Klimagipfel in DohaZu viele Details, zu wenig Zeit

Die Verhandlungen auf dem UN-Klimagipfel in Katar sollten heute Nacht enden. Doch noch immer sind sich die Kontrahenten in vielen Fragen uneins. von 

Der Klimagipfel in Doha

Der Klimagipfel in Doha  |  © Mohammed Dabbous/Reuters

Am offiziell letzten Tag des Klima-Gipfeltreffens ist es bereits dunkel in Katars Hauptstadt Doha – doch die Verhandlungen könnten sich noch lange hinziehen. Viele halten es sogar für wahrscheinlich, dass die Teilnehmer die Gespräche um einen Tag verlängern müssen, ähnlich wie schon im Vorjahr in Durban . Damals tagte man bis in die frühen Sonntagmorgenstunden.

Im Wesentlichen geht es um drei strittige Punkte: das Kyoto-Protokoll, die Finanzierung des Klimaschutzes und die Klimaschäden. In allen drei Bereichen seien die bislang vorliegenden Gipfelpapiere für die Entwicklungsländer nicht zustimmungsfähig, sagen Vertreter deutscher Umwelt- und Hilfsorganisationen.

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Damit scheint die Chance vertan, dass sich EU und ambitionierte Entwicklungsländer in Doha gemeinsam für mehr Fortschritte im Klimaschutz starkmachen – anders als noch im Vorjahr, als diese Allianz für Bewegung in den Verhandlungen bewirkt hatte.

Ein "eklatanter Mangel an politischem Willen" verhindere bislang eine solche Allianz, sagte Thomas Hirsch, Klimaexperte der Hilfsorganisation Brot für die Welt.

Klimaabkommen

Die Weltgemeinschaft verhandelt auf dem Klimagipfel in Doha fünf Punkte. Erstens haben die Verhandlungsparteien sich in Durban verpflichtet, endlich ein umfassendes, international gültiges Klima-Abkommen zu entwerfen, das 2015 verabschiedet werden soll und 2020 in Kraft tritt. In Doha will man ein Arbeitsprogramm formulieren, das möglichst konkrete Schritte festlegt, um das Ziel zu erreichen.

Kyoto-Protokoll Plus

Zweitens soll das Kyoto-Abkommen, das Ende des Jahres ausläuft, verlängert werden. An einer zweiten Phase werden sich aber nur noch wenige Staaten beteiligen. Gemeinsam verursachen sie nur rund 15 Prozent der globalen Emissionen. In Doha wird darüber verhandelt, wie hoch ihre Verpflichtungen sein werden, wie lange die zweite Kyoto-Phase dauern soll und ob die teilnehmenden Staaten nicht genutzte Emissionsrechte aus der ersten Phase in die zweite übertragen dürfen.

Weil die bisherigen Versprechen nicht ausreichen, will Deutschland mit der EU außerdem möglichst viele Staaten zu weiteren Zusagen bewegen. Die deutsche Regierung hofft auf eine Allianz der "Vorreiterstaaten".

Entwicklungsländer

Viertens geht es um die Frage, wie die Entwicklungsländer ihre Anpassung an den Klimawandel finanzieren können. Die Industriestaaten haben zugesagt, von 2010 bis 2012 eine Anschubfinanzierung in Höhe von 30 Milliarden Dollar zu leisten. Bis 2020 sollen 100 Milliarden Dollar jährlich fließen. Was in den Jahren dazwischen passieren soll, ist offen. Hilfs- und Umweltorganisationen fordern, künftig die Emissionen aus dem internationalen Schiffs- und Flugverkehr, die bisher nicht in den Zertifikatehandel einbezogen werden, finanziell zu belasten. Das würde Geld bringen und zugleich den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren.

Fünftens sollen unterschiedliche Verhandlungsstränge, die auf verschiedenen früheren Klimakonferenzen begonnen wurden, in Doha formal beendet und in eine einzige Verhandlungsplattform überführt werden. So will man die künftigen Klimagespräche erleichtern.

Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier hatte noch am Freitagmittag gesagt, dass sich eine Einigung zu Kyoto abzeichne. Innerhalb der EU habe man "einen vernünftigen Kompromiss erzielt, der auch den Interessen unserer polnischen Freunde gerecht wird", sagte Altmaier. So wolle man die Übertragung von Verschmutzungsrechten in die nächste Kyoto-Periode erlauben, aber die Möglichkeit ihres Verkaufs nur unter "ganz restriktiven Bedingungen" erlauben. Und sollten sich die Europäer in Doha nicht auf ein Emissionsziel von 30 Prozent einigen können, so müsse man "Verfahren schaffen, die sicherstellen, dass wir dies so bald wie möglich erreichen".

Das klang wie ein vernünftiger Kompromiss – für die Europäer. Doch wenig später hieß es, für die Entwicklungsländer sei diese Regelung absolut untragbar. Sie würden ihr auf keinen Fall zustimmen.

Ein wenig Annäherung bei der Finanzierung

Beim Streit über die Finanzierung bewegte sich etwas mehr: Mehrere europäische Länder, darunter auch Deutschland und die europäische Kommission hatten während des Gipfels angekündigt, den Entwicklungsländern in den kommenden Jahren fast sieben Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, damit diese ihren Kampf gegen die Folgen der Erderwärmung leichter finanzieren können.

Alexandra Endres
Alexandra Endres

Alexandra Endres ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Europa habe in diesem Bereich das "Eis gebrochen" und die Entwicklungsländer hätten das mit großer Anerkennung aufgenommen, sagte Altmaier. Er bedaure jedoch, dass es darüber hinaus in Doha wohl keine weitere Einigung über verbindliche Zahlen geben werde.

Genau das ist aber ein Knackpunkt der Verhandlungen: Die Entwicklungsländer fordern 60 Milliarden Dollar für die nächsten drei Jahre. Vor allem aber möchten sie verlässliche Zahlen darüber, wie die Summe künftig Jahr für Jahr erhöht werden soll, bis dann im Jahr 2020 die versprochenen 100 Milliarden Dollar jährlich gezahlt werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Industrieländer sich in Doha auf solch weitreichende und detaillierte Zusagen einlassen.

Schließlich gibt es seit Jahren eine Diskussion über den dritten Streitpunkt: die Klimaschäden, im Gipfeljargon "loss and damages" genannt.

Die Entwicklungsländer hatten sich erhofft, in Doha einen Weg zu finden, um den Umgang mit Klimaschäden in den Verhandlungsprozess einzubauen. Doch die Industrieländer fürchten, dadurch künftig haftbar zu werden. Bislang hat sich in diesem Punkt kaum etwas bewegt.

Leserkommentare
  1. für den Klimaschutz.

    Da sollten wir uns jetzt mal zufrieden zurücklehen und auch mal anderen Industriestaaten die Führungsrolle überlassen.

    Irgendwer muss schliesslich auch den Euro retten.

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  2. Es hätte auch heißen können: Bei Ankunft tot.

  3. Der Klimaschutz hat globale Bedeutung. Aber hier wird so getan, als ob das niemanden was angeht. Bevor keine Lösung für das dringendste Problem der Menschheit gefunden ist, kann der Klimagipfel nicht enden. Ich verweise dazu gerne auf das Sprichwort: nach mir die Sintflut. Aber diesmal wird es nicht bei der Theorie bleiben. Vielleicht haben wir es auch einfach nicht verdient, diesen wunderschönen und einzigartigen Planeten zu bewohnen. Denn sorgfältig gehen wir damit nicht um.

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    Vielleicht hülfe es, wenn man sich auf die Sippenhaft besinnen würde ....

    • S0T86
    • 07. Dezember 2012 18:27 Uhr

    Fürs Klima wird sich niemand ausreichend einsetzen. Die Realitätsverweigerer aka Treibhausleugner haben ganze Lobbyarbeit geleistet. Es regiert der Hedonismus/Materialismus und damit Gleichgültigkeit gegenüber der Zukunft.

    Geld ist wichtiger als Menschenleben und Natur. Das sind die Realitäten einer korrupten Zeit.

  4. sind möglicherweise dies hier:

    ° Sandy

    ° Eine <a href="http://www.nytimes.com/2012/12/07/us/season-has-changed-but-the-drought-...öhnlich lange Dürre in den USA</a>. Selbst im Winter dauern Waldbrände an, Flüsse führen kaum mehr Wasser. "Über 62 Prozent der USA sind Opfer mäßiger bis ungewöhnlich starker Dürre."

    Und das könnte kommen von:

    ° <a href="http://usnews.nbcnews.com/_news/2012/12/06/15730539-2012-warmest-year-in... - wärmstes Jahr der Geschichte in den USA?</a>.

    "Die Wahrscheinlichkeit, dass dem so ist, steigt auf 99,7 Prozent." Nur ein kälterer Dezember als der bisher kälteste aller Dezember Zeiten in den USA (und der war 1983) könnte den rekord noch verhindern.

    Und diese Folgen kosten eben eine Kleinigkeit. Sandy allein kostete in paar Millarden.

    Ganz genau werden wir es wissen, wenn es ein paar Billionen geworden sind, denn hinterher ist man ja immer schlauer.

    Antwort auf
  5. 7. ?????

    Vielleicht hülfe es, wenn man sich auf die Sippenhaft besinnen würde ....

    Antwort auf "Wenn die Gier regiert!"
    • Xdenker
    • 07. Dezember 2012 18:42 Uhr

    Man kann den Eindruck gewinnen, Frau Endres schreibe für Greenpeace, Oxfam, Brot für die Welt, BUND, NABU, WWF und Germanwatch. Es gibt aber auch andere Meinungen zu einer vernünftigen, deutschen Weltklimapolitik, selbst wenn man sie hier nicht liest.

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