US-HaushaltsstreitWenn Amerika über die Klippe springt

Mehr Arbeitslose, mehr Arme, vielleicht eine Weltwirtschaftskrise: Was passiert, wenn sich die Parteien in Washington im Steuerstreit nicht einigen. von 

Obdachloser in Manhattan, New York

Obdachloser in Manhattan, New York  |  © Spencer Platt/Getty Images

Die Zeit ist denkbar knapp. Vier Tage bleiben den Parteien in Washington noch, sich zu einigen. Finden Präsident Barack Obama und die Republikaner keinen Kompromiss im Streit um den Staatshaushalt für das kommende Jahr, stürzen die USA über die Klippe.

Fiscal cliff werden die drastischen Budgetkürzungen und Steuererhöhungen genannt, die dann im neuen Jahr auf das Land zukommen. Sie könnten die USA in eine neue Rezession stoßen. Allein im ersten Halbjahr 2013 würde die Wirtschaftsleistung um drei Prozent schrumpfen, schätzt der amerikanische Kongress. Die Konsequenzen für die Weltwirtschaft wären dem Internationalen Währungsfonds zufolge "dramatisch". Auch die OECD prognostiziert Schlimmes für die Weltkonjunktur, sollten Washingtons Politiker tatsächlich nicht zu einer Einigung finden.

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Doch was genau würde nach dem Jahreswechsel passieren? Ein paar Dinge lassen sich absehen .

Die Schlangen vor den Arbeitsämtern würden wieder länger. Bis zu zwei Millionen Jobs könnten gestrichen werden, schätzt der amerikanische Kongress. Die Arbeitslosenquote würde steigen – von derzeit 7,9 Prozent auf neun Prozent. Langzeitarbeitslose bekämen erst einmal kein Geld mehr: 2,1 Millionen Amerikaner, die länger als sechs Monate arbeitslos gemeldet sind, verlören ihren Anspruch auf Unterstützung.

Auch die Zuschüsse für Hilfsprogramme der einzelnen Bundesstaaten würden ebenfalls zusammengestrichen. Dem Pew Center on the States zufolge träfe das vor allem Bildungszuschüsse, Ernährungsprogramme für Geringverdiener und Sozialwohnungen. Dadurch würden viele Arme noch ärmer.

Weniger Forscher, weniger Ärzte

Auch Amerikas Militär würde schrumpfen. 100.000 Soldaten bei Infanterie, Marine und Luftwaffe müssten entlassen werden. Damit würde die Heeresstärke auf das Niveau von 1940 zurückfallen. Die Flotte hätte so wenige Schiffe wie zuletzt 1915, und die Stärke der Luftwaffe wäre reduziert wie nie zuvor.

Die Rüstungsindustrie verlöre außerdem ihren besten Kunden. Das Pentagon müsste 55 Milliarden Dollar jährlich sparen. Das würde nach Schätzung des US-Kongresses eine Million Jobs in der privaten Industrie kosten, betroffen wären Firmen wie EADS , Heckler & Koch und Siemens .

Viele Forscher stünden auf der Straße. Durch die Budgetkürzungen und die Streichung von Steuersubventionen verlören 31.000 Wissenschaftler ihren Job, schätzt die George Mason University im Auftrag der Aerospace Industries Association. Das entspricht drei Prozent der Stellen in den Bereichen Life Science, Sozial und Naturwissenschaften. Auch Ärzte würden weniger verdienen, weil Medicare, die staatliche Gesundheitsversorgung für Rentner, ihre Honorare um 30 Prozent kürzt.

Leserkommentare
  1. Denn ganz klar ist dass kein Unternehmer und sei er noch so fleißig, ohne infrastruktur, ohne Bildung , ohne Recht und Ordnung , die der Staat gewährt, ohne Vertrauen durch rechtssicherheit auch nur einen heller verdient hätte...

    Es ist ein symbiothisches unternehmen. Und keines kann ohne den anderen Leben... hat der Staat natürlich auch sein "Recht" auf den "gerechten" Anteil, der das Bestehen des einzelnen überhaupt ermöglicht..

    Antwort auf "Unwort Steuergeschenk"
  2. Aber ziehen die Falschen Rückschlüsse..

    Wie kann man behaupten die Weltwirtschaftskrise habe vor allem den Reichen geschadet..

    Es waren die Armen .. Immer die Armen, die am meisten leiden mußten.. Was kratzt es den reichen mit Immobilen, wenn das Geld entwertet wird. Sicher weniger als den Armen, der nun alles verliert, der nie die Chance hatte Vermögen durch Sachgüter in Sicherheit zu Bringen.

    Die Situation in den USA ist Brandgefährlich für die Welt. Nicht weil diese Situation für sich schon gefährlich ist, sondern weil Das Wirtschaftssystem der Welt als Ganzes weit anfälliger geworden ist für Schocks und Einbrüche.

    Ein starker Mann brauch die Grippe nicht so zu fürchten wie ein gebrechlicher alter Mann.

    Es ist den meisten Kaum bewußt, wie bedroht die Weltwirtschaft ist. Angenommen ein bedeutender Staat wie zb. Spanien würde Bankrott machen mit einem Schulden schnitt, so bestünde die Gefahr eines Bankenruns , Panik, Ausbreitung auf andere Staaten. usw.

    Und nun stellen Sie sich eine solche Situation vor, für ganz Europa oder die USA usw. mit welchem Geld werden dann die Gemüsehändler von den Bauern das Gemüse ordern ? Wer würde ohne Zahlungsmittel die Tankstellen beliefern.

    Der Zusammenbruch wäre kolossal und weit schwerwiegender als 1930, weil das System nach 80 Jahren Globalisierung weit stärker auf Sofortlieferversorgungen angewiesen ist. Es gibt keine Redundanzen keine Resilienz. Es wäre ein echter Kollaps. Niemand kann das wünschen.

    Antwort auf "nun erstmal ausatmen"
    • trik
    • 27. Dezember 2012 21:12 Uhr

    die usa? was passiert wenn sie nicht mehr sind? ja, die kriegstreiberei wäre auch vorbei - wäre doch gut?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • postit
    • 27. Dezember 2012 21:41 Uhr

    Einfalt.

    wurde immer auch Krieg geführt. :-(

    • postit
    • 27. Dezember 2012 21:41 Uhr
    44. heilige

    Einfalt.

    Antwort auf "wer braucht "
  3. wurde immer auch Krieg geführt. :-(

    Antwort auf "wer braucht "
  4. Senden Sie mir eine Einaldungskarte und ich hole mein Tuxedo aus dem Keller,bitte vergessen Sie nicht Bill Gates,Warren Buffet und Hugh Hefner einzuladen.

    B.67

  5. Bisher hat man Obama vorgeworfen, dass er ebenso schnell umkippt wie unsere Kanzlerin. Diesmal ist die Situation umgekehrt. Er drückte seine Sicht in zwei simplen Worten aus: "You lost". Da können die Republikaner noch so viel zetern, sie haben nun mal verloren.

    Antwort auf "Krugman hat recht!"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Siemens AG | EADS | OECD | USA | Benzinverbrauch
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