Die Energiewende kommt zu langsam voran. So sehen es jedenfalls die vier Regierungsberater , die alljährlich den Fortgang des schwarz-gelben Vorzeigeprojektes beurteilen. Besondere Kritik trifft das Bundeswirtschaftsministerium , zuständig für den Bereich Energieeffizienz – also jenen Teil der Energiepolitik, der die möglichst wirkungsvolle Nutzung der Ressourcen vorantreiben soll. Auch beim dringend notwendigen Ausbau des Stromnetzes sehen sie die Regierung im Rückstand – der kostengünstige und effiziente Windstrom muss schließlich die Verbraucher in den südlichen Regionen des Landes erreichen.

"Ohne weitergehende zusätzliche Maßnahmen werden die Effizienzziele der Energiewende nicht erreicht", heißt es im ersten Zwischenbericht der Experten, den die Bundesregierung am Mittwoch öffentlich vorstellen will. Der ZEIT liegt das Papier vor.

In dem im Oktober 2011 gegründeten Gremium sitzen als Vorsitzender Andreas Löschel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg , Georg Erdmann von der Technischen Universität Berlin , Frithjof Staiß vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg und Hans-Joachim Ziesing, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen.

Effizienz muss steigen

Gemeinsam verlangen sie mehr Engagement der Verantwortlichen, das Energiesparen in Gebäuden zu verbessern . Denn dort wird 40 Prozent aller Energie verbraucht. Aber auch im Verkehr sehen die Experten Defizite.

Wie die Zahlen der Experten zeigen, geht es insgesamt noch zu langsam voran: Um den Energieverbrauch bis 2020 im Vergleich zu 2008 wie geplant um 20 Prozent zu senken, muss demnach die Effizienz in den nächsten Jahren um 2,6 Prozent pro Jahr steigen – bisher sind erst etwa 1,6 Prozent erreicht.

Die derzeit kostengünstigste Option, bei erneuerbaren Energien dem Ausbauziel näher zu kommen, sehen die Fachleute in der Windkraft an Land – aber dies müsse besser mit dem Netzausbau koordiniert werden, verlangen sie.

Überzogene Strompreisaufregung

Der Ausbau der Erneuerbaren verlaufe insgesamt zwar positiv – der Anteil am Stromverbrauch lag 2011 mit 20 Prozent über dem Plan. "Dennoch wird das Erreichen des Mindestanteils von 35 Prozent am Bruttostromverbrauch bis 2020 kein Selbstläufer", warnt die Vierergruppe.

Die Diskussion um den Strompreis ist den Beratern zu aufgeregt. Bis einschließlich 2011 sei der Anstieg nicht so dramatisch verlaufen wie in der Öffentlichkeit oft dargestellt, hieß es. Der Anteil der Ausgaben für Elektrizität am Bruttoinlandsprodukt liegt den Angaben nach mit 2,5 Prozent im Jahr 2011 auf dem Niveau von 1991.

Um die Klimaschutzziele und die Einnahmequellen zur Finanzierung der Energiewende nicht zu gefährden, mahnen die Fachleute eine Reform des EU-Emissionshandelssystem an. Das Hauptproblem ist dabei, dass der Preis für die Verschmutzungsrechte in letzter Zeit deutlich fiel. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard hatte jüngst angekündigt, die Menge der auf dem Markt befindlichen Verschmutzungszertifikate um 900 Millionen zu reduzieren , um den Preis höher zu halten. Der derzeitige Verfall sei kaum ein Anreiz zur Minderung klimaschädlicher Emissionen, beklagt die Regierungskommission.

Damit ergreifen die Experten Partei für Umweltminister Peter Altmaier ( CDU ), der den Vorstoß der EU-Kommission unterstützt. Philipp Rösler , sein Ministerkollege aus dem Wirtschaftsressort, blockiert dies. Medien hatten Rösler zitiert, er sei der "Auffassung, dass der EU-Emissionshandel die ihm zugedachte Funktion, eine mengenmäßige Begrenzung der Emissionen zu gewährleisten, vollumfänglich erfüllt". Verschärfungen des Klimaschutzes stünden nicht im Einklang mit dem Koalitionsvertrag.

Aus der Opposition kam nach Bekanntwerden des Zwischenberichts bereits Kritik an Rösler. Die von ihm beauftragten Wissenschaftler "stellen ihm bei der Stromeinsparung ein verheerendes Zeugnis aus", sagte die Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn . Sie verstehe nicht, warum der beste Weg, um Kosten zu senken, so sträflich vernachlässigt werde.