Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag:

Zwölf Jahre lang hat die Financial Times Deutschland die wirtschaftspolitische Berichterstattung bereichert. So mancher Linke fremdelte mit einem Blatt, dem der Ruf der New Economy und des Börsenkapitalismus anhaftete. Doch wer die FTD aufschlug, dem war solch undifferenzierte Kritik fremd: Sie hat nicht nur qualitativ hochwertig berichtet, sie hat auch immer wieder neue Blickwinkel abseits des wirtschaftspolitischen Mainstreams eingenommen.

Märkte waren für sie nie Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Der Staat nie Marionettenspieler, der Wirtschaft und Gesellschaft steuert, sondern Rahmensetzer. Auf den angeblichen Gegensatz zwischen Markt und Staat hat sich die FTD nie eingelassen.  

In der Euro-Krise gehört die Zeitung stets zu den klügsten Kritikern des Merkelschen Krisenmanagements. Und sie brachte mit einem neuen klugen Neo-Keynesianismus nach Art von Paul Krugman oder Georg A. Akerlof Schwung in die deutsche Debatte zwischen Ordnungspolitikern und Alt-Keynesianern.

Sie hat noch etwas anderes Einzigartiges gemacht. Sie hat Wahlempfehlungen ausgesprochen. Eine echte Neuerung.

Das werde ich nicht nur vermissen, weil wir Grüne dabei wiederholt mit einer FTD -Empfehlung geehrt wurden, sondern weil die Zeitung damit Mut bewiesen hat, klar Stellung zu beziehen.

Die FTD trat an, das Monopol der Finanzzeitungen in Deutschland aufzubrechen. Es ist ihr fast 13 Jahre lang gelungen. Von heute an wird die Meinungsvielfalt in Wirtschafts- und Finanzthemen deutlich kleiner sein. Nach über zwölf Jahren ausgezeichneter Berichterstattung geht ein wichtiger Bestandteil der deutschen Qualitätspresse zu Ende.