Kritik an Deutsche-Bank-Chef : "Das Recht steht auch über Herrn Fitschen"

Hessens Justizminister ist fassungslos über das Verhalten des Deutsche-Bank-Chefs Fitschen. Dieser hat nun angekündigt, die Kultur in seinem Haus ändern zu wollen.
Jürgen Fitschen © Mathis Wienand/Getty Images

Hessens stellvertretender Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn hat den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen , scharf kritisiert. "Ich finde es unglaublich, dass ein gestandener Banker wie Herr Fitschen auf die Idee kommt, sich bei der Politik über das Vorgehen von Ermittlungsbehörden zu beschweren", sagte der Justizminister der Bild-Zeitung . Deutschland sei ein Rechtsstaat. "Hier steht das Recht auch über einem Herrn Fitschen und der Deutschen Bank ", sagte der FDP-Politiker.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass sich Fitschen in der vergangenen Woche beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier über die Steuerrazzia in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank beschwert hatte. Dafür war der Banker bereits von Unionsfraktionsvizechef Michael Meister und dem stellvertretenden SPD-Fraktionschef Joachim Poß kritisiert worden.

Fitschen bedauere inzwischen seinen Anruf bei Bouffier, heißt es aus Kreisen des Managers. Zudem versprach er, die Kultur in Deutschlands größtem Geldhaus ändern zu wollen. Die Deutsche Bank wolle ihre Vergangenheit "abarbeiten", sagte Fitschen am Montagabend in Essen bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Durchsuchungsaktion.

Fitschen ermahnt Verbraucher

Kein Bankgeschäft sei gut, wenn es das Vertrauen in das Institut erschüttere, sagte er. Letztlich entschieden die Kunden, welche Banken überleben würden. Aber auch die Kunden von Banken müssten Verantwortung übernehmen, fügte Fitschen hinzu. Wer einen Kredit in Anspruch nehme, müsse daran denken, dass dieser einmal zurückgezahlt werden müsse.

Fitschen hatte die Führung der Deutschen Bank im Juni gemeinsam mit dem langjährigen Investmentbanking-Chef Anshu Jain übernommen. Zusammen mit dem neuen Aufsichtsratschef Paul Achleitner haben sie versprochen, es werde keine windigen Geschäfte mehr geben. Doch die Bank muss noch eine ganze Reihe von Skandalen aus der Vergangenheit aufarbeiten, die sehr teuer werden könnten: Hypothekenklagen in den USA gehören ebenso dazu wie die Verstrickung in die Manipulation von Referenz-Zinssätzen und Steuerbetrug beim Handel mit CO2-Zertifikaten , weswegen die Räume der Bank am Wochenende untersucht wurden.

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Kommentare

95 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Die Arroganz des Geldes.

Man liest, dass Herr Fitschen auch beim SPIEGEL angerufen hat, um sich über das "Vorgehen" der Staatsanwaltschaft zu beschweren.
Wie hat er es geschafft, dass sein Privathaus in letzter Minute von den Durchsuchungen ausgenommen wurde?
Mit welcher Auffassung von Recht und Ordnung darf jemand wie dieser Banker, Bankier trifft ja wohl kaum zu, ein Unternehmen wie die Deutsche Bank führen?
Vermutlich mit der gleichen Auffassung, mit der "Gattinnen" dieser Spezies mit ihren SUVs zwei Parkplätze beim Supermarkt beanspruchen.
Alles meins?

Es geht auch nicht um die Rettungsgelder

sondern um die 300 Mio. die in der Umsatzsteuererklärung angegeben wurden und die die Bank aufgrund der USt. ausgezahlt bekommen hat.

Das ist wie ein billiger Kredit für die Bank, die meint, man könne solche Beträge auch 2 Jahre später korrigieren und nix passiert.

Wenn Kunden bei uns sowas machen, spricht man Steuerverkürzung(Strafbar) sowie von Steuerhinterziehung.

Dieser Fall hier geht aber noch weiter, denn die angemeldeten Umsatzsteuern existierten nicht einmal. Nichtmal auf dem Papier, also ist das hier vorsätzlicher schwerer Steuerbetrug.

Nichtmal eine Selbstanzeige sollte die Herren retten können, aber es sind ja Bankvorstände, wer weiß wieviel Millionen jetzt als Abfindung fließen.

mfg

Einspruch

Da muss ich Ihnen aber doch widersprechen. Es stimmt zwar, das Big Joe sich breitspurig aufführte und über all reklamierte, dass die DB wirklich gut dastehe. Das hat aber nur funktioniert weil er indirekt von Steuergeldern gerettet wurde.
Die Deutsche Bank hat Milliarden vom amerikanischen Steuerzahler bekommen, (Welche als Rettung der AIG verbucht wurden) Und von den Rettungspaketen an diverse Europäische Länder, die im Endeffekt ja doch nur in Fonds verschiedener institutioneller und privater Anleger zurückflossen ganz zu schweigen.

Also zu sagen, die DB hätte keine Steuergeld verzockt, wäre da zu kurz gegriffen. Vor allem, da die Deutsche Bank vor der Krise neben GoldmanSachs einer der ruchlosesten Zocker mit Sublime Hypotheken Papieren war (Ich sage nur "GemStone") und kurz vor Ende der Krise haben Sie genauso wie Goldman gegen Ihre eigenen Kunden mit CDS gewettet.

Ich sehe wirklich absolut keinen Grund eine Bank in Schutz zu nehmen, die sich zum Ziel setzte 20% Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften, wo jeder mensch mit auch nur mittelmäßiger mathematischer Begabung ausrechnen kann, dass das unmöglich ist auf lange Sicht!

Wie bezeichnend: Über den Bruch der Vertraulichkeit des

gesprochenen Worts regt sich niemand auf!

"Am Wochenende war bekannt geworden " - solche Passiv-Komstruktionen liebe ich! Wer wollte da den Mahner mundtot machen?

Es ist doch ganz selbstverständlich, dass sich ein jeder an seinen Abgeordneten wednden darf, wenn er ezeas auf dem Herzen hat! (Desitzanzeigendes Fürwort).

"Fitschen ermahnt Verbraucher"
Eben. Der Mann tit was für dein Volk.

Ich bin volkommen Ihrer Meinung

Jeder kann sich da beschweren, muss es sogar, wo er sich ungerecht behandelt fühlt. Ich wünsche ebenfalls die Deutsche Bank zum T....., aber soweit reicht mein Gefühl dennoch, ihr das zuzugestehen. Herr Bouffier kann ja sagen, dass er sich nicht zuständig fühlt etc. Oder zurücktreten, er war ja auch beteiligt und das hat nicht gut ausgesehen, wie er sich geäußert hat im TV.

Was für eine Anmaßung

"Wer einen Kredit in Anspruch nehme, müsse daran denken, dass dieser einmal zurückgezahlt werden müsse."

angesichts der sträflichen Vergehen und der nicht zu vergessenden sträflichen Dummheit dieser Leute,
hier noch die Haltung des moralischen Mahners gegenüber den "Peanuts"-Schuldnern einzunehmen.

Hilfs-Moral-Apostel

Als Moralapostel mit Binsenweisheiten unterwegs - ist das die neue Kultur?

Hat nicht gerade die Deutsche Bank darauf Wetten abgeschlossen, dass Kunden Kredite nicht zurückzahlen werden?

Ist nicht genau das und der Verkauf dieser Wettpapiere der Grund warum wir (alle) jetzt so massive Probleme haben - ausser eben der sauberen Bank,

* die nicht Unrechtes getan hat aber den Staatsanwalt an der
Backe hat

* gerne mal ein paar Mails "verliert", die lästig sein
könnten

* Kunden mit Interviews der Chefs in den Konkurs treibt
(meint das Gericht: Breuer/Kirch)

* sich im Bedarf retten läßt

Und immer noch Ratschläge verteilt, wie sich andere zu verhalten haben.

Man müßte weinen, wenn es nicht zum Lachen wäre - oder umgekehrt - je nach Gemütslage.

Verstehe das Problem noch nicht so ganz...

"Hat nicht gerade die Deutsche Bank darauf Wetten abgeschlossen, dass Kunden Kredite nicht zurückzahlen werden?"

Naja, wenn absehbar ist, das gewisse Kunden ihr Geld nicht zurückzahlen können, dann kann man wenigstens noch versuchen, seinen Verlust zu minimieren.

"die nicht Unrechtes getan hat aber den Staatsanwalt an der
Backe hat"

Der Staatsanwalt kann weder Recht noch Unrecht ermitteln, dies kann nur ein Richter. Das nicht unbedingt jeder, der "den Staatsanwalt an der Backe hat" schuldig ist, sollte eigentlich spätestens nach dem KAchelmann Fall wirklich jedem bekannt sein. Also, wenn ein Richter entscheidet und beide Seiten dsa Urteil nicht mehr anfechten gerne. Aber vorher sagt die Anwesenheit von irgendwelchen Halbgöttern in Anzug (aka Staatsanwaltschaft) überhaupt nichts aus.

"gerne[...]"verliert", die lästig sein
könnten"
Wiederum eine Unterstellung von Ihnen. Es sind wohl Mails abhanden gekommen. Was da passiert ist bleibt zu klären, bis dahin ist die Aussage, das es sich hierbei um die gezielte Vernichtung von Beweismitteln handelt, reine Spekulation.

"Kunden [...] Konkurs treibt
(meint das Gericht: Breuer/Kirch)"

Die DB wird die Strafe zahlen und gut. Hier wurde damals ein Fehler in der Einschätzung begangen, dieser wurde nur via Gericht sanktioniert.

"sich im Bedarf retten läßt"
mir wäre neu, das die DB direkt Staatshilfen beantragt hat. Mal davon abgesehen: Beschweren Sie sich hier über die Bank die das GEld annimmt oder über den Staat der es ausgibt?

Da gibt es kein Problem zu verstehen

Das ist die Geschichte vom Glashaus und dem Stein.

Ihre Erwiderung ist eine gültige Sicht auf die Dinge, aber
nicht die einzige und nicht zwingend die plausibelste.

* gegen Kunden wetten = Verluste minimieren?
- Ganz sicher - nicht. Hört sich edel an, aber ich denke
da steht erst mal das renditeziel von 25% im Raum, wer
wird in der Bank in Boomzeiten Verluste minimieren?

* Staatsanwalt - klar nichts ist entschieden. Für eine Bank
aber doch etwas peinlich oder? Wieviele Juristen
beschäftigt die Dt. Bank?

* Mails kommen nicht gut alleine abhanden.
Aufbewahrungspflicht für Geschäftsunterlagen? Compliance?
Gilt glaube ich auch für Dt. Bank, aber ich bin da kein
Experte

* Kirch. Das ist und war der Klassiker - Was darf
ein Banker niemals tun - das hat ihn nicht abgehalten und
die Anwaltsbrigade nicht abgehalten die Wahrheit ein
Jahrzehnt zu verschleppen.

* sich im Bedarf retten lassen. Das haben sie noch nicht
getan - bislang kein Bedarf. Warten wir das doch mal
ab. Das ist der einzige offene Punkt.

Und nun? Ich bleibe dabei. Die Deutsche Bank hat zum Thema
Moral rund um Geld keine Lufthoheit mehr.