RegierungsberichtGelingt die Energiewende?

Die Regierung sieht sich bei der Energiewende auf einem guten Weg – trotz aller Zweifel und Kritik. Doch wo steht Deutschland wirklich? von Kevin P. Hoffmann

Die Energiewende sei das "wichtigste Projekt seit dem Wiederaufbau und der deutschen Einheit", erklärte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch. Und sein Kabinettskollege Philipp Rösler (FDP) sagte, man sei bei der Umsetzung "schon ein gutes Stück vorangekommen". Er verwies auf 166 Einzelmaßnahmen, die diese Regierung dafür unternommen habe. Die zweifellos größte war der erneute Atomausstiegsbeschluss: Heute in zehn Jahren sollen die letzten Akws stillgelegt sein. Und sonst? Unter den 166 "Maßnahmen" finden sich Kuriositäten wie Beschlüsse zur unterirdischen CO2-Speicherung (CCS), eine Technologie, die hierzulande längst auf Eis gelegt ist. Sogar die "Ausweitung der Lkw-Maut auf Euro-VI-Lkws" hält die Regierung für einen Teil ihrer Energiewende. Bürger und Unternehmer registrieren nur steigende Energiekosten. Am Mittwoch legten Altmaier und Rösler ihren ersten jährlichen "Monitoringbericht" zur Energiewende vor. Er soll Aufschluss darüber geben, ob die ersten Schritte dieses Megaprojektes in die richtige Richtung gingen.

Wie geht es beim Energiesparen voran?

Das zu beantworten, tun sich die Regierung und die Expertenkommission, die die Fortschritte bei der Energiewende begutachtet, schwer – weil Zahlenvergleiche mit den vergangenen Jahren mit Vorsicht zu genießen sind. Die Konjunktur schwankte stark, zudem gab es im Berichtszeitraum einen milden Winter. Beides wirkt sich unmittelbar auf den Energieverbrauch aus. Mittelfristig sinkt der Energieverbrauch etwa in Wohnungen – seit dem Höchststand 1996 um elf Prozent, trotz einer statistisch gewachsenen Wohnungsfläche um 14 Prozent. Auch im Verkehr sank der Verbrauch seit der Jahrtausendwende um gut sieben Prozent.

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Unterm Strich hält der Bericht fest, dass der Verbrauch im Jahr 2011 trotz starken Wirtschaftswachstums kräftig, um fast fünf Prozent, zurückging. Der Stromverbrauch lag um 1,5 Prozent unter dem im Vorjahr und um rund 2,1 Prozent unter dem des Jahres 2008. In den drei Jahren seither habe sich die Energieproduktivität, also der effiziente Umgang mit Energie, jährlich um gut zwei Prozent verbessert. Das langt allerdings nicht: Um das Ziel der Regierung zu erreichen, den Primärenergieverbrauch des Landes bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu senken, "ist eine Verstärkung des laufenden Trends erforderlich", heißt es im Bericht. Die Forscher vermissen zum Beispiel bei der Regierung ein Förderkonzept für die Kraft-Wärme-Kopplung, eine Technologie, bei der man Wärme und Strom aus Kraftwerken effizient nutzbar macht.

Was macht der Ausbau der Erneuerbaren?

Hier gibt es zweifellos die größten Erfolge, wenngleich die nicht nur auf die Regierungspolitik zurückzuführen sind. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch hierzulande ist auf über zwölf Prozent gestiegen. In acht Jahren sollen es 20 Prozent sein. Das nennt die Expertenkommission der Regierung "erreichbar, aber anspruchsvoll". Betrachtet man nur den Stromsektor, wurden 2011 schon 20 Prozent der Energie regenerativ erzeugt. Im ersten Halbjahr 2012 wurde sogar schon rund ein Viertel des Strom mit Wind, Sonne und Biomasse erzeugt. Das ist unter den entwickelten großen Industriestaaten Weltspitze.

Leserkommentare
  1. und sich die Zahlen ansehen!
    Windstrom aus dem Meer wird mit 19 Ct je kwh vergütet und braucht neue, teure Stromnetze.
    PV wird ab 1.1. mit 11,78 Ct/kwh vergütet u. steht verbrauchernah.
    Dasselbe gilt für Onshore-Windkraft die mit 5-9 Ct/kwh vergütet wird.

    Es wird Zeit für vorgezogene Bundestagswahlen. Lieber rotgrün als diese schwatzgelde Chaostruppe!

    Eine Leserempfehlung

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