Polizeiautos vor dem Sitz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main © Kai Pfaffenbach/Pfaffenbach

Anshu Jain und Jürgen Fitschen hatten als neue Chefs der Deutschen Bank erklärt, einen Kultur- und Imagewandel zu wollen . Nach der Ära Ackermann wollten sie den Ruf des Geldhauses wieder aufpolieren. Doch nur knapp sieben Monate nach ihrem Amtsantritt hat die Vergangenheit die beiden neuen Vorstandsvorsitzenden wieder eingeholt.

Seit Mittwoch wird gegen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause ermittelt. Während der groß angelegten Razzia in der Frankfurter Zentrale und weiteren Niederlassungen der Bank wurden fünf Angestellte festgenommen. Insgesamt werden 25 Beschäftigte verschiedener Delikte beschuldigt – darunter Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung. Die Ermittlungen gelten als härtester Schlag der Behörden gegen eine große deutsche Bank seit vielen Jahren.

Gegen Mitarbeiter der Bank wird schon seit dem Frühjahr 2010 ermittelt . Ihnen wird vorgeworfen, den Staat im Handel mit CO2-Emissionszertifikaten um viele Hundert Millionen Euro betrogen zu haben. Es geht um Umsatzsteuerbetrug im großen Stil, ermöglicht durch ein sogenanntes Umsatzsteuerkarussell.

Fiskus erstattet nie gezahlte Steuer zurück

Die Wege solcher Karussells sind schwer nachzuvollziehen. Dabei funktionieren sie nach einem einfachen Prinzip. Die Betrüger importieren Waren aus dem Ausland, ohne dafür eine Umsatzsteuer zu deklarieren oder abzuführen. Dann werden die Produkte über eine Kette aus Zwischenhändlern mehrmals weiterverkauft, bis sie am Ende wieder ins Ausland exportiert werden. Der Exporteur lässt sich vom Fiskus die angeblich gezahlte Umsatzsteuer auszahlen und teilt sie unter allen Beteiligten auf.

Solche kriminellen Geschäfte funktionieren mit allen möglichen Waren. Beliebt sind Autos – und eben Emissionszertifikate. Die lassen sich besonders schnell verkaufen, weil die Beteiligten am Handel gar nicht im Besitz der physischen Zertifikate sein müssen. Sie veräußern virtuelle Finanzpapiere, gesteuert von Computern.

Für die Ermittler sind die Wege der Papiere schwer nachzuverfolgen. Ihre Spur führt über die halbe Welt in zahlreiche Länder zu Firmen, die heute teils gar nicht mehr existieren. Sie waren nur als Schein-Unternehmen für den kriminellen Zertifikatehandel gegründet worden. Immer wieder landen die Spuren jedoch bei der Deutschen Bank. 

Schon vor mehr als zwei Jahren waren die Räume der Bank deshalb durchsucht worden. Angeblich bekamen die Verantwortlichen des Instituts damals vor der Razzia Hinweise aus den Behörden. Diesmal kam der Besuch von rund 500 Staatsanwälten, Steuerfahndern und Kriminalpolizisten überraschend für die Mitarbeiter des Geldinstituts. Durchsucht wurde nicht nur die Zentrale in Frankfurt am Main , sondern Geschäftsräume und Privatwohnungen bundesweit.