Die Energiewende belastet vor allem ärmere Haushalte, Alleinerziehende und Singles. Die nicht neue Erkenntnis hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nun mit Zahlen untermauert .

Ab Januar 2013 erhöht sich die sogenannte EEG-Umlage auf 5,3 Cent je Kilowattstunde . Die monatlichen Ausgaben der ärmsten Haushalte würden dadurch von knapp 6 auf 8,75 Euro im Monat steigen, heißt es in der Studie. Die Ausgaben der wohlhabendsten zehn Prozent würden von 7,20 auf 10,75 Euro steigen. Das Institut spricht von einer "deutlichen Umverteilung von Arm zu Reich".

Ein Grund für den eher geringen Unterschied bei der Preissteigerung sei, dass sich der Stromverbrauch mit steigendem Einkommen kaum verändere. Die Ungleichheit bei der Kostenbelastung wird laut IW zudem noch durch die Einnahmeseite verstärkt: Vor allem wohlhabendere Haushalte könnten von Solarzellen auf dem Dach profitieren, während dieser Strom wiederum von allen Verbrauchern bezahlt werden müsse.

Das Institut sprach sich für eine Finanzierung des Ökostroms aus Steuermitteln aus. "Dafür könnte ein Energie-Soli eingeführt werden", sagte IW-Chef Michael Hüther. Dann würden Reichere auch einen höheren Anteil am Einkommen für die Förderung aufwenden müssen.

Die Studie des IW Köln ist allerdings umstritten. Schließlich machen die Ausgaben für Strom nur den geringsten Teil der Energierechnung von Haushalten aus. Einen weitaus größeren Anteil des Einkommens geben Haushalte für das Heizen und für Benzin und Diesel für Autos aus. Der Bundesverband Erneuerbare Energien wirft daher dem IW Köln vor, gezielt "die Erneuerbaren Energien für soziale Not in Deutschland verantwortlich zu machen".

Betriebe setzen auf Selbstversorgung

Auch in der Industrie sehen sich viele Unternehmen durch höhere Stromkosten immer stärker belastet. Bei vielen Betrieben geht der Trend deswegen zur Selbstversorgung. "Jedes dritte Unternehmen beschäftigt sich konkret damit, erneuerbare oder konventionelle Energie selbst zu erzeugen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags ( DIHK ), Hans Heinrich Driftmann , der Frankfurter Allgemeinen Zeitung . Vor allem der Mittelstand verfolge die Energiepolitik der Regierung kritisch.

Oettinger fordert Generalüberholung des EEG

EU-Energiekommissar Günther Oettinger forderte Deutschland auf, das Tempo der Energiewende zu drosseln und sich beim Netzausbau mit den europäischen Nachbarn abzustimmen . Er sprach sich für eine Generalüberholung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) aus. Er sprach sich im ARD-Morgenmagazin gar für eine "Geschwindigkeitsbegrenzung" bei der Energiewende aus.

Am Mittwoch wollen Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) und Umweltminister Peter Altmaier ( CDU ) eine Zwischenbilanz der Energiewende ziehen.