UrteilDeutsche Bank muss Kirch-Erben Schadenersatz zahlen

Die Erben des Medienmoguls Leo Kirch haben den jahrelangen Rechtsstreit mit der Deutschen Bank gewonnen. Das Geldinstitut muss zahlen. von afp und dpa

Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer (r.) am 25. März 2011 (Archiv)

Leo Kirch (l.) und Rolf Breuer (r.) am 25. März 2011 (Archiv)  |  © Michael Dalder/Reuters

Die Deutsche Bank muss den Erben des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch Schadenersatz zahlen. Das Oberlandesgericht München verurteilte das Kreditinstitut zu einer Zahlung, weil der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer im Jahr 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt hatte.

Der im Juli vergangenen Jahres verstorbene Kirch hatte der Bank vorgeworfen , für die Pleite seines Imperiums verantwortlich zu sein. Seine Erben setzten den seit gut zehn Jahren laufenden Rechtsstreit mit der Deutschen Bank fort.

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Noch ist nicht klar, wie viel Geld sie bekommen werden – die genaue Höhe des Schadenersatzes sollen Gutachter feststellen. Eine Revision gegen das Urteil hat das Gericht nicht zugelassen.

Richter Guido Kotschy hatte schon im November die Einschätzung geäußert, durch das umstrittene Interview Breuers zur Kreditwürdigkeit Kirchs sei ein Schaden von 120 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro entstanden. Nun hatte er diese Einschätzung bekräftigt.

Interview soll Kirch-Pleite ausgelöst haben

Breuer hatte im Februar 2002 in einem Fernsehinterview auf die Frage nach den Zukunftschancen des hochverschuldeten Kirch-Konzerns gesagt: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Kurz darauf erhielt Kirch tatsächlich keine weiteren Kredite mehr und musste Insolvenz anmelden.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere gehörte Kirch der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 und der Bezahlsender Premiere (inzwischen Sky ).
 

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Leserkommentare
  1. Mal ganz abgesehen von der Höhe der Zahlungen, war das doch eine ganz klare Managerfehlleistung.

    Muss der Herr Breuer jetzt in irgendeiner Form, mit seinem privaten Vermögen haften? oder gilt auch hier das man bei Erfolg abkassiert und bei Misserfolg den goldenen Handschlag erhält?

    Wenn nichts passiert, frage ich mich wieso verschiedene Manager so hohe Bezüge erhalten. Vor allem wenn sie ungestraft solche Böcke schießen dürfen.

    • Sauzahn
    • 14. Dezember 2012 16:01 Uhr

    Schließlich werden etliche Firmen durch unbedachte Äußerungen und Handlungen von Bankleuten in den Ruin getrieben. Nur können die sich dann keinen Prozess mehr leisten.

  2. Glauben Sie tatsächlich ohne eine solche würde sich irgendein Mensch, der bei wachem Verstand ist, diesen Job antun? Und grobe Fahrlässigkeit ist immer schwer zu belegen....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Allerdings sind dabei die Leistungen je Versicherungsfall der Höhe nach begrenzt, in einem mir bekannten Beispielfall z. B. auf 3 Millionen Euro:

    http://www.dualdeutschlan...

    Vielleicht gibt es für Spitzenmanager der Dax-Konzerne auch höhere Versicherungssummen. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass eine solche Versicherung die hier mögliche Summe von 1 Milliarde Euro oder mehr bezahlt. Selbst die Haftpflichtversicherung für die sicheren Atomkraftwerke zahlt höchstens 255,6 Millionen, das Restrisiko decken die Betreiber durch gegenseitige Zusagen bis zu 2,5 Milliarden.

    • Taranis
    • 14. Dezember 2012 16:23 Uhr

    Muss daraus schlußfolgern nun das Land BW auch schadensersatz an Porsche zahlen, weil sich der damals amtierende Mappus aktiv dafür einsetzt hat, daß Porsche im Übernahmekampf mit VW keine weiteren Kredite erhält?
    Ich mein wenn die hohe Verschuldung des Kirchimperiums nicht an der Konzernpleite beteiligt war, kann Porsche auch nicht für die verlorene Übernahme und damit einhergehende Verschuldung verantwortlich gemacht werden. Wenn die deutsche Bank nun für alle Aussagen ihres ehemaligen Chefs verantwortlich ist, so ist auch BW Rechtsnachfolger aller Patzer Mappus'.

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    • Klüger
    • 14. Dezember 2012 16:54 Uhr

    ... denn die Bank und Kirch hatten ein Kundenverhältnis.

    Und da darf die Bank ja nicht öffentlich gegen ihre Kunden agieren, denn die Kenntnis der finanziellen Umstände wird ja durch Banken- und Mandantengeheimnis geschützt.

    Kredite durfte die Bank verweigern aber nicht dies öffentlich erklären, solange ein Kundenverhältnis bestand.

    M. E. gab es zwischen dem Land BW und Porsche kein Kundenverhältnis, das dem Bankengeheimnis unterliegt.

    • Klüger
    • 14. Dezember 2012 16:54 Uhr

    ... denn die Bank und Kirch hatten ein Kundenverhältnis.

    Und da darf die Bank ja nicht öffentlich gegen ihre Kunden agieren, denn die Kenntnis der finanziellen Umstände wird ja durch Banken- und Mandantengeheimnis geschützt.

    Kredite durfte die Bank verweigern aber nicht dies öffentlich erklären, solange ein Kundenverhältnis bestand.

    M. E. gab es zwischen dem Land BW und Porsche kein Kundenverhältnis, das dem Bankengeheimnis unterliegt.

    Antwort auf "Schlußfolgerung"
  3. Allerdings sind dabei die Leistungen je Versicherungsfall der Höhe nach begrenzt, in einem mir bekannten Beispielfall z. B. auf 3 Millionen Euro:

    http://www.dualdeutschlan...

    Vielleicht gibt es für Spitzenmanager der Dax-Konzerne auch höhere Versicherungssummen. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass eine solche Versicherung die hier mögliche Summe von 1 Milliarde Euro oder mehr bezahlt. Selbst die Haftpflichtversicherung für die sicheren Atomkraftwerke zahlt höchstens 255,6 Millionen, das Restrisiko decken die Betreiber durch gegenseitige Zusagen bis zu 2,5 Milliarden.

  4. Interessant ist:
    Laut Süddeutscher sollen die Prozessbevollmächtigten der beklagten Deutschen-Bank folgendes vorgetragen haben:
    Zitat Süddeutsche Zeitung:
    " Zudem forderten sie gerichtlichen Schutz davor, dass die Kirch-Seite ihr Geld per Gerichtsvollzieher eintreiben kann. Eine Vollstreckung würde die "Zahlungsdienstleistungen für die Kunden erheblich beeinträchtigen" und führe zu "massiven Kollateralschäden".
    http://www.sueddeutsche.d...
    Zitat-Ende

    Hier wäre eine Klärung durch die Deutsche Bank dringend erforderlich, warum die Deutsche Bank den Gerichtsvollzieher offenbar so fürchtet, denn der kommt eigentlich nur, wenn der Titel wegen Nichtzahlung der Summe im Urteil vollstreckt werden muss.

  5. ...und das ist gut so!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sk
  • Schlagworte Leo Kirch | Erbe | Euro | Gericht | Insolvenz | Karriere
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