Fracking : Der nächste große Energiestreit

Deutschlands Energiekonzerne wittern ein Millionengeschäft: Erdgasförderung mit Fracking. Die Umweltfolgen sind umstritten, die Regierung bleibt tatenlos.

Heilwasserquellen und Erdgasförderung mithilfe von Chemie – dass das zwei unvereinbare Dinge sind, musste kürzlich der Energiekonzern Exxon Mobil einsehen. Eigentlich wollte das Unternehmen im Osnabrücker Land Erdgas fördern, ausgerechnet in der Nähe zweier Heilwasserquellen, ausgerechnet mit der umstrittenen Methode des Fracking. Doch die Bevölkerung lief Sturm. Nun wird der Konzern die beiden Förderprojekte nicht weiterverfolgen . Die Bohrlöcher werden zugeschüttet, die Bohrtürme abgebaut. Der Traum vom schnellen Geld ist ausgeträumt. Zumindest vorerst.

Kein fossiles Energiethema sorgt derzeit für so viel Aufregung in der Bevölkerung wie das sogenannte Fracking. Mehr als 20 Bürgerinitiativen zählt allein die Internetseite www.gegen-gasbohren.de . Ob Gemeinderäte oder Kreistage, allerorts verabschieden Bürger Resolutionen gegen Fracking-Vorhaben. Ihre Sorge gilt dem Trinkwasser. Die Diskussionen erinnern an die Diskussion um CCS, das Verpressen von Kohlendioxid unter Tage, das wegen massiver Bürgerproteste heute in Deutschland als gescheitert gilt.

Beim Fracking wird unter hohem Druck ein Mix aus Sand und Chemikalien unter Tage gepresst. Damit lässt sich Erdgas aus Gesteinsschlichten lösen und fördern. Das Verfahren ist umstritten, weil unklar ist, welche ökologischen Folgen der Chemikaliencocktail hat. Kommt es zu Rissen im Gestein, könnte das Trinkwasser verschmutzt werden. Erst im September hatte das Umweltbundesamt den eingesetzten Stoffen teilweise "hohes Gefährdungspotenzial" bescheinigt. Die Behörde setzt sich für strenge Auflagen und den Einsatz weniger gefährlicher Chemikalien ein.

Die Interessen der Umweltschützer kollidieren mit jenen der Erdgaswirtschaft. Die hofft auf ein lukratives Geschäft. Je schlechter konventionelle Erdgasquellen zu erschließen sind, desto eher rechnet sich die Förderung des Schiefergases. Das zeigen die Entwicklungen in den USA , die gerade einen Schiefergasboom erleben.

Das Umweltbundesamt schätzt, dass rund 1,3 Billionen Kubikmeter Gas in deutschem Schiefergestein verschlossen sind. Das würde Deutschlands Bedarf für 13 Jahre decken. Gerade jetzt, in Zeiten der Energiewende, wird der Energieträger immer wichtiger. Schließlich sind Gaskraftwerke flexibel und können die Schwankungen im Stromnetz wegen des flukturierenden Ökostromangebots ausgleichen. Der Energieträger ist klimafreundlicher als Kohle. Erdgas made in Germany würde zudem die Abhängigkeit von Importen senken.

Exxon Mobil, einer der weltgrößten Energiekonzerne, verfolgt in Deutschland verschiedene Fracking-Projekte. Sechs Bohrungen in Schiefergestein habe das Unternehmen in der Vergangenheit bereits gemacht, teilt ExxonMobil auf Nachfrage mit. Sechs weitere Erkundungsbohrungen seien geplant, darunter drei mit der Fracking-Methode. "Weder in konventionellen noch in unkonventionellen Lagerstätten ist die Frac-Flüssigkeit insgesamt giftig oder umweltgefährlich", teilt eine Exxon-Mobil-Sprecherin mit.

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Kommentare

81 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

Die Umweltschäden sind unkalkulierbar!

Ob brennendes Leitungswasser, vergiftetes Erdreich, beschädigte Häuser durch Bodenabsenkung.
Die Palette an schlimmen Folgen, die man mit Fracking in Kauf nimmt, ist beeindruckend.

Wie man nur auf so eine Idee kommen kann?

Hochgiftige Chemikalien in Richtung Grundwasser zu drücken…
Das hat das Niveau eines Heroinabhängigen, der für den letzten Schuss auch die Großmutter verkaufen würde.

In Frankreich wurde es übrigens verboten:
…Als zweite konkrete Maßnahme ordnete Hollande an, dass alle sieben Anträge auf Hydraulic Fracturing (Fracking) abgelehnt werden. Er begründete die Entscheidung damit dass "niemand, wirklich niemand" Risiken für Gesundheit und Umwelt ausschließen könne, die eine Förderung von unkonventionellem Erdgas und Erdöl in Schiefergestein mit sich bringen könne.
http://www.euractiv.de/en...

Kaputsparer am Werk!!!

Dann hoffe ich mal nicht,dass Sie reflexartig die Heizung aufdrehen, wenn der Hintern anfriert. Am besten sie nehmen dann das billigere Frostschutzmittel für den Heizkörper und verkünden auf der zugeeisten Toilettenschüssel ihre Naturverbundenheit. Da bekommt das gute alte Arbeiterkampflied "Brüder zur Sonne, zur Freiheit" eine wirklich zeitnahe und realitätsnahe Bedeutung. Wenn ich richtig vermute, werden sie im Falle der Bauerlaubnis des Langsamen Atombrühters selbstverständlich auch reflexartig nichts Besseres zu tun haben und eine Petition ins Leben rufen? Bekommen Sie eigentlich mit, wie die Ökofaschisten unser Land kaput-sparen wollen? Zuerst kommen die Menschen. Wer das nicht verinnerlicht, landet auf dem Müllhaufen der Geschichte.

Die Klimakrieger

hieß das Dossier in der ZEIT vom 22. November. Darin wird sehr ausführlich thematisiert, wie jene Konzerne, die mit fossilen Energieträgern immer noch Milliardengewinne scheffeln, über bezahlte Propaganda jene Wissenschaftler zu diskreditieren versuchen, die den Klimawandel erforschen.
Ihr "Diskussionsbeitrag" liest sich wie eine Fortsetzung dessen - jeder der sich gegen die skrupellose Plünderung der Vorräte dieses Planeten an fossilen Energieträgern ausspricht, wird mit übelster Propaganda überschüttet.
An dieser Stelle sei an J.F. Kennedy erinnert, der seinen Mitbürgern einst verkündete, man habe sich entschlossen auf dem Mond zu landen nicht weil dies einfach wäre, sondern weil es eine enorme Herausforderung darstellte.
Heute stellt die Abkehr von der Nutzung fossiler Energieträger die entscheidende Herausforderung für die Zukunft der Menschheit dar. Der feine Unterschied ist nur, die führende Wirtschaftsmacht reagiert darauf eher reaktionär und risikoscheu.

Was tun wir eigentlich,

...wenn auch diese 13 Jahre vorbei sind?

Ein Wörtchen fehlt mir in dem Artikel: der Begriff "Methan".
Soviel ich weiß - bin leider kein Geologe - wird beim Fracking eine erhebliche Menge an Methan frei gesetzt, welches sich etwa 20 x schädlicher auf die Klimaerwärmung auswirkt als CO2. (Daher auch die Diskussion wegen des ständig wachsenden Fleischkonsums in der Welt)

Hören wir auf, Rohstoffe zu verbrennen!