert die Politik, finanziert Streubombenhersteller, verkauft Schrottpapiere an Landesbanken, steht über dem Gesetz, ist maßgeblich am Derivatekartell und der Nahrungsmittel- und Rohstoffspekulation (Kupfer) beteiligt...

    Alles im Dienste der neoliberalen, imperialistischen Agenda. Der neueste Coup: ethnische Säuberung, iranischstämmigen Kunden wird das Girokonto gekündigt:

    http://www.taz.de/Embargo-trifft-Privatkunden/!107553/

    Praktisch: der Urgroßonkel des "sozialdemokratischen" Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, Adelbert Delbrück, spielte bei der Gründung der Deutschen Bank eine entscheidende Rolle:

    "In Berlin zeigte sich eine Reihe von Privatbankiers neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen; ihre treibende Kraft war Adelbert Delbrück, der als der „eigentliche Gründer“ der Deutschen Bank gilt."

    https://www.deutsche-bank...

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    • tirili
    • 17. Dezember 2012 22:49 Uhr

    ebenso in den ehrenwerten Landesbanken, allen voran die Bankgesellschaft Berlin samt allen ihren verschleiernden Umbennungen (neuerdings brave Sparkasse) inkl. ihrer bad bank (öffentliches Unternehmen berlinovo).

    • S0T86
    • 18. Dezember 2012 0:42 Uhr

    Eigentlich ein guter Kommentar...

    Allerdings ist interessant, wie hier wieder ein merkwürdiger und etwas angestrengter Zusammenhang zu Steinbrück konstruiert wird.

    Merkel hat natürlich wieder alles richtig gemacht, als sie damals mit deutschen Steuergeldern den amtierenden Bankmanager Ackermann in freundlicher Atmosphäre ins Bundeskanzleramt einlud. Aber Steinbrück muss sich für seinen Urgroßonkel (!) rechtfertigen. Die gute Doppelmoral, wie ich sie liebe.

  5. Liegt es nicht auch an der medialen Berichterstattung, ob - um abstrakt zu bleiben - eine Unternehmung, ihre Führungsmannschaft eher unbehelligt trotz erheblicher Fehlleistungen am Rande der Legalität oder gar darüber hinweg machen kann was sie und sogar noch einen guten Ruf medial hinterher geschrieben bekommt?

    Mit schwant, in der Ära nach Ackermann als Freund des Bundeskanzleramtes und anderer politischer Beamter und/oder Berater im Staatsdienst hat man journalistisch nicht immer so ganz seine Verantwortung als vierte Gewalt genüge getan, wie es an sich wünschenswert ist - in einer Demokratie.

    Man fragt sich eigentlich, warum die Staatswanltschaft erst nach der Ära Ackermann die DB "besuchte"?

    Immerhin ist lt. Wikipedia

    "Von 2002 bis 2006 war er der 18. Vorstandssprecher, von 2006 bis Ende Mai 2012 der alleinige Vorsitzende des Vorstands und des Group Executive Committee der Deutschen Bank AG."

    und der Grund der Ermittlungen - veröffentlicht 03/2011:

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    und dem Textauszug dort:

    "Nach einer bundesweiten Razzia vor knapp einem Jahr hätten die Ermittler weitreichende Erkenntnisse gesammelt. Nach Informationen der Zeitung sitzen vier Beschuldigte in Untersuchungshaft, einige schon seit fast einem Jahr."

    An sich Zeit, doch noch einmal genauer unter den Teppich zu gucken oder in diversen Kellern abzusteigen...

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    dann doch die familie (holtzbrinck) vor.

    Einmal ein "nach" streichen.

  6. und weiterhin funktioniert. Aber mit der Deutschen Bank hat man ein dankbare Projektionsfläche für das dumpfe Empfinden das man großflächig verarscht wird von dieser Art von Spezialisten.

    Zuviel Erfolg in den Krisenjahren und eine zu dicke Lippe bei den Chefs sind Indikatoren, dass es den Richtigen trifft.

    Und wer schon im klassischen Geschäft ein Gebahren hat wie Breuer gegenüber Kirch zu Tage legt, wo jeder Laie zu dem gleichen Schluß kommt wie jetzt das Gericht, da muß man sagen, ja der Lack ist ab. Und viel war nicht dahinter ausser Gesetze dehnen und biegen und ein Haufen Anwälte der hinter den Chefs aufräumen muß.

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    • KHans
    • 17. Dezember 2012 21:21 Uhr

    Wer glaubt, es handle sich um einen Einzelfall täuscht sich.
    Deutsche Banken und deren gutgläubige Kunden waren beliebtes Ziel der amerikanischen Spekulanten vor der ersten Sub-prime-Krise.

    Passiert ist, trotz der Steinbrück-Merkel'schen Versprechen 2008, viel zu wenig bis nichts. Die GIER der sogenannten "ELITEN" läßt das Vertrauen immer weiter erodieren.
    Was die Deutsche Bank und andere banken tun, ist deshalb volkswirtschaftlich gesehen eine Form des Hochverrats.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Jürgen Fitschen | Bank | Leo Kirch | Deutsche Bank | Actionfilm | Anshu Jain
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