Energiewende : Drei neue Stromtrassen und Geld für Fassadendämmung

Das Kabinett hat ein Programm zur Gebäudesanierung und zum Stromtransfer beschlossen. Eine Expertengruppe sieht bei der Energiewende mehrere Probleme.
Fassadendämmung mit Styropor © Sean Gallup/Getty Images

Anderthalb Jahre nach Ausrufen der Energiewende hat die Bundesregierung eine erste Bilanz ziehen lassen. Als eines der Hauptprobleme hat sie die Strompreise ausgemacht. Strom wird demnächst unter anderem deshalb teuer, weil die Zwangsabgabe für den Ökostrom steigt. "Eine Herausforderung bleibt die steigende Energiekostenbelastung", heißt es dazu in dem Papier. Man werde darauf achten, dass die Kosten im Rahmen bleiben.

Der Bericht ist eine Art Eröffnungsbilanz der Energiewende, die die Regierung selbst aufstellte. Diesen Report Energie der Zukunft hat sie wiederum von einer vierköpfigen Expertenkommission untersuchen lassen. Die sieht die Fortschritte bei der Energiewende deutlich kritischer . Besonders beim effizienten Einsatz von Energie müsse die Regierung nachbessern, heißt es in dem Bericht. Ohne zusätzliche Maßnahmen seien die Energieeffizienzziele unerreichbar, schrieben die Experten.

Die Viererrunde sieht die Regierung auch beim Ausbau des Stromnetzes im Rückstand. Es geht hier darum, Windstrom aus dem Norden in die südlichen Regionen des Landes zu leiten. Der für Energieeffizienz und Netzausbau zuständige Minister Philipp Rösler sieht die Regierung dagegen "absolut im Zeitplan".

Strompreis dämpft Konsum

Die Regierung dagegen lobt sich in zentralen Bereichen: Der Energieverbrauch sinke wie die Treibhausgasemissionen, es herrsche Versorgungssicherheit und Ökostrom werde immer wichtiger.

Vorsichtig äußerten sich die Autoren des Regierungspapiers zu den gesamtwirtschaftlichen Wirkungen: Sie sehen Investitionen und Beschäftigung steigen. Auf der anderen Seite jedoch dämpft der steigende Strompreis den Konsum.

Das Kabinett besserte zugleich nach:

  • Die Regierung beschloss ein Zusatzprogramm für Gebäudesanierungen: Das Fördervolumen für 2013 steigt demnach um 300 Millionen Euro auf insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Hausbesitzer können bei der Dämmung von Fassaden auf Zuschüsse von bis zu 5.000 Euro hoffen, etwa für den Austausch alter Fenster.
  • Die Ministerrunde beschloss zugleich den Bau von drei neuen Stromtrassen mit einer Gesamtlänge von 2.800 Kilometern, um Windstrom von Norddeutschland in den Süden zu transportieren. Neu ist: Planungs- und Bauzeiten sollen von zehn auf vier Jahre verkürzt werden.
  • Zudem sollen im bestehenden Netz 2.900 Kilometer für die schwankende Ökostrom-Einspeisung optimiert werden.

Die Bundesländer haben sich bereit erklärt, die Planung der großen Stromautobahnen an den Bund abzugeben, damit sie Bauzeiten verkürzen. Ab etwa 2014 sollen die exakten Trassenverläufe festgelegt werden – die Kosten für alle 36 Projekte werden auf zehn Milliarden Euro taxiert. Um Klagezeiten zu verkürzen, soll es nur noch eine Instanz geben, das Bundesverwaltungsgericht.

Dr. Max: Windstrom soll Blackouts im Winter verhindern Zwischen Schwerin und Hamburg ziehen Freileitungsmonteure in Extraschichten eine neue Windstrom-Leitung. Wird die Verbindung nicht rechtzeitig fertig, drohen bei einem kalten Winter "Blackouts". Ein Besuch auf der Baustelle.

Das Deutsche Handwerk würdigte das Sanierungsprogramm zwar als richtigen Schritt. Dennoch seien weitere Impulse notwendig, sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler. Das Problem: Die Zurückhaltung der Hausbesitzer ist groß. Hinzukommt, dass die Zinsen derzeit auf Niedrigstniveau liegen, sodass die Förderprogramme der staatlichen Förderbank KfW kaum attraktiv sind.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Gute Nachricht

Die Experten der Regierung warnen: "Auf der anderen Seite jedoch dämpft der steigende Strompreis den Konsum."

Eigentlich ist dies eine sehr gute Nachricht, denn unsere gesellschaft sollte weniger Strom verbrauchen indem die Verschwendung minimiert wird (Stichwort Standbyströme). Dies als Warnung zu äußern wirkt so, als ob die Experten der Regierung den Energieversorgern sehr nahe stehen.

...........

weniger Strom verbrauchen indem die Verschwendung minimiert wird (Stichwort Standbyströme).

[...]

Ja dass der Deutsche Strompreis der höchste in der Gesamten EU ist und auf den Weg zu den höchsten weltweit macht natürlich nichts... Was soll schon passieren, außer dass noch mehr Menschen sich den Strom nicht mehr leisten können und Deutschland sich weiter deindustrialisiert.

Bitte setzen Sie sich sachlich und argumentativ mit anders lautenden Ansichten auseinander und achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Danke, die Redaktion/fk.

Sehr gute Nachricht?

"...Eigentlich ist dies eine sehr gute Nachricht, denn unsere gesellschaft sollte weniger Strom verbrauchen indem die Verschwendung minimiert wird..."

Wenn ich so etwas schon lese könnte ich die Wand hochgehen. Da das Leben im allgemeinen auch teurer (zu teur) geworden ist, minimieren wir und unser Bekanntenkreis unseren Verbrauch schon seit Jahren um auch diese Kosten zu senken! Wie soll man noch mehr einsparen, wenn man schon bisher den Verbrauch auf ein Minimum reduziert hat?
Solch ein Kommentar kann nur von jemandem kommen, der aus meiner Sicht, zu viel verdient und jede Kostensteigerung wohl egal ist.

Kommt darauf an

Für Firmen die weniger als 1 GWh/a Strom benötigen kann es dank schwarzgelb "Sinn" machen den Stromverbrauch über diesen Wert zu erhöhen. Denn dann werden sie von der EEG-Umlage fast ganz befreit.

Übrigens hat die Niederlande, trotz fehlender Energiewende u. bestehenden AKWs ähnliche Strompreise wie in Dtl.
In Frankreich werden die Strompreise staatlich festgelegt. Schon 2009 wollte EDF um 20% erhöhen, Sarkozy setzte diesen Manager ab. Nicht umsonst ist EDF einer der am höchsten verschuldeten Konzerne Europas.
In F wurden bisher nur 2 Mrd Rückstellungen für AKWs gebildet, in Dtl gibts für weniger AKWs schon 30 Mrd. Aber schon letztere Summe wird nicht ausreichen.
Der alleinige Blick auf die Strompreise bringt also nichts.

Ahaaa

Eine Antwort kann dann wohl auch nur von jemandem Kommen der zuviel verdient - ansonsten würden Sie sich ja nicht auch die "Verschwendung" (Der PC Läuft, der Router läuft) Forum gönnen.

Es ist nunmal Tatsache, dass die Gesellschaft nur für sparsam wird, wenn man's im eigenen Geldbeutel spürt. Falls Sie bessere Ideen haben, wie der größte Teil der "Geiz ist geil" Gesellschaft weniger Strom verschendet, würde es mich freuen diese zu hören.

Vermutlich werden die meisten Haushalte die wirklich sparen müssen auch mehr durch die neue GEZ-Regelungen belastet als durch die erhöhten Strompreise, denn wer sparen musste hat sich bisher den TV gespart und "nur" für den PC bezahlt, da man ohne diesen und ohne Onlinezugang sich ja noch nicht mal auf die meisten Jobs bewerben kann.

Die Zurückhaltung ist groß?

Wenn ich was von meinem Klempner oder Fensterbauer brauche, dauert es aktuell Wochen bis die Zeit haben. Eigerüstete Häuser sieht man so viele wie nie. Wenn Dämmen gefördert werden soll, dann einfach den verringerten Mehrwertsteuersatz auf Dämmprodukte anwenden - ganz unbürokratisch.

Wo lebt Kentzler?

Man merkt mal wieder, dass die sogenannten "Experten" keine Ahnung haben. Zurückhaltung?! Erlauben Sie, dass ich laut und schallend lache.
Das ist das Blödeste, was ich die letzten Tage gelesen habe.
Zurzeit haben Handwerker überhaupt keine Zeit, WEIL gerade so viel gebaut und saniert wird.
Wer jetzt einen Fensterbauer möchte, kann sich darauf einstellen, dass dieser sich frühestens in drei Monaten meldet oder sogar gar nicht, weil die kleinen Aufträge von Privatkunden zurzeit völlig unattraktiv sind. Es wird gerade im großen Stil gebaut und saniert, da ist mehr Geld deutlich einfacher zu verdienen.
Zurückhaltung?! Und nochmal kräftig gelacht.