Am offiziell letzten Tag des Klima-Gipfeltreffens ist es bereits dunkel in Katars Hauptstadt Doha – doch die Verhandlungen könnten sich noch lange hinziehen. Viele halten es sogar für wahrscheinlich, dass die Teilnehmer die Gespräche um einen Tag verlängern müssen, ähnlich wie schon im Vorjahr in Durban . Damals tagte man bis in die frühen Sonntagmorgenstunden.

Im Wesentlichen geht es um drei strittige Punkte: das Kyoto-Protokoll, die Finanzierung des Klimaschutzes und die Klimaschäden. In allen drei Bereichen seien die bislang vorliegenden Gipfelpapiere für die Entwicklungsländer nicht zustimmungsfähig, sagen Vertreter deutscher Umwelt- und Hilfsorganisationen.

Damit scheint die Chance vertan, dass sich EU und ambitionierte Entwicklungsländer in Doha gemeinsam für mehr Fortschritte im Klimaschutz starkmachen – anders als noch im Vorjahr, als diese Allianz für Bewegung in den Verhandlungen bewirkt hatte.

Ein "eklatanter Mangel an politischem Willen" verhindere bislang eine solche Allianz, sagte Thomas Hirsch, Klimaexperte der Hilfsorganisation Brot für die Welt.

Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier hatte noch am Freitagmittag gesagt, dass sich eine Einigung zu Kyoto abzeichne. Innerhalb der EU habe man "einen vernünftigen Kompromiss erzielt, der auch den Interessen unserer polnischen Freunde gerecht wird", sagte Altmaier. So wolle man die Übertragung von Verschmutzungsrechten in die nächste Kyoto-Periode erlauben, aber die Möglichkeit ihres Verkaufs nur unter "ganz restriktiven Bedingungen" erlauben. Und sollten sich die Europäer in Doha nicht auf ein Emissionsziel von 30 Prozent einigen können, so müsse man "Verfahren schaffen, die sicherstellen, dass wir dies so bald wie möglich erreichen".

Das klang wie ein vernünftiger Kompromiss – für die Europäer. Doch wenig später hieß es, für die Entwicklungsländer sei diese Regelung absolut untragbar. Sie würden ihr auf keinen Fall zustimmen.

Ein wenig Annäherung bei der Finanzierung

Beim Streit über die Finanzierung bewegte sich etwas mehr: Mehrere europäische Länder, darunter auch Deutschland und die europäische Kommission hatten während des Gipfels angekündigt, den Entwicklungsländern in den kommenden Jahren fast sieben Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, damit diese ihren Kampf gegen die Folgen der Erderwärmung leichter finanzieren können.

Europa habe in diesem Bereich das "Eis gebrochen" und die Entwicklungsländer hätten das mit großer Anerkennung aufgenommen, sagte Altmaier. Er bedaure jedoch, dass es darüber hinaus in Doha wohl keine weitere Einigung über verbindliche Zahlen geben werde.

Genau das ist aber ein Knackpunkt der Verhandlungen: Die Entwicklungsländer fordern 60 Milliarden Dollar für die nächsten drei Jahre. Vor allem aber möchten sie verlässliche Zahlen darüber, wie die Summe künftig Jahr für Jahr erhöht werden soll, bis dann im Jahr 2020 die versprochenen 100 Milliarden Dollar jährlich gezahlt werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Industrieländer sich in Doha auf solch weitreichende und detaillierte Zusagen einlassen.

Schließlich gibt es seit Jahren eine Diskussion über den dritten Streitpunkt: die Klimaschäden, im Gipfeljargon "loss and damages" genannt.

Die Entwicklungsländer hatten sich erhofft, in Doha einen Weg zu finden, um den Umgang mit Klimaschäden in den Verhandlungsprozess einzubauen. Doch die Industrieländer fürchten, dadurch künftig haftbar zu werden. Bislang hat sich in diesem Punkt kaum etwas bewegt.